Die Sieger des Wettbewerbs 2011

Die Preisträger des Wettbewerbs mit Urkundenzum Vergrößern anklicken
Die Preisträge​r des Wettbewerbs "Anpassung​spioniere gesucht!", Bonn 12.12.2011​
Quelle: Ute Grabowsky/photothek.net

Am 12.12.2011 wurden die Gewinner des Tatenbank-Wettbewerbs „Sich zukunftsweisend wandeln – jetzt handeln: Anpassungspioniere gesucht!“ öffentlich ausgezeichnet. Die Festrede zu Ehren der Preisträger hielt der Vizepräsident des Umweltbundesamtes Dr. Thomas Holzmann.

Inhaltsverzeichnis

 

Presse-Information des Umweltbundesamtes

Die Preisverleihung fand im Rahmen der DIFU-Fachtagung "Kommunale Anpassungsstrategien an den Klimawandel" im Bundesumweltministerium in Bonn statt. Die Vorträge finden Sie auf der Homepage des Deutschen Instituts für Urbanistik (DIFU).

Ausgezeichnet wurden die folgenden Preisträger und Maßnahmen:

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Preisträger 2011: Stadt Arnsberg

Maßnahmen zur Klimaanpassung an kleineren Gewässern

Das Beispiel der Stadt Arnsberg zeigt, wie kleine Kommunen Anpassung an den Klimawandel vorantreiben können. Die Stadt Arnsberg hat vier kleineren Gewässern Raum geschaffen, sich bei Starkregenereignissen auszudehnen, ohne dass Bebauung in Ufernähe gefährdet ist.

Die Bürgerinnen und Bürger der Gemeinde waren eng in die Konzeption und die Umsetzung der Maßnahmen eingebunden. Anliegerinnen und Anlieger der Bäche waren bereit, Teile ihrer Grundstücke zur Verfügung zu stellen und ermöglichten damit erst die Umsetzung der Maßnahmen. Weitere Voraussetzungen waren die engagierte Zusammenarbeit der Stadt, der Regierungen von Kreis und Bezirk und der beteiligten Ingenieurbüros sowie die finanzielle Förderung durch das Land Nordrhein-Westfalen.

Der Erfolg der Maßnahmen wurde bereits unter Beweis gestellt: Erneute Starkregenereignisse verursachten im Bereich der betroffenen Bäche keine Sachschäden mehr, die andernfalls unvermeidbar gewesen wären.

Faktenblatt zur Maßnahme

Quelle: Umweltbundesamt

Arnsberg erhält „Blauen Kompass"

 

Preisträger 2011: Stadt Stuttgart

Stadtklimagerechte Planung in Zeiten des Klimawandels

Stuttgart hat eine lange Tradition, stadtklimatische Belange in Planungen einzubeziehen. Die Kessellage hat die Stadt gezwungen, sich darüber Gedanken zu machen, wie auch bei ungünstigen Wetterlagen für frische Luft zum Atmen gesorgt werden kann. Zunehmend heiße Sommer haben die Stadt zum Anfang dieses Jahrhunderts veranlasst, verstärkt planerisch gegenzusteuern. Hierfür wurde ein Bündel von Maßnahmen eingeleitet, die überwiegend aus Eigenmitteln der Stadt getragen werden.

Der Hauptansatzpunkt besteht darin, stadtklimatische Gesichtspunkte systematisch in Planungen einzubeziehen. Im Mittelpunkt stehen die Erhaltung und Vergrößerung von Grünflächen sowie die Sicherung von Frischluftschneisen und Kaltluftentstehungsgebieten. Die gewonnenen Erfahrungen können auch anderen Städten helfen, die erst seit Kurzem mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen – nicht zuletzt, wenn es darum geht, ambitionierte Konzepte gegen die Mühen und Konflikte im Planungsalltag abzugleichen.

