Emissionen aus Betrieben der Metallindustrie

Deutschland verpflichtete sich mit der Zeichnung des PRTR-Protokolls 2003 dazu, ein Register über Schadstofffreisetzungen und -transporte aufzubauen. Hierzu berichten viele Industriebetriebe jährlich dem UBA über Schadstoffemissionen und die Verbringung von Abwässern und Abfällen. Das UBA bereitet diese Daten dann in einer Datenbank für Bürgerinnen und Bürger auf.

Inhaltsverzeichnis

Umweltbelastende Emissionen aus der Metallindustrie

Industriebetriebe mit Anlagen zur Herstellung und Verarbeitung von Metallen sind bedeutende Verursacher von umweltbelastenden Emissionen mit negativen Umweltauswirkungen entlang der Wertschöpfungskette. Zur Metallindustrie werden die Bereiche Stahlindustrie, Nichteisenmetall-Wirtschaft, Gießerei-Industrie sowie die Stahl- und Metallverarbeitung gezählt.

Die deutsche Metallindustrie nimmt innerhalb der Europäischen Union eine bedeutende Rolle ein, da Deutschland hinsichtlich der Produktion von Stahl und Nichteisenmetallen führend ist.

Industriebetriebe müssen jährlich dem Umweltbundesamt über ihre Emissionen in die Luft, in die Gewässer und in den Boden berichten, wie auch darüber, wie viele Schadstoffe sie in externe Abwasserbehandlungsanlagen weiterleiten und wie viele gefährliche Abfälle sie entsorgen. Die Betriebe müssen nicht über jeden Ausstoß und jede Entsorgung berichten, sondern nur dann, wenn der Schadstoffausstoß einen bestimmten Schwellenwert (vgl. Anhang II der europäischen Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister -Verordnung (E-PRTR-VO)) oder der Abfall eine gewisse Mengenschwelle überschreitet. In diesem Artikel werden Industriebetriebe aus der Metallbranche, die eine Tätigkeit nach europäischer PRTR-Verordnung ausüben und Emissionen in die Luft und in Gewässer freisetzen, die den gesetzlich vorgegebenen Schwellenwert überschreiten, betrachtet.

Hochofen im Stahlwerk
Emissionen bei einem Umfüllvorgang im Stahlwerk
Quelle: industrieblick / Fotolia.com

Das Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister (PRTR) in Deutschland

Das Umweltbundesamt (UBA) sammelt die von Industriebetrieben gemeldeten Daten in einer Datenbank: dem Schadstofffreisetzungs- und -verbringungsregister PRTR (Pollutant Release and Transfer Register). Das UBA leitet die Daten dann an die Europäische Kommission weiter und macht sie im Internet unter der Adresse www.thru.de der Öffentlichkeit frei zugänglich.

Es gibt drei Rechtsgrundlagen für die PRTR-Berichterstattung:

Erfasst werden im PRTR industrielle Tätigkeiten in insgesamt neun Sektoren. Einer davon ist der Metallsektor.

Die Aussagekraft des PRTR ist jedoch begrenzt. Zwei Beispiele:

  • Unternehmen berichten nicht Schadstoffemissionen einer einzelnen Industrieanlage, sondern über die Gesamtheit aller Anlagen einer „Betriebseinrichtung“. Unter einer Betriebseinrichtung versteht man eine oder mehrere Anlagen am gleichen Standort, die von einer natürlichen oder juristischen Person betrieben werden. Zum Beispiel kann eine Betriebseinrichtung in der Stahlindustrie („integriertes Hüttenwerk“) eine Vielzahl unterschiedlichster Anlagen beinhalten (Kokerei, Sinteranlage, Hochofen, Oxygenstahlwerk, Walzwerk, Gichtgaskraftwerk), deren Emissionen dann der sogenannten „Haupttätigkeit“ der Betriebseinrichtung zugerechnet werden.
  • Das PRTR gibt Auskunft über die Emissionsmengen der einzelnen Betriebsstandorte. Es macht aber keine Angaben zu den Kapazitäten, zur Effizienz oder zu Umweltstandards von Betrieben.

