GE-I-6 Blaualgenbelastung von Badegewässern – Fallstudie

Paddel taucht in Wasser mit starker Blaualgenentwicklung ein.zum Vergrößern anklicken
Das Baden in Gewässern mit Blaualgenbelastung ist ein Gesundheitsrisiko.
Quelle: Dr. Ingrid Chorus / Umweltbundesamt

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

GE-I-6: Blaualgenbelastung von Badegewässern – Fallstudie

Witterungsabhängig kann es an Badegewässern in der Badesaison zu gesundheitlichen Risiken durch erhöhte Konzentrationen von Blaualgen kommen. Die Erhebungen am Berliner Müggelsee zeigen, dass es aufgrund stark reduzierter Nährstoffeinträge ab Ende der 1980er zu einem deutlichen Rückgang der Belastungen gekommen ist, allerdings zeigen die letzten zwölf Jahre keine klaren Trends mehr.

Grafik zur Darstellung des durchschnittlichen Biovolumen Cyanobakterien (Juli bis September) und Gesamtphosphorgehalt (Juli bis September) der Jahre 1979 bis 2013
Belastung des Berliner Müggelsees mit Cyanobakterien und Phosphor von 1979 bis 2013.
Quelle: Umweltbundesamt
 

Blaualgen – Beeinträchtigung des Badevergnügens

Wenn in Zukunft die Temperaturen im Sommer an-steigen, wird das Bedürfnis der Menschen nach einem kühlenden Bad in Seen, Flüssen und im Meer zunehmen. Gleichzeitig kann der Klimawandel aber die Qualität von Badegewässern nachteilig beeinflussen. Ein im Zusammenhang mit dem Klimawandel viel diskutiertes Gesundheitsrisiko ist die Belastung von Badegewässern mit Cyanobakterien, landläufig auch als Blaualgen bezeichnet.

Zu erhöhten Konzentrationen von Cyanobakterien kommt es vor allem in Gewässern, die reich an Pflanzennährstoffen, vor allem an Gesamtphosphor, sind. Allerdings lässt sich daraus nicht grundsätzlich schließen, dass alle nährstoffreichen, also eutrophen Gewässer auch zu Massenvermehrung von Cyanobakterien neigen, denn die Cyanobakterien müssen sowohl mit höheren Wasserpflanzen als auch mit anderen Phytoplankton­Arten um die verfügbaren Nährstoffe konkurrieren. Die Konkurrenzbedingungen sind dann für die Blaualgen besonders günstig, wenn starke Sonneneinstrahlung und hohe Temperaturen bereits im Frühjahr zu einer stabilen ther-mischen Schichtung des Gewässers führen. Dann kann es auch bei den langsam wachsenden Cyanobakterien zu Massenentwicklungen, sogenannten „Wasserblüten“ kommen. Aufgrund dieser Abhängigkeit der Blaualgenblüte von den Witterungsbedingungen wird ein Zusammenhang zwischen dem Klimawandel, der Wassererwärmung und gesundheitlichen Beeinträchtigungen durch Cyanobakterien diskutiert.

Durch Baden in stark blaualgenhaltigem Wasser treten – Beobachtungen zufolge – vermehrt Symptome wie Hautund Schleimhautreizungen und allergische Reaktionen, aber auch Magen-Darm- und Atemwegserkrankungen auf. Ob diese letztendlich durch die cyanobakteriellen toxischen Inhaltsstoffe (Cyanotoxine) oder Begleitbakterien verursacht sind, ist noch nicht geklärt. Bei der Aufnahme größerer Mengen von Cyanotoxinen kann es zu schwerwiegenden Schädigungen an Leber, Nieren und Nerven kommen. Besonders gefährdet sind Kleinkinder und Kinder im Grundschulalter, die beim Krabbeln oder Toben im Flachwasserbereich unbeabsichtigt auch größere Wassermengen schlucken können, oder ungeübtere Wassersportler, die beim Surfen und Wasserskifahren mit Cyanobakterien belastetes Wasser nicht nur verschlucken, sondern auch über die Atmung aufnehmen. Ist das Wasser deutlich sichtbar durch Cyanobakterien getrübt oder bilden sich gar Schlieren an der Wasseroberfläche, wird vom Baden abgeraten.

