2.2 Wie können Sie zukünftige Verwundbarkeiten erkennen?

Die Ursachen dafür, wie sich das Klima und auch Ihre Kommune langfristig entwickeln, sind komplex. Beides ist deshalb nicht exakt vorhersagbar. Sie können sich diesen Veränderungen jedoch pragmatisch nähern, indem Sie sich anschauen, wie stark Ihre Kommune bisher durch Klima- oder Wetterphänomene betroffen war – diese Informationen haben Sie im Rahmen der vorherigen Aufgabe gesammelt.

Durch eine Zusammenführung dieser Ergebnisse mit der in Modul 1 erstellten Zusammenstellung von Daten zu Klimaveränderungen können Sie dann prüfen, wie sich die für die bisherige Betroffenheit zentralen Klimasignale wie etwa Temperatur oder Niederschlag aber auch das Auftreten extremer Wetterereignisse wie Hitzewellen oder Starkniederschlägen in Zukunft in Ihrer Region verändern können. So können Sie dann mithilfe der entsprechenden Klimasignale mögliche Betroffenheiten in der Zukunft – etwa im Jahr 2030 oder 2050 – abschätzen. Solche Informationen können beispielsweise für langfristige Investitionen und Bauvorhaben in der Gemeinde wichtig sein.

Nicht nur die verschiedenen Klimasignale ändern sich, sondern auch die Empfindlichkeit Ihrer Kommune. Um diese Veränderungen abschätzen zu können, sollten Sie sowohl aktuelle Pläne zur langfristigen Entwicklung Ihrer Kommune als auch aktuelle Trends, etwa den demographischen Wandel, einbeziehen.

Denken Sie bei diesen Betrachtungen in Szenarien! Nutzen Sie etwa verschiedene Klimaprojektionen, die die Spanne von einer schwachen Änderung der Temperatur bis zu einer starken Änderung der Temperatur abbilden und überlegen Sie sich für beide Fälle, wie sich die heutige Betroffenheit aufgrund dieser klimatischen Veränderungen in Zukunft entwickeln könnte. Wenn es um Empfindlichkeit geht, können Sie zum Beispiel ein Szenario mit einer positiven und eins mit einer negativen Entwicklung für Ihre Kommune entwerfen. Mithilfe solcher Szenariobetrachtungen können Sie die Spannbreite möglicher Entwicklungen abdecken und Unsicherheiten darüber, wie sich Klimasignale und Empfindlichkeiten entwickeln werden, berücksichtigen.

"Um die Betroffenheit unserer Stadt einschätzen zu können, brauchen wir Fachwissen und gute Computerprogramme für die Modellierung, um so eine wissenschaftliche Datengrundlage zu schaffen. Wir haben aber selbst nicht die Expertise um das zu meistern. Deswegen haben wir externe Gutachter mit dieser Aufgabe beauftragt. Diese haben zu Beginn Betroffenheitskarten und Maßnahmenlisten erstellt, welche in einem Workshop als Diskussionsgrundlage dienten. Solche Teilergebnisse sind elementar um daraus Handlungsoptionen ableiten zu können."
Yvonne Sittig, Fachbereich Stadtentwicklung und Stadtplanung der Stadt Jena, Jena

Aufgabe: Analyse zukünftiger Betroffenheiten

Wie können sich diejenigen Klimasignale und Empfindlichkeiten verändern, von denen Ihre Kommune derzeit betroffen ist? Nutzen Sie für eine Einschätzung die Übersichten zu Klimaveränderungen und zu den langfristigen Zielen Ihrer Kommune, die Sie in Modul 1 angefertigt haben und tragen Sie auf dem Blatt zur Entwicklung der Betroffenheit der Vorlage zur Betroffenheitsanalyse ein, wie sich die Klimasignale und Empfindlichkeiten in der Zukunft ändern könnten. Nutzen Sie auch diese Informationen als Diskussionsgrundlage im internen Workshop.

  • Beziehen Sie auch solche Betroffenheiten mit ein, die für Sie zwar aktuell nicht relevant sind, die aber aufgrund von starken Änderungen der Klimasignale oder der Empfindlichkeit zunehmen könnten.
  • Nutzen Sie auch bei der Identifizierung zukünftiger Betroffenheiten das Wissen und die Fähigkeiten Ihres Anpassungsteams und der Workshop-Teilnehmenden.
  • Legen Sie einen für Sie relevanten und realistisch einschätzbaren Zeitpunkt für die Betrachtung zukünftiger Entwicklungen fest.
  • Verschaffen Sie sich einen Eindruck davon, mit welchen Betroffenheiten vergleichbare Kommunen in anderen Ländern konfrontiert sind, deren Klima bereits heute so ist, wie es in Deutschland in Zukunft sein könnte.

"Um die Betroffenheit unserer Stadt einschätzen zu können, haben wir eine Gruppe von Gutachtern damit beauftragt, Wirkfolgen des Klimawandels beispielweise auf die Gesundheit der Bürger oder unsere Denkmäler herauszuarbeiten. Anschließend gab es dann eine Expertenrunde, um zu bestimmen, welche der betroffenen Felder bearbeitet werden sollten. Beteiligt an der Expertenrunde waren unter anderem Umwelt-, Wasser-, Forst und Touristikverband – alles was es in der Region an Sachverstand gab, auch Landesumweltamt, Wasserbehörde, Untere Wasserbehörde, denen die Ergebnisse der Gutachter dann vorgestellt wurden. Das Vorgehen war dann sehr pragmatisch: es konnte jeder sagen, was ihm oder ihr am wichtigsten ist und über einen Zettel wurde quasi abgestimmt."
Susann Kirst, Bauamt der Stadt Bad Liebenwerda, Bad Liebenwerda

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