Für das PRTR-Berichtsjahr 2014 haben insgesamt 107 berichtspflichtige PRTR-Betriebe der Metallindustrie Freisetzungen in Luft und in Gewässer berichtet. Die Karte „Betriebe der Metallindustrie mit Luft- und Wasseremissionen im deutschen PRTR 2014“ zeigt die Verteilung aller Metallbetriebe mit Luft- und Wasseremissionen im deutschen PRTR.

Im Wesentlichen wurde die Freisetzung von Schadstoffen in die Luft und in Gewässer aus folgenden Tätigkeitsbereichen der Metallbranchen berichtet:

  • 37 Industriebetrieben der Eisenmetallgießerei mit einer Produktionskapazität > 20t/Tag
  • (PRTR-Tätigkeit Nr.2.d der E-PRTR-VO)
  • 26 Industriebetrieben der Roheisen- und Stahlerzeugung mit einer Kapazität > 2,5t/Std. (PRTR-Tätigkeit Nr.2.b der E-PRTR-VO)
  • 13 Industriebetrieben mit Anlagen zur Gewinnung von Nichteisenrohmetallen aus Erzen
  • (PRTR-Tätigkeit 2.e.i der E-PRTR-VO)

Zu den folgenden industriellen Tätigkeiten sind dem PRTR keine Daten zu Freisetzungen von Schadstoffen in die Luft und in die Gewässer zu entnehmen, weil diese Anlagen Teil einer Betriebseinrichtung mit einer anderen „Haupttätigkeit“ sind oder weil die ermittelten Schadstofffrachten die gesetzlich festgelegten Schwellenwerte nicht überschreiten:

  • Röst- oder Sinteranlagen für Metallerz inklusive sulfidische Erze (PRTR-Tätigkeit 2.a)
  • Aufbringen von schmelzflüssigen, metallischen Schutzschichten (PRTR-Tätigkeit 2.c.iii)
Die Karte zeigt die räumliche Verteilung aller berichtspflichtigen Betriebe der Metallgießerei im Jahr 2014.
Karte: Betriebe der Metallindustrie mit Luft- und Wasseremissionen im deutschen PRTR 2014
Quelle: Schadstoffemissionsregister PRTR Karte als PDF

Emissionen aus der Eisenmetallgießerei

Eisenmetallgießereien mit einer Produktionskapazität von mehr als 20 Tonnen pro Tag (t/d) stoßen erhebliche Mengen an Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, flüchtigen organischen Verbindungen ohne Methan, Benzol und Stickoxiden in die Luft aus (siehe Tab. „TOP 10 Emissionen von Luftschadstoffen aus der Eisenmetallgießerei 2014“). Im Jahr 2014 wurden zum Beispiel 211.000 t Kohlendioxid von berichtspflichtigen PRTR-Betrieben der Eisenmetallgießerei in die Luft abgegeben. Dies entspricht jedoch nur einem Anteil von 0,05 Prozent an der Gesamtmenge der im PRTR berichteten Kohlendioxid-Emissionen in die Luft. Aus der Eisenmetallgießerei werden keine Schadstoffe in die Gewässer freigesetzt.

Eine Liste von Betrieben der Eisenmetallgießereien in PRTR, die die oben angeführten Schadstoffe freisetzen, erhalten Sie über das Suchformular auf www.thru.de.

Die Karte „Betriebe der Eisenmetallgießerei mit Luftemissionen im deutschen PRTR 2014“ zeigt die regionale Verteilung der Eisenmetallgießerei-Betriebe mit Luftemissionen im deutschen PRTR. Dargestellt sind alle 37 Betriebe, die im Jahr 2014 Schadstoffe in die Luft freisetzten. Die Bundesländer Bayern (BY), Hessen (HE) und Sachsen (SN) haben von allen Bundesländern die meisten Eisenmetallgießerei-Betriebe gemeldet.

