BO-R-3 Fläche organischer Böden

Moor mit hohem Wasserstand, im Hintergrund junge Laub- und Nadelbäume.zum Vergrößern anklicken
Naturnahe Moore sind Puffer im Landschaftswasserhaushalt.
Quelle: Marika Bernrieder / Bosch & Partner GmbH

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BO-R-3: Fläche organischer Böden

Durch Schutz- und Revitalisierungsmaßnahmen steigt die Fläche organischer Böden mit naturnahem Wasserhaushalt inzwischen wieder an. Der Anstieg in den letzten Jahren war signifikant. Diese Böden erbringen wichtige ökologische Leistungen für die Regulierung des Landschaftswasserhaushalt und des lokalen Klimas. Die Fläche organischer Böden unter Ackernutzung nimmt allerdings nach wie vor zu.

Zwei Kurven stellen Zeitreihen der Entwicklung der Fläche organischer Böden sowie Organische Böden unter Ackernutzung in 1000 ha dar in Form jährlicher Werte von 1990 bis 2012.
BO-R-3 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Organische Böden – schützen und Nutzung extensivieren

Organischen Böden kommt im Zusammenhang mit der Anpassung und dem Klimaschutz eine besonders bedeutende Rolle zu. Als organische Böden werden Böden bezeichnet, die im Gegensatz zu mineralischen Böden einen deutlich höheren Anteil organischer Substanz aufweisen. Sowohl Moore, die Gehalte von mindestens 30 % organischer Substanz haben, als auch Anmoore mit Humusgehalten zwischen 15 und 30 % zählen zu dieser Gruppe.

Wachsende Moore, in denen der Wasserstand ausreichend hoch ist, nehmen über das Pflanzenwachstum Kohlendioxid aus der Atmosphäre auf. Die Torfe, die sich aus abgestorbenem Pflanzenmaterial zusammensetzen, werden bei permanenter Wassersättigung zu langfristigen Kohlenstoffsenken. So lagert in den Mooren doppelt so viel Kohlenstoff wie in allen Wäldern der Welt. Die Erhaltung der Moore mit ihrem natürlichen Wasserhaushalt gilt daher als eine hochrelevante Klimaschutzmaßnahme. Aber auch mit Blick auf die Anpassung sind diese Böden und Ökosysteme schutzwürdig, denn sie sind in der Lage, große Mengen von Wasser aufzunehmen und zu speichern. Sie wirken damit u. a. bei Extremregenereignissen regulierend auf die Abflussbildung und haben außerdem kühlende Wirkung auf ihre Umgebung. Auch aus naturschutzfachlicher Sicht sind die Erhaltung funktionsfähiger Moorböden und die Sicherung bzw. Wiederherstellung natürlicher bzw. naturnaher wachsender Moore von Bedeutung. Intakte Moore sind Rückzugsräume für seltene Arten und beherbergen viele hochspezialisierte Arten, die unter den Bedingungen des Klimawandels voraussichtlich zusätzlich unter Druck geraten werden.

Obwohl Moore als landwirtschaftliche Grenzertragsstandorte gelten, sind heute 32 % ackerbaulich und 40 % als Grünland genutzt. Damit liegen etwa 8 % der gesamten landwirtschaftlichen Fläche in Deutschland auf Moorböden.11 Etwa 14 % der Moore sind von Wald bedeckt, nur knapp 4 % können heute noch als naturnah eingestuft werden.12 Zu den Moorböden kommen in größerem Umfang noch weitere Flächen organischer Böden wie z. B. Anmoore hinzu, die ebenfalls land- und forstwirtschaftlich genutzt werden und keinerlei Schutzunterliegen. Die Voraussetzung für eine landwirtschaftliche Nutzung auf diesen Standorten ist die Entwässerung mittels Gräben und Drainagen. In Abhängigkeit vom Kultivierungsverfahren und der Nutzungsform wird der Stoff­ und Wasserhaushalt der Böden unterschiedlich stark gestört, und die Böden verlieren ihre positiven ökologischen Eigenschaften. Extensives, nur wenig oder nicht entwässertes Grünland und naturnaher Wald wirken grundsätzlich weniger beeinträchtigend als intensives Grünland, Nadelwaldbestockung oder gar die ackerbauliche Nutzung.

