BAU-R-1 Erholungsflächen

Zwei Hochhäuser im Hindergrund umgeben von einem dichten Baumbestand und einer Kleingartenanlage.zum Vergrößern anklicken
Grünflächen sind bei hochsommerlichen Wetterlagen kleinräumige Kälteinseln in der Stadt.
Quelle: Tobias Krull / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BAU-R-1: Erholungsflächen

Der Anteil der Erholungsflächen in den Kernstädten von Agglomerationsräumen steigt seit 1996 signifikant. Zumindest ein Teil des Anstiegs ist allerdings auf Umstellungen der statistischen Datenerfassung zurückzuführen und spiegelt möglicherweise keine reale Entwicklung wider.

Ein Balkendiagramm zeigt den Anteil der Erholungs- und Friedhofsflächen in Kernstädten der Agglomerationsräume. Dargestellt ist eine Zeitreihe seit 1996 bis 2012. Teilweise fehlen Daten für einzelne Jahre. 1996 lag der Anteil bei etwa 13%, 2012 etwa 15%. Es zeigt sich ein steigender Trend, der positiv bewertet wurde und daher mit einem grünen aufsteigenden Pfeil dargestellt wird.
Seit 1996 ist der Anteil an Grünflächen in Städten gestiegen.
Quelle: Umweltbundesamt
 

Städtische Grünflächen – kühlende Oasen

Thermische Belastungen können bei der Bevölkerung zu gesundheitlichen Problemen und in extremen Fällen auch zu einer erhöhten Sterblichkeit führen. Risikogruppen sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, Kinder und isoliert lebende Personen. Aber auch andere Bevölkerungsgruppen können durch zukünftig häufigere Wärmebelastungen möglicherweise beeinträchtigt werden. So können z. B. Beschäftigte unter Müdigkeit, Konzentrationsschwäche und Belastungen des Herz-Kreislaufsystems leiden, wenn die Temperaturen am Arbeitsplatz zu hoch klettern. Hinzu kommen die möglichen Folgen von hohen nächtlichen Temperaturen, da dann eine erholsame Nachtruhe verhindert oder eingeschränkt wird.

Es wird erwartet, dass sich durch den Klimawandel stadtklimatische Effekte weiter verstärken und hitzebedingte Gesundheitsprobleme häufiger auftreten können. Um diesen möglichen Klimawandelfolgen entgegenzuwirken oder vorzubeugen, können Maßnahmen auf verschiedenen Ebenen ansetzen. Einen wichtigen Beitrag dazu leisten eine angepasste Gestaltung von Städten und Stadtvierteln und deren ausreichende Ausstattung mit „grünen“ und „blauen“ Infrastrukturen, d. h. mit Grün­ bzw. Gewässerflächen. Überwiegend grüne, wenig versiegelte Flächen, z. B. Erholungsflächen wie Sport­ und Spielflächen, Grünanlagen und Campingplätze oder auch Friedhofsflächen, übernehmen wichtige Funktionen für das lokale Kleinklima.

Die positive Wirkung von Grünflächen auf das Stadtklima sowie für die Luftqualität und Lärmminderung wird durch die Größe, den Aufbau und die Zusammensetzung der vegetationsbestandenen Flächen bestimmt. Schon mit Gras bepflanzte Flächen lassen gegenüber der bebauten Umgebung günstige Veränderungen in ihrer Strahlungs- und Wärmebilanz erkennen, sofern sie gut mit Wasser versorgt sind. Sträucher und schattenspendende hohe Bäume verstärken die bioklimatischen Effekte. Im Vergleich zur Umgebung stellen sich niedrigere Oberflächen- und Lufttemperaturen ein. Zudem zeichnen sich Grünflächen durch eine höhere relative Luftfeuchtigkeit gegenüber versiegelten Flächen aus.

Eine besondere Verantwortung für das Siedlungsklima kommt den Kommunen zu. Positiven Einfluss können sie nehmen, indem sie z. B. bestehende grüne Flächen erhalten, miteinander vernetzen und zusätzlich neues Grün schaffen. Idealerweise sind die Grünflächen über Ventilationsbahnen an Kaltluftentstehungsgebiete wie Wiesen und Felder im ländlichen Umland angebunden. In den urbanen Gebieten werten die Kommunen damit zudem die ökologischen Funktionen der Siedlungsgebiete auf und steigern Lebens- und Wohnqualität.

In den Kernstädten von Agglomerationsräumen – das sind Regionen mit Oberzentren mit mehr als 300.000 Einwohnerinnen und Einwohnern oder einer Bevölkerungsdichte von ca. 300 oder mehr Einwohnerinnen und Einwohnern je Quadratkilometer – ist der Anteil der Erholungsflächen seit 1996 signifikant gestiegen. Dies bedeutet grundsätzlich einen Zuwachs von innerstädtischen grünen Flächen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass die Führung der amtlichen Liegenschaftskataster in den Ländern umgestellt wurde bzw. sich noch in Umstellung befindet. Hierdurch kommt es in der Flächennutzungsstatistik zu Veränderungen, denen keine tatsächlichen Nutzungsänderungen zugrunde liegen. Dies schränkt die zeitliche und räumliche Vergleichbarkeit der Daten ein. In den nächsten Jahren wird sich zeigen, ob sich der bislang erkennbare signifikante Aufwärtstrend nach dem Abschluss der Umstellung weiter fortsetzt.

 

Schnittstellen

GE-I-1: Hitzebelastung

BAU-I-1: Wärmebelastung in Städten

RO-R-4: Vorrang- und Vorbehaltsgebiete für besondere Klimafunktionen

 

Ziele

Linderung einer klimatisch bedingten verstärkten Auf- heizung der Städte durch geeignete Architektur sowie Stadt- und Landschaftsplanung; Gewährleistung der Frischluftzufuhr über unverbaute Frischluftkorridore; Hemmen einer weiteren Versiegelung von Freiflächen bei der Stadtentwicklung (DAS, Kap. 3.2.1)

Freihaltung von Frisch- und Kaltluftentstehungsgebieten sowie -­abflussbahnen im Rahmen der Siedlungsentwicklung (DAS, Kap. 3.2.14)