GE-I-4 Gefährdung durch Eichenprozessionsspinner

Warntafel für Befall mit Eichenprozessionsspinner zum Vergrößern anklicken
Über einen Befall mit dem Eichenprozessionsspinner informieren Warntafeln oder Absperrurungen.
Quelle: Jetti Kuhlemann / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

GE-I-4: Gefährdung durch Eichenprozessionsspinner

Der Befall mit dem wärmeliebenden Eichenprozessionsspinner hat in den zurückliegenden Jahren stetig zugenommen. Dies wird u. a. mit den günstigeren klimatischen Bedingungen in Verbindung gebracht. Der Befall kann unter Umständen sowohl aus gesundheitlicher als auch forstlicher Sicht ein Problem darstellen.

Grafik zur Anzeige des Befalls durch Eichenprozessionsspinner nach Anzahl Landkreise von 2007 bis 2012
Anzahl der Landkreise mit Eichenprozessionsspinner-Befall
Quelle: Umweltbundesamt
 

Neue Allergene geben Anlass zur Besorgnis

Infolge des Klimawandels können neben allergenen Pflanzen auch wärmeliebende Tierarten vermehrt Auslöser von gesundheitlichen Gefährdungen oder Beeinträchtigungen sein. Zu diesen Arten gehört möglicherweise unter anderem der Eichenprozessionsspinner, kurz EPS (Thaumetopoea processionea). Er ist ein in Deutschland lebender heimischer Nachtfalter, dessen Raupen sich bevorzugt von Eichenblättern ernähren. Als wärmeliebende Art bevorzugt er zur Eiablage Eichen in sonnen-exponierten Lagen wie beispielsweise an Waldrändern, in Parkanlagen, Gärten, Sport- und Campingplätzen sowie Schwimmbädern etc. Seine zunehmende Nachweisdichte wird mit dem Klimawandel in Verbindung gebracht.

Der EPS kann unter Umständen aus gesundheitlicher Sicht ein Problem sein. Die Raupen bilden feine Härchen aus, die innen hohl sind und das Eiweißgift Thaumetopoein beinhalten. Die Haare sind zudem mit Widerhaken versehen und können sich an der Haut festhaken. Wer- den Bäume vom EPS befallen, sammeln sich auch in den Raupennestern große Mengen dieser Härchen an, von denen auch mehrere Jahre nach dem Befall noch immer eine Gefährdung ausgehen kann. Kommt der Mensch mit den Haaren in Berührung, sei es durch direkten Hautkontakt oder durch Einatmung der leicht vom Wind verfrachtbaren feinen Härchen, kann dies zu toxisch-irritativen, selten auch zu allergischen Reaktionen führen. Als Krankheitsbilder werden neben allergischen Reaktionen und der Raupen-Dermatitis, die mit starkem Juckreiz, Hautrötung, Quaddeln und Bläschen verbunden ist, auch Augenbindehaut- bzw. Hornhautentzündungen oder Entzündungen im Rachenbereich und in den Bronchien beschrieben. Vor allem für die Berufsgruppen im Forst ist der EPS-Befall ein großes Problem, da sie bei Ausübung ihrer forstlichen Tätigkeiten der Waldarbeit in besonderer Weise exponiert sind.

Für den Umgang mit dem EPS gibt es verschiedene Herangehensweisen. Bei einer geringen Befallsdichte und einer geringen Nutzung betroffener Gebiete durch den Menschen im urbanen Grün können Warnhinweisschilder aufgestellt oder befallene Areale vorübergehend gesperrt werden. Eine physikalische oder mechanische Bekämpfung wie beispielsweise das Absaugen von Raupennestern und -haaren ist punktuell oder kleinräumig anwendbar. Sie sollte nur von sachkundigen Anwendern durchgeführt werden, da es ohne entsprechende Schutzausrüstung zu gesundheitlichen Beeinträchtigungen kommen kann.

Je nach Belaubungszustand und Witterungsverlauf ist eine zielgerichtete chemische Bekämpfung des EPS nicht unter allen Umständen möglich. Darauf ist bei der Planung der Bekämpfung zu achten. Für eine Bekämpfung aus Gründen des Gesundheitsschutzes im Siedlungsbereich sind nach dem Biozidrecht zurzeit verschiedene Insektizide anwendbar. Die Prüfung und Bewertung der einzelnen Mittel vor allem auch im Hinblick auf den An- wendungszweck EPS sind Bestandteil des Biozidprodukt-Zulassungsverfahrens.

In den letzten 15 bis 20 Jahren hat sich der EPS wie der kontinuierlich und teilweise auch stark vor allem im unmittelbar und häufig vom Menschen genutzten städtischen Raum und in Siedlungsbereichen vermehrt. Die Pflanzenschutzdienste der Länder meldeten in den vergangenen Jahren einen zunehmenden Befall durch die Art. Befall bedeutet in diesem Zusammenhang, dass es EPS-Vorkommen gibt, dieser Befall mit Problemen für die menschliche Gesundheit verbunden ist und / oder Bekämpfungsmaßnahmen erfolgt sind. Genauere Aussagen zur flächenhaften Ausdehnung des Befalls innerhalb der als befallen gemeldeten Landkreise stehen zurzeit noch nicht zur Verfügung.

Neben der gesundheitlichen Problematik zeichnen sich auch aus forstlicher Sicht mögliche Beeinträchtigungen ab. Lange galt der EPS als nicht bestandsgefährdend für die Eiche. In den vergangenen Jahren zeigte sich aber, dass mehrjähriger intensiver Fraß der Larven an den Blättern der Eichen zum Absterben von Bäumen führen und der EPS ein Problem für die Forstwirtschaft sein kann. Wenn bei der EPS-Bekämpfung der Schutz des Waldes im Vordergrund steht, gilt das Pflanzenschutzgesetz (PflSchG). Mit Inkrafttreten des PflSchG 2012 gilt in Umsetzung der EU-Rahmenrichtlinie zur nachhaltigen Verwendung von Pestiziden (RL 2009/128/EG) ein generelles Verbot der Anwendung von Pflanzenschutzmitteln mit Luftfahrzeugen. Ausnahmen vom Verbot können für Anwendungen im Wald erteilt werden. Die Anwendungen müssen auf Antrag (z. B. der Forstbehörde oder eines Waldbesitzers) genehmigt werden. Für 2014 sind mehrere Mittel zugelassen, bei deren Ausbringung die entsprechenden Anwendungsbestimmungen und Auflagen einzuhalten sind. Eine chemische Bekämpfung sollte nur dann bedacht werden, wenn für die betroffenen Waldflächen ein Kahlfraß zu erwarten ist.

 

Schnittstellen

FW-I-5: Schadholzaufkommen durch Buchdrucker