Faktenblatt zur Maßnahme

Quelle: Umweltbundesamt

Stuttgart erhält „Blauen Kompass"

 

Preisträger 2011: Stadt Wuppertal

Anpassungsstrategie der Wuppertaler Stadtentwässerung an die Folgen des Klimawandels und Geändertes Fahrzeugkonzept der Feuerwehr

Wuppertal wurde im Wettbewerb gleich für zwei Maßnahmen ausgezeichnet.

Die Anpassungsstrategie der Wuppertaler Stadtentwässerung besteht aus einer Reihe von ineinandergreifenden Maßnahmen, um die Folgen von Starkregenereignissen zu vermindern. Hierfür werden fortgeschrittene Modellierungs- und Visualisierungstechniken angewandt. Die Beteiligung an Forschungsvorhaben kam der Stadt dabei zugute. Ein wesentliches Element der Strategie ist die gezielte Ansprache der von Sturzfluten gefährdeten Institutionen und Privatpersonen. Bei einer hohen Gefährdungslage werden die Grundstücksbesitzerinnen und -besitzer kontaktiert und über geeignete Maßnahmen informiert. Indem die Betroffenen zur Eigenvorsorge angeregt werden, können letztendlich Kosten für die Stadtentwässerung eingespart werden. Der Einsatz innovativer Techniken ist zwar zunächst kostspielig, dient jedoch dazu, wirtschaftlich günstige Lösungen zu finden.

Die Wuppertaler Feuerwehr hat sich aufgrund gehäuft auftretender extremer Wetterlagen dazu entschieden, spezielle Fahrzeuge vorzuhalten, die unter anderem mit Allradantrieb ausgerüstet sind und über ein Stromaggregat verfügen. Die Feuerwehr ist damit für den Einsatz bei Starkregenereignissen, Stürmen oder starkem Schneefall besser gewappnet.

Dieser Schritt wurde durch Umrüstung bestehender Fahrzeuge realisiert – ein Beispiel für sparsamen und intelligenten Umgang mit Ressourcen. Auch jenseits der großen Projekte und Strategien ist Anpassung möglich und sinnvoll: mit kleinen, pragmatischen Schritten, die auf veränderte Bedingungen reagieren.

Faktenblatt zur Maßnahme

Quelle: Umweltbundesamt

Wuppertal erhält „Blauen Kompass"

 

Preisträger 2011: WOGENO München

Nachhaltige Immobilienbewirtschaftung

Die Wohnungsbaugenossenschaft WOGENO München erprobt gemeinsam mit den Bewohnerinnen und Bewohnern zweier zusammenhängender Mehrfamilienhäuser ein umfassendes Konzept für klimafreundliches und klimaangepasstes Wohnen. Dem Klimaschutz dienen Maßnahmen zur Steigerung der Energieeffizienz, der Einsatz erneuerbarer Energien und die seltenere Nutzung von Privatautos. Die Anpassung an den Klimawandel kommt vor allem bei der Gartenbewirtschaftung zum Tragen: Hierzu gehören ein sparsamer Umgang mit Wasser, die Speicherung von Regenwasser und eine bodenschonende Bearbeitung sowie der Schutz vor Starkregen.

Alle Maßnahmen wurden einstimmig von der Hausgemeinschaft beschlossen. Sie sind breit übertragbar und zeigen, welche Möglichkeiten Wohnungsgesellschaften, Bewohnerinnen und Bewohnern zur Verfügung stehen, um nachhaltiges Wohnen zu realisieren – wenn der Wille dazu vorhanden ist.

Faktenblatt zur Maßnahme

Quelle: Umweltbundesamt

Münchener Wohnungsbaugenossenschaft WOGENO erhält „Blauen Kompass"

 

Wettbewerbsjury 2011

Almut Nagel
Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU)

"Anpassung an den Klimawandel betrifft zum einen den Bereich der Eigenvorsorge zum anderen ist es eine gesamtgesellchaftliche Aufgabe. Dabei sind die privaten, unternehmerischen und (fach)politischen Entscheidungen so zu erweitern, dass unsere sozialen, ökonomischen und ökologischen Ziele auch unter veränderten klimatischen Bedingungen erreicht werden und wir zukunftsfähig bleiben."

