Emissionen aus Kleinfeuerungsanlagen in Wohngebieten

Über verschneiten Dächern qualmen etliche Schornsteine zum Vergrößern anklicken
Die Luft kann besonders im Winter mit Feinstaub aus Kaminen und Öfen verunreinigt werden.
Quelle: Grzegorz Polak / Fotolia.com

Der Qualm aus Schornsteinen kann zu Geruchsbelästigung in der Nachbarschaft führen und gesundheitsschädlich sein.

Inhaltsverzeichnis

 

Einsatz von Kleinfeuerungsanlagen in Wohngebieten

Für viele Menschen ist es aus unterschiedlichen Gründen wieder attraktiv geworden, Öfen und Kamine zusätzlich zur Zentralheizung zu betreiben. Viele versprechen sich Behaglichkeit und eine erhöhte Wohnqualität und für manche ist das Heizen mit Holz, Kohle oder Pellets auch eine kostengünstige Alternative für eine Beheizung eines Hauses oder einer Wohnung vor allem in den Abendstunden im Frühling und Herbst, wenn die Zentralheizung nicht in Betrieb ist. 

An Zahlen lässt sich das wie folgt festmachen: der Fachverband Heiz- und Kochgeräte gibt an, dass in Deutschland seit 2007 jährlich um die 400 000 häusliche Einzelfeuerstellen (Herde, Kamin-, Dauerbrand- und Pelletöfen) verkauft wurden (HKI 2013). Dieser Trend ist derzeit ungebrochen. Der Bestand an Feuerstätten wurde 2010 auf 15 Millionen Geräte geschätzt (GfK Gesellschaft für Konsumforschung im Auftrag der Rheinbraun Brennstoff GmbH), wobei der Bestand an traditionellen Kohleöfen abnimmt, der an modernen Kamin- und Kachelöfen hingegen zunimmt (ISH Bericht 2011). Der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft gab 2015 an, dass in 27% der Wohnungen in Deutschland zweite Wärmeerzeuger (Kamine, Einzelöfen) vorhanden sind (BDEW 2015).
 
Um der steigenden Luftverschmutzung durch unsachgemäß betriebene oder technisch veraltete Kamine und Kaminöfen (sogenannte Einzelraumfeuerungsanlagen) entgegenzuwirken, wurden von Seiten der Bundesregierung Maßnahmen ergriffen und in der Überarbeitung der 1. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (1.BImSchV) festgeschrieben.

  1. Für eine Verbrennung zulässig ist nur naturbelassenes Holz (Scheitholz, Holzspäne, -pellets oder -briketts), welches genügend lange abgelagert ist. Genauere Informationen finden Sie in unserem Ratgeber "Heizen mit Holz".
  2. In einem festgelegten Stufenplan sind veraltete Einzelraumfeuerungsanlagen auszutauschen. Infos dazu finden sie hier.
  3. Offene Kamine dürfen nur gelegentlich betrieben werden.

Betreiber von Einzelraumfeuerungsanlagen müssen sich an diese Vorgaben halten. Der Schornsteinfeger überprüft in regelmäßigen Abständen, welche die Bundesländer festlegen, deren Einhaltung.

 

 

Der Geruch nach „Winter“ kann gesundheitsschädlich sein.

Das Heizen mit Holz verursacht, auch wenn es sachgerecht vorgenommen wird, deutlich größere luftverschmutzende Emissionen als andere Energieträger wie Heizöl oder Erdgas. Es ist daher nicht auszuschließen, dass es in einigen Wohngebieten zu kurzzeitigen Belastungen mit Feinstaub und polyzyklischen aromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK) kommen kann - insbesondere dann, wenn in einem Wohngebiet viele Holzöfen und Kamine gleichzeitig betrieben werden und Inversionswetterlagen auftreten. Vom UBA in Auftrag gegebene Luftmessungen zeigten, dass Holzfeuerungsabgase einen deutlichen Anteil an der Feinstaubbelastung in Wohngebieten haben können (Baumbach 2013).

PAK entstehen bei unvollständiger Verbrennung und einige Verbindungen dieses Stoffgemisches sind krebserregend. Sie haften am emittierten Staubteilchen und können, wenn letztere klein genug sind, eingeatmet werden. Feinstaub ist meist aber auch allein durch die Kleinheit seiner Partikel für den Menschen gefährlich. Je kleiner die Partikel sind, umso weiter dringen sie in die Atemwege vor. Die kleinsten Teilchen (sogenannte ultrafeine Partikel) erreichen sogar den Blutkreislauf und verbreiten sich bis in alle Organe - auch in das Gehirn. Gesundheitliche Wirkungen, die mit Feinstaubbelastungen nachweislich zusammenhängen, reichen von Schleimhautreizungen/lokalen Entzündungen in der Luftröhre und den Bronchien/Lungenalveolen, verstärkter Plaquebildung in den Blutgefäßen bis zu Schlaganfall und Krebs. Auch Zusammenhänge zu neurologischen Erkrankungen wie Demenz und Morbus Parkinson werden diskutiert.