Naturnahe hydrologische Verhältnisse in organischen Böden zu erhalten oder die Wasserstände wieder anzuheben, was häufig mit einer Extensivierung oder Aufgabe der Nutzung einhergeht, gilt als wirksame Maßnahme des Klimaschutzes. Sie unterstützt zugleich Ziele der Anpassung. Bei der Konzipierung der jeweiligen Maßnahmen ist es dabei erforderlich, beide Zielsetzungen gleichermaßen zu berücksichtigen, was eine präzise Wasserstandsregulierung erfordert. So liefern beispielswiese überstaute Moore zwar einen Beitrag zur Wasserrückhaltung in der Fläche, sie können aber zu erheblichen Freisetzungen von Treibhausgasen, vor allem von Methan, führen.

Die großen Potenziale des Moorschutzes für Synergien im Biotop- und Artenschutz, Klima-, Gewässer- und Bodenschutz sind erkannt worden. Dies hat bundesweit, vor allem in den Bundesländern Brandenburg, Bayern, Mecklenburg-Vorpommern, Niedersachsen und Schleswig-Holstein mit besonders großen Flächenanteilen an Moorböden, dazu geführt, dass die Bemühungen zum wirksamen Schutz naturnaher Moore und zur Revitalisierung degradierter Moore verstärkt wurden. Durch Maßnahmen zur Wiederanhebung von Wasserständen und zur Nutzungsextensivierung steigt seit der Jahrtausendwende die Fläche organischer Böden mit einem naturnahen hydrologischen Regime wieder an. Im Jahr 2012 betrug sie rund 62.800 Hektar. Allerdings nimmt die Fläche ackerbaulich genutzter organischer Böden nach wie vor zu, sie belief sich im Jahr 2012 auf etwa 644.000 Hektar. Das erklärt sich vor allem damit, dass zum einen auch auf organischen Böden noch immer Grünland zu Acker umgebrochen wird und sich zum anderen Nutzungsextensivierungen deutlich weniger auf Ackerland als auf Grünland- und Waldstandorte konzentrieren.

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11 Drösler M., Freibauer A., Adelmann W., Augustin J., Bergman L., Beyer C., Chojnicki B., Förster C., Giebels M., Görlitz S., Höper H., Kantelhardt J., Liebersbach H., Hahn­Schöfl M., Minke M., Petschow U., Pfadenhauer J., Schaller L., Schägner P., Sommer M., Thuille A., Wehrhan M. 2011: Klimaschutz durch Moorschutz in der Praxis. Ergebnisse aus dem BMBF-Verbundprojekt „Klimaschutz - Moornutzungsstrategien“ 2006-2010. vTI- Arbeitsberichte 4/2011.

12 Höper H. 2007: Freisetzung von Treibhausgasen aus deutschen Mooren. Telma 37: 85-116.

 

Schnittstellen

BO-­R­-2: Dauergrünlandfläche

 

Ziele

Schutz der ökologischen Leistungsfähigkeit der Böden durch [...] den Erhalt der organischen Substanz, Intensivierung des Bodenschutzes im Hinblick auf die Gefahren [...] des Rückgangs der Humusgehalte, v. a. auch in hydromorphen Böden, Umsetzung standortangepasster Landnutzungsstrategien zur Verringerung negativer Effekte durch Veränderungen in der Boden­ und Humusbildung und damit der C-Sequestrierung (DAS, Kap. 3.2.4)

Signifikante Reduzierung des Torfschwunds in regenerierbaren Niedermooren, Schutz des Wasserhaushalts intakter Moore und dauerhafte Wiederherstellung regenerierbarer Moore bis 2020, natürliche Entwicklung in allen Hochmooren und Moorwäldern (NBS, B 1.2.5)