"Anpassung umfasst zugleich einen integrierten (systemischen) Ansatz um Zielkonflikte gering zu halten."

Dr. Fabian Dosch
Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR)

"Anpassung ist Erfordernis wie auch Chance, Mensch, gebaute Infrastruktur und Umwelt vorausschauend und rechtzeitig auf die unvermeidbaren und sich verstärkenden Klimaänderungen vorzubereiten. Damit Wohlstand und Lebensqualität für wirtschaftliche und soziale Entwicklung gesichert bleiben."

Dr. Helmut Wolf
Hessisches Landesamt für Umwelt und Geologie (HLUG)

"Einerseits ist das Ausmaß des Klimawandels abhängig vom Entwicklungspfad, für den wir (die verschiedenen Welt-Gesellschaften) uns entscheiden. Dies ist also eine Fragestellung zu den Endpunkten: Womit müssen wir also künftig maximal rechnen? Andererseits besitzt der Klimawandel und damit auch seine Folgen und die daraus resultierende Anpassungsnotwendigkeit eine Zeitschiene: In den nächsten ein oder zwei Dekaden wird uns (moderne westliche Gesellschaften) der Klimawandel nicht vor unlösbare Aufgaben stellen. Die Kunst wird darin bestehen, heute Grundlagen zu schaffen, auf die künftig bedarfsgemäß aufgebaut werden kann. Diese lassen sich am besten mit den Stichworten nachhaltig, dezentral, flexibel, robust beschreiben. Eine so vorbereitete Gesellschaft wäre weniger anfällig als eine unvorbereitete."

Cornelia Rösler
Deutsches Institut für Urbanistik (DIFU)

Prof. Dr. Harald Welzer
Center for Interdisciplinary Memory Research

"Anpassung an den Klimawandel hat zunächst zur Voraussetzung, dass man die Dimensionen zur Kenntnis nimmt, die die wachsende Erwärmung für die Lebens- und Überlebensbedingungen der Menschen hat. Das bedeutet nicht nur die Veränderung von Temperaturen, sondern auch von Anbaumöglichkeiten, Wasserressourcen und Schadenswahrscheinlichkeiten. Anders gesagt: Menschen und Gesellschaften werden unter den Folgen der fortschreitenden Erwärmung zunehmend unter Stress geraten. Man sollte also überlegen, wie man unseren zivilisatorischen Standard auch unter den erwartbaren Bedingungen von erhöhtem Stress aufrechterhalten kann - das ist keine technische, sondern eine kulturelle Denksportaufgabe."

"Weil die Hauptbetroffenen des Klimwandels nicht irgendwelche ominösen "nachfolgenden Generationen" sind, sondern diejenigen, die heute Kinder und junge Errwachsene sind."

Manfred Hoke
Industrie- und Handelskammer (IHK) für München und Oberbayern

"Die Evolution des Lebens lehrt uns, dass nicht die Stärksten die besten Chancen haben, sondern diejenigen, die sich am besten an die Bedingungen des Lebensraums anpassen. Das gleiche Prinzip gilt für wirtschaftliche Chancen unter den veränderten Bedingungen des Klimawandels. Wer frühzeitig reagiert startet von der Pole Position und erhält dadurch einen Wettbewerbsvorteil."

Dr. Andreas Kress
Klima-Bündnis

"Zunehmende Wetterextreme wie Hochwasser, Stürme, Hitzewellen und Dürren sind klare Zeichen für die heftigen Auswirkungen des Klimawandels. Das Weltklimasystem hat so lange Reaktionszeiten, dass ein Klimawandel nicht länger vollständig aufgehalten werden kann. Auch wenn wir heute den gesamten Ausstoß der Treibhausgase stoppen könnten, wären die Wirkungen des Klimawandels auch in den kommenden Jahrzehnten noch spürbar. Wenn wir allerdings dem Anstieg an Kohlendioxid in der Atmosphäre keinen Einhalt bieten, besteht die Gefahr, dass wir das Klima so stark verändern, dass wir uns nicht oder nur noch mit großen Anstrengungen anpassen können."

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