Wenn sich Emissionen der Holzfeuerung zu der Grundbelastung in Stadtlagen addieren oder bei bestimmten kleinräumlichen Besonderheiten (zum Beispiel dem Eintrag von Kaminemissionen in Wohnräume der Nachbarbebauung) können geltende Grenzwerte für den Feinstaub deutlich überschritten werden. Die EU hat einen Jahresmittelwert für PM10 von 40 µg/m3 und einen 24-Stunden-Wert von 50 µg/m3 (der an maximal 35 Tagen im Jahr überschritten werden darf) als Grenzwerte festgelegt. Allerdings wurde in einem von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) beauftragten Gutachten 2013 festgestellt, dass die EU-Grenzwerte überarbeitungswürdig sind, weil sie möglicherweise zu hoch angesetzt sind (WHO 2013), um die Gesundheit ausreichend zu schützen. Selbst die derzeitigen Grenzwerte für Feinstaub können in vielen Ländern der EU, darunter auch Deutschland, nicht an allen Messstationen eingehalten werden.

 

Unsere Hinweise zu Holzfeuerungsanlagen

  1. Betreiben Sie Ihren offenen Kamin nur gelegentlich. Offene Kaminfeuer sind energetisch sehr ineffizient, verursachen sehr hohe unkontrollierbare Emissionen, belasten die Innenraumluft deutlich mit Schadstoffen und stellen als offene Feuerquelle eine besondere Brandgefährdung dar.
  2. Auch geschlossene Kaminöfen sollten nicht regelmäßig betrieben werden, weil sie durch die Emissionen die Gesundheit in die Nachbarschaft stark belasten können. In der Rechtsberatung wird häufig auf ein Gerichtsurteil verwiesen, in dem eine Häufigkeit des Betreibens von Kaminen und Kaminöfen von bis zu 8 mal im Monat eine obere Zumutbarkeitsgrenze darstellt, die Zumutbarkeit richtet sich aber auch nach der Dichte der Bebauung in der Umgebung.
  3. Wenn Sie einen Kamin oder Kaminofen betreiben, halten Sie sich an die Empfehlungen des Herstellers sowie Ihres Schornsteinfegers. Verbrennen Sie vor allem nur geeignetes Brennmaterial und insbesondere nur trockenes, unbehandeltes Holz. Ungeeignet und verboten ist in der Regel die Verbrennung von gestrichenem oder behandeltem Holz sowie Sperrholz, Span- oder Faserplatten. Grundsätzlich dürfen Papier oder Pappe, brennbare Abfälle und Müll nicht verbrannt werden.
  4. Verwenden sie ein Holzfeuchte-Messgerät. Solche Geräte sind preiswert (oftmals schon unter 20€) zum Beispiel in Baumärkten zu erhalten. Ihr Holz darf nicht mehr als 25% Restfeuchte aufweisen, um starke Rauchentwicklung, viel Asche und eine geringe Energieausbeute zu vermeiden. Weisen Sie auch Ihre Nachbarn darauf hin, falls diese eine Holzfeuerung betreiben.
  5. Wenn Sie sich als Nachbarin oder Nachbar belästigt fühlen, kann zunächst ein offenes Gespräch mit den Betreibern der Kleinfeuerungsanlage deutliche Erfolge bringen. Oftmals können sich Betreiber und Belästigte einigen. Ist die Quelle schwer auszumachen, ist möglicherweise auch Ihr örtlicher Schornsteinfeger ein guter Ansprechpartner. Auch das Ordnungsamt kann Hilfestellung bei der Problemlösung bieten.
  6. Die Verbrennung ungeeigneter Brennstoffe ist kein Kavaliersdelikt, denn sie schädigt die Gesundheit aller Menschen in der Nachbarschaft und darüber hinaus: Sollten Sie Hinweise darauf haben, dass in Ihrer Nachbarschaft Papier, Pappe, feuchtes oder behandeltes Holz, Gartenabfälle oder sogar Müll oder Pellets aus diesen Materialien verbrannt werden - egal ob im Ofen oder auch als Lagerfeuer - sollten Sie die Verursacher darauf hinweisen und die Vorfälle bei Nichteinsicht und Wiederholung den zuständigen Behörden vor Ort melden, das örtliche Ordnungsamt oder das Umweltamt sind dafür die richtigen Ansprechpartner.
 

Literaturquellen:

Baumbach G: Auswirkungen von Holzfeuerungsabgasen auf die Luftqualität in Wohngebieten. Tagung "Reine Luft - Luftreinhaltung heute und morgen" zum Jahr der Luft am Umweltbundesamt. Dessau-Roßlau, 16. und 17. September 2013. (https://www.umweltbundesamt.de/service/termine/reine-luft-luftreinhaltun...)
BDEW (Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft): Wie heizt Deutschland? Studie zum Heizungsmarkt. BDEW, Berlin, Juli 2015. Aufzurufen unter www.bdew.de.
HKI (Fachverband Heiz- und Kochgeräte): Absatz-Entwicklung 2005 bis 2012. Häusliche Einzelfeuerstätten. Stand 6. Februar 2013. Aufzurufen unter 
ISH (Internationale Messe für Bad, Sanitär, Heizung, Erneuerbare Energien, Klimatechnik): Zahl der Kaminöfen und Kachelöfen in Deutschland erneut gestiegen. Aufzurufen unter  
WHO (World Health Organization): Review of evidence on health aspects of air pollution - REVIHAAP Project, Technical Report. WHO Regional Office for Europe, Copenhagen, 2013.