Beobachtungen haben gezeigt, dass die Zusammenhänge bei der Entwicklung von Blaualgenbelastungen komplex und Verallgemeinerungen außerordentlich schwierig sind. Je nach Nährstoffverfügbarkeit, Größe, Tiefe, Windexposition und Nutzung kann die Entwicklung im jeweiligen Gewässer sehr unterschiedlich verlaufen. Um bundesweit repräsentative Aussagen treffen zu könnten, müssten mehrere Badegewässer in die Betrachtung einbezogen werden. Allerdings sind die Untersuchungen an Gewässern zum Blaualgenvorkommen derzeit noch sehr unterschiedlich. Oftmals werden die Messungen zu selten durchgeführt, um systematisch Belastungen erfassen zu können. Aussagen, ob es in Deutschland in den vergangenen Jahren generell an den Badegewässern zu einer vermehrten Blaualgenbelastung gekommen ist, sind mit den zurzeit verfügbaren Daten nicht möglich.

Exemplarisch lässt sich die Entwicklung der letzten dreißig Jahre anhand von Daten zum Großen Müggelsee aufzeigen. Der größte der Berliner Seen hat vor allem für die östlichen Stadtteile einen hohen Freizeit- und Erholungswert. Seit den 1980er Jahren ist die Biomasse von Blaualgen zurückgegangen. Der starke Rückgang Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre ist vor allem Folge der verminderten Nährstoffeinträge über die Spree nach der politischen Wende 1989. Seit Mitte der 1990er Jahre zeichneten sich dann allerdings weder bei der Phosphorbelastung noch der Blaualgen-Biomasse klare Trends ab. Dies liegt zum einen daran, dass die Phosphorbelastung noch immer die kritische Grenze überschreitet, ab der sich Blaualgenblüten ausbilden können. Zum anderen kommt es im Zuge der Erwärmung immer wieder zu länger andauernden und stabileren Schichtungen des Wasserkörpers. Diese fördern in besonderer Weise die Entwicklung der Blaualgen, die
in diesen Phasen dann auch sehr hohe Anteile an der gesamten Phytoplanktonbiomasse erreichen können. Die teilweise starken Schwankungen der Blaualgenbelastung zwischen den Jahren sind im Wesentlichen auf die unterschiedliche Ausprägung der Schichtungsereignisse in den jeweiligen Jahren zurückzuführen. So war beispielsweise im Hitzesommer 2003 die sommerliche Schichtung deutlich weniger stabil als 2006, einem Jahr in dem eine vergleichsweise hohe Blaualgenbiomasse und ein Anteil der Blaulagen von fast 80 % an der Phytoplanktonbiomasse messbar waren. Häufiger auftretende längere und stabilere Schichtungen können künftig die positiven Auswirkungen verminderter Nährstoffeinträge auf die Blaualgenbelastung konterkarieren, solange die Nährstoffkonzentration im Gewässer nicht in Bereichen liegt, die das Blaualgenwachstum deutlich limitieren (< 30 µg Gesamtphosphat pro Liter).

 

Schnittstellen

WW-I-6: Dauer der Stagnationsperiode in stehenden Gewässern

WW-I-7: Eintreten der Frühjahrsalgenblüte in stehenden Gewässern

 

Ziele

Bei Massenvermehrung von Cyanobakterien und einer Gefährdung der Gesundheit unverzüglich angemessene Bewirtschaftungsmaßnahmen zur Vermeidung einer Exposition gegenüber dieser Gefahr und Information der Öffentlichkeit (Richtlinie 2006/7/EG – Badegewässer-Richtlinie, Art. 8)