BO-R-2 Dauergrünlandfläche

Trecker beim Grünlandumbruch.zum Vergrößern anklicken
Grünlandumbruch widerspricht sowohl Zielen der Anpassung als auch des Klimaschutzes.
Quelle: Konstanze Schönthaler / Bosch & Partner GmbH

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BO-R-2: Dauergrünlandfläche

Die Erhaltung von Dauergrünland dient dem Schutz von landwirtschaftlich genutzten Böden gegenüber den nachteiligen Folgen des Klimawandels. Die Grünlandfläche unterlag jedoch in den letzten zwanzig Jahren einem kontinuierlichen und signifikanten Rückgangstrend. Dies widerspricht sowohl Zielen der Anpassung als auch des Klimaschutzes.

Ein Balkendiagramm stellt den Anteil des Dauergrünlands an der landwirtschaftlich genutzten Fläche dar. Dargestellt ist eine Zeitreihe von 1991 bis 2013, die kontinuierlich abnimmt. Für 1991 liegt der Wert bei 31 %, für 2013 ist er auf 27% gesunken. Eine grüne Kurve stellt die Dauergrünlandfläche dar. Für 1991 sind 5.400.000 ha angegeben, 2013 ist der Wert auf 2.750.000 ha gesunken. Für beide Darstellungen geben rote Pfeile einen fallenden Trend an, der negativ bewertet wird.
BO-R-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Grünlanderhaltung – wichtig für den Bodenschutz

Dauergrünland ist eine landwirtschaftliche Nutzungsform, die aufgrund der permanenten Bodenbedeckung, der Humusanreicherung und der Artenvielfalt vor allem im Vergleich zur Ackernutzung viele günstige ökologische Wirkungen entfaltet und die Böden gegenüber den projizierten nachteiligen Folgen des Klimawandels vergleichsweise gut schützt. Sowohl die Gefahren einer Austrocknung als auch eines Bodenabtrags durch Wasser und Wind sind für Böden unter Grünland deutlich reduziert. Bei Starkniederschlägen kann das Niederschlagswasser in ständig bewachsene Grünlandböden besser eindringen. Dauergrünland zu erhalten oder auch auszuweiten, ist aus diesem Grunde insbesondere in empfindlichen Lagen wie landwirtschaftlich genutzten Hangbereichen oder Überschwemmungsgebieten eine geeignete Maßnahme zum Schutz des Bodens auch unter veränderten Klimabedingungen.

Die Grünlandfläche in Deutschland hat sich in den vergangenen Jahren verringert. Neben der Nutzungsaufgabe in Gebieten mit ungünstigen Produktionsbedingungen ist diese Entwicklung die Folge von Grünlandumbrüchen zu Gunsten des Marktfruchtbaus, des Futterbaus oder des Anbaus von nachwachsenden Rohstoffen. Der bundesweite Rückgang der Grünlandfläche vollzieht sich dabei nahezu proportional zum Rückgang der Landwirtschaftsfläche in Deutschland insgesamt. Der Flächenumfang des Ackerlandes blieb dagegen auf annähernd gleichem Niveau.

Der Verlust bzw. Umbruch von Grünland ist auch aus Gründen des Klimaschutzes sehr kritisch zu bewerten. Durch Grünlandumbruch wird ein erheblicher Teil des im Boden gespeicherten Kohlenstoffs in Form von Treibhausgasen in die Atmosphäre freigesetzt. Dies gilt in besonderer Weise für Grünland auf organischen Böden, die besonders hohe Anteile organischer Substanz aufweisen. Die Erhaltung des Grünlands ist daher auch aus Klimaschutzsicht eine Maßnahme von hoher Relevanz. Außerdem hat Grünland große Bedeutung für den Artenschutz, die Erhaltung der biologischen Vielfalt sowie den Boden- und Gewässerschutz.

In den letzten zehn Jahren ist in den meisten Bundesländern die Dauergrünlandfläche zurückgegangen. Lediglich in den Bundesländern Hessen, Saarland, Sachsen und Sachsen-Anhalt ist das Dauergrünland praktisch auf gleichem Niveau geblieben. Gleiches gilt für den Anteil des Dauergrünlands an der landwirtschaftlich genutzten Fläche. Dennoch verteilen sich die Grünlandverluste regional sehr unterschiedlich. Zu den größten Grünlandverlusten kommt es in Regionen mit intensiver Tierhaltung, in denen in großem Umfang Futtermais angebaut wird und sich zugleich der größte Zubau an Biogaskapazitäten vollzogen hat.

Die Daten zur Entwicklung der Dauergrünlandfläche lassen keine differenzierten Aussagen zur ökologischen Wertigkeit der verlorenen Grünlandflächen zu. Umgebrochen wird Grünland grundsätzlich auf sämtlichen Grünlandstandorten, d. h. auch naturschutzfachlich und ökologisch besonders wertvolle und empfindliche Standorte der Halbtrockenrasen und Feuchtgrünländer sind betroffen. Der Umbruch auf nassen Böden und Moorböden ist dabei aus Klimaschutzsicht besonders bedenklich.

Die Cross Compliance-Regelungen der EU für Direktzahlungen, die die Gewährung von Direktzahlungen sowie die Zahlungen für bestimmte Maßnahmen der 2. Säule und des Weinbereichs u. a. mit der Einhaltung von Umweltstandards verknüpfen, verpflichten die Mitgliedsstaaten u. a. zur Erhaltung von Dauergrünland. Verringern sich die Flächenanteile des Dauergrünlands an der gesamten landwirtschaftlich genutzten Fläche zu stark, müssen die Länder Verordnungen erlassen, nach denen der Grünlandumbruch einer vorherigen Genehmigung bedarf. In denjenigen Regionen Deutschlands, für die bereits eine solche Dauergrünland-Erhaltungsverordnung erlassen werden musste, konnte der Verlust an Dauergrünlandfläche gestoppt werden. Vor allem für die Sicherung ökologisch sensibler Grünlandstandorte entfalten die Cross Compliance-Regelungen allerdings nur begrenzte Wirkung, da regionale Verlagerungen von Grünland möglich sind.

Ab 2015 wird das Dauergrünlanderhaltungsgebot im Rahmen des sogenannten „Greening“ zur Anwendung kommen. Danach ist in Deutschland eine Umwandlung von Dauergrünland in Ackerland grundsätzlich nur noch nach Genehmigung erlaubt, die i. d. R. nur dann erteilt wird, wenn diese Umwandlung mit dem geltenden Fachrecht in Einklang steht und entsprechende Dauergrünlandflächen an anderer Stelle neu angelegt werden. In Gebieten, die nach der Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie ausgewiesen sind (FFH-Gebiete), gilt für Dauergrünland sogar ein striktes Umbruch- und Umwandlungsverbot. Bei Verstößen werden die landwirtschaftlichen Direktzahlungen gekürzt.

 

Schnittstellen

BO-R-3: Fläche organischer Böden

 

Ziele

Förderung standortangepasster Landnutzungsstrategien (DAS, Kap. 3.2.4)

Schutz von Dauergrünland
(Direktzahlungen­Verpflichtungenverordnung, § 4a)