GE-I-1 + 2 Hitzebelastung und Hitzetote

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

GE-I-1: Hitzebelastung

Neben den steigenden Jahresmitteltemperaturen zeichnet sich in den zurückliegenden vierzig Jahren auch ein Trend zunehmender Hitzeextrema ab. Insbesondere die Zahl der Heißen Tage hat signifikant zugenommen. Für die Tropennächte lässt sich derzeit noch kein Trend erkennen. Gleiches gilt für die Zahl der Hitzewarnungen.

Grafik zur Hitzebelastung in Tagen
Anzahl der Hitzewarnungen und -belastungen in Tagen von 1970 bis 2012
Quelle: DWD (Hitzewarnungen - Deutscher Klimaatlas)
 

GE-I-2: Hitzetote - Fallstudie

Hitzewellen können die Sterblichkeit über die saisonal üblichen Werte im Sommer hinaus ansteigen lassen. Im Hitzesommer 2003 starben im Bundesland Hessen 781 Menschen mehr als für einen „normalen“ Sommer zu erwarten gewesen wäre. Einen Trend gab es bisher in Hessen nicht.

Grafik zu Hitzebedingten Sterbefällen in Jahren
Anzahl der hitzebedingten Sterbefälle von 2002 bis 2013
Quelle: Umweltbundesamt
 

Hitzebelastung bringt steigende Gesundheitsrisiken

Neben steigenden Durchschnittstemperaturen wird der Klimawandel voraussichtlich auch vermehrt gesundheitlich belastende Hitzeereignisse mit sich bringen. Im Rückblick zeichnet sich seit den 1970er Jahren bereits ein Trend zur Zunahme sogenannter „Heißer Tage“ ab, an denen der Tageshöchstwert der Temperatur 30 °C oder mehr beträgt. In „Tropennächten“ sinken die Temperaturen nicht unter 20 °C, eine nächtliche Erholung ist dann insbesondere nach sehr heißen Tagen eingeschränkt.
Tropennächte treten bislang in unseren Breiten im Gegensatz zu den Heißen Tagen noch selten auf. Allerdings kommt es in Jahren mit ausgeprägten Hitzewellen auch regelmäßig zur Ausbildung von Tropennächten.

Starke Korrelationen mit der Entwicklung der Heißen Tage zeigt die Anzahl der Hitzewarnungen, die der Deutsche Wetterdienst seit 2005 im Rahmen seines Hitzewarnsystems ausspricht. Gewarnt wird, wenn an zwei aufeinander folgenden Tagen eine mindestens „starke Wärmebelastung“ von 32 bis 38 °C Gefühlter Temperatur vorhergesagt wird und es nachts nur zu einer unzureichenden Abkühlung kommt. Sind extreme Belastungen von 38 °C und mehr zur erwarten, erfolgt in jedem Falle, d. h. auch bei kürzerer Dauer, eine Warnung (s. GE-R-1). Seit Bestehen des Hitzewarnsystems schwankte in Abhängigkeit der Witterung die mittlere Anzahl der Hitzewarnungen in den sogenannten Warnkreisen, die in ihrem Zuschnitt den Landkreisen ähnlich sind, von Jahr zu Jahr. Im Süden Deutschlands wurde im Jahresmittel an ca. drei Tagen mehr, im Norden an 3,5 Tagen weniger gewarnt als im deutschlandweiten Mittel.

Die Heißen Tage und Tropennächte sowie die Hitzewarnungen weisen auf gesundheitlich belastende Witterungssituationen hin, lassen aber keine Rückschlüsse zu, wie viele Menschen tatsächlich von Hitze gesundheitlich betroffen sind. Im Sommer 2003 hat die Hitze in Europa schätzungsweise 52.000 Menschen das Leben gekostet.1
Auch in Deutschland kam es zu einem deutlichen Anstieg der Todesfälle. Von Hitze betroffen sind vor allem ältere Menschen, chronisch Kranke, kleine Kinder und allein lebende Personen. Gesunde Personen können sich besser anpassen und den Hitzefolgen aktiv entgegensteuern.
Ursachen für gesundheitliche Beeinträchtigungen sind häufig hohe Flüssigkeits­ und Elektrolytverluste durch Schwitzen und eine übermäßige Belastung des Herz-Kreislaufsystems durch die Anforderung eines hohen Wärmetransports.

Die repräsentative Bevölkerungsumfrage „Umweltbewusstsein in Deutschland“ im Jahr 2012 ergab, dass knapp 28 % der Befragten für die Zukunft erwarten, dass Hitzewellen ihr körperliches Wohlbefinden oder ihre Gesundheit sehr stark oder stark betreffen werden. Nur rund ein Drittel sieht sich überhaupt nicht betroffen.2

Zur Ermittlung hitzebedingter Todesfälle gibt es eine Reihe offener methodischer und datentechnischer Fragen. Deshalb stehen vorerst nur Berechnungen für das Bundesland Hessen zur Verfügung. Relevant für die Darstellung sind die sogenannten Übersterblichkeiten, also die Anzahl von Todesfällen, die über den saisonal üblichen und damit zu erwartenden Werten liegen und damit Hinweise geben, dass hier außergewöhnliche Ereignisse eine Rolle spielen. Parallelisiert man Wochen mit Übersterblichkeiten mit extrem heißen Wochen und kann gleichzeitig andere außergewöhnliche Einflussfaktoren ausschließen, sind die Übersterblichkeiten vermutlich hitzebedingt. Die Berechnungen, die ab dem Jahr 2002 für Hessen verfügbar sind, machen deutlich, dass besonders heiße Sommer ihre Spuren in der Todesfallstatistik hinterlassen. Bisher kam es nur im Hochsommer zu Übersterblichkeiten. Sollte es künftig Hitzewellen vermehrt schon im Frühsommer geben, wird sich dies in der Statistik niederschlagen, denn die Menschen sind in dieser Jahreszeit noch nicht an so hohe Temperaturen gewöhnt.

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1
Larsen J. 2006: Plan B Updates – Setting the Record Straight: More than 52,000 Europeans Died from Heat in Summer 2003. Earth Policy Institute.
www.earth-policy.org/index.php?/plan_b_updates/2006/update56

2 BMU – Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit & UBA – Umweltbundesamt (Hrsg.) 2012: Umweltbewusstsein in Deutschland 2012 – Ergebnisse einer repräsentativen Bevölkerungsumfrage. Berlin, 84 S.

 

Schnittstellen

GE-R-1: Hitzewarndienst

 

Ziele

Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit (Grundgesetz, Art. 2)

Der öffentliche Gesundheitsdienst fördert und schützt die Gesundheit der Bevölkerung. (Hessisches Gesetz über den öffentlichen Gesundheitsdienst, § 1)