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Emissionen aus der Roheisen- und Stahlerzeugung

Anlagen zur Herstellung von Roheisen oder Stahl einschließlich Stranggießen mit einer Kapazität von mehr als 2,5 Tonnen pro Stunde (t/h) stoßen u.a. erhebliche Mengen an Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefeloxiden, Stickoxiden und Feinstaub in die Luft aus (siehe Tab. „TOP 10 Emissionen von Luftschadstoffen aus der Roheisen- und Stahlerzeugung im deutschen PRTR 2014“). Im Jahr 2014 wurden z.B. 31,8 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid von berichtspflichtigen PRTR-Betrieben der Roheisen- und Stahlerzeugung in die Luft abgegeben. Dies entspricht einem Anteil von 7 Prozent (%) an der Gesamtmenge der im PRTR berichteten Kohlendioxid-Emissionen in die Luft. Darüber hinaus werden Chloride, organischer Kohlenstoff, Gesamtstickstoff, Zink und Gesamtphosphor vor allem in Gewässer freigesetzt (siehe Tab. „TOP 10 Emissionen von Wasserschadstoffen aus der Roheisen- und Stahlerzeugung im deutschen PRTR 2014“). Im Jahr 2014 wurden z.B. Einleitungen von 3.540 t Chloriden von berichtspflichtigen PRTR-Betrieben der Roheisen- und Stahlerzeugung berichtet; gemessen an der Gesamtmenge der im PRTR berichteten  Freisetzungen von Chloriden in die Gewässer, ist dies jedoch nur ein Anteil von etwa 0,05 %.

Eine Liste von Betrieben der Roheisen- und Stahlerzeugung in PRTR, die die oben angeführten Schadstoffe freisetzen, erhalten Sie über das Suchformular auf www.thru.de.

Die Karte „Betriebe der Roheisen- und Stahlerzeugung mit Luft- und Wasseremissionen im deutschen PRTR 2014“ zeigt die regionale Verteilung der Roheisen- und Stahlerzeugungs-Betriebe mit Luft- und Wasseremissionen im deutschen PRTR 2014. Dargestellt sind alle 26 Betriebe, die im Jahr 2014 Schadstoffe in die Luft und in die Gewässer freisetzten. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NW) hat von allen Bundesländern die meisten Roheisen- und Stahlerzeugungs-Betriebe gemeldet.

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Emissionen aus der Nichteisenrohmetall-Industrie

Anlagen zur Gewinnung von Nichteisenrohmetallen aus Erzen, Konzentraten oder sekundären Rohstoffen durch metallurgische, chemische oder elektrolytische Verfahren stoßen erhebliche Mengen an Kohlendioxid, Kohlenmonoxid, Schwefeloxiden, Stickoxiden und anorganischen Fluorverbindungen in die Luft aus (siehe Tab. „TOP 10 Emissionen von Luftschadstoffen aus der Nichteisenrohmetall-Industrie im deutschen PRTR 2014“). Im Jahr 2014 wurden z.B. 1,01 Millionen Tonnen (Mio. t) Kohlendioxid von berichtspflichtigen PRTR-Betrieben der Nichteisenrohmetall-Industrie in die Luft abgegeben. Dies entspricht einem Anteil von 0,2 Prozent (%) an der Gesamtmenge der im PRTR berichteten Kohlendioxid-Emissionen in die Luft. Außerdem werden von der Nichteisenrohmetall-Industrie Freisetzungen von sieben Wasserschadstoffen berichtet (siehe Tab. „TOP 7 Emissionen von Wasserschadstoffen aus der Nichteisenrohmetall-Industrie im deutschen PRTR 2014“). Im Jahr 2014 wurden z.B. 478.000 Kilogramm Fluoride von berichtspflichtigen PRTR-Betrieben der Nichteisenrohmetall-Industrie in Gewässer abgegeben; gemessen an der Gesamtmenge der im PRTR berichteten Freisetzungen von Fluoriden in die Gewässer, macht der Anteil 36 % aus.

Eine Liste von Betrieben der Nichteisenrohmetall-Industrie in PRTR, die die oben angeführten Schadstoffe freisetzen, erhalten Sie über das Suchformular auf www.thru.de.
 
Die Karte „Betriebe der Nichteisenrohmetall-Industrie mit Luft- und Wasseremissionen im deutschen PRTR 2014“ zeigt die regionale Verteilung der Nichteisenrohmetall-Industrie mit Luft- und Wasseremissionen im deutschen PRTR. Dargestellt sind alle 13 Betriebe, die im Jahr 2014 Schadstoffe in die Luft und in die Gewässer freisetzten. Das Bundesland Nordrhein-Westfalen (NW) hat von allen Bundesländern die meisten Betriebe dieses Industriezweigs gemeldet.

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