1.3 Welche Klimaveränderungen sind zu erwarten?

In den kommenden Jahrzehnten wird sich das Klima in Deutschland weiter verändern. Wichtigste Ursache dieser Veränderungen sind Treibhausgase wie CO2, die sich bereits jetzt in der Atmosphäre befinden, aber auch Treibhausgase, die wir zukünftig ausstoßen werden.

Je nachdem, wie sich die Menge dieser Treibhausgase entwickelt, projizieren regionale Klimamodelle unterschiedlich starke Klimaveränderungen. Der Klimawandel bringt dabei sowohl schleichende Veränderungen wie die Änderungen langfristiger Mittelwerte als auch Änderungen in der Häufigkeit und Intensität von Extremereignissen mit sich.

Moderne Klimamodelle liefern inzwischen gut abgesicherte Aussagen darüber, wie sich das Klima in Zukunft verändern kann. Diese Ergebnisse – so genannte Klimaprojektionen – unterliegen jedoch gewissen Unsicherheiten, die in erster Linie bestimmte Ausprägungen und weniger den allgemeinen Trend der Klimaveränderungen betreffen. Um diese Unsicherheiten besser einschätzen zu können, werden die Ergebnisse verschiedener Klimamodelle in so genannten Ensemble-Ansätzen zusammengeführt und verglichen. Klimaprojektionen gehen außerdem häufig von verschiedenen Szenarien aus, die verschiedene mögliche Entwicklungen der Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre abbilden und es uns so erlauben, einen Überblick über mögliche Entwicklungskorridore des Klimas zu bekommen. Durch die Nutzung von Ensemble-Ansätzen und Szenarien und auf Basis der daraus resultierenden Korridore lässt sich ein Großteil der Unsicherheiten einer Klimaprojektion reduzieren. Es bleibt jedoch zu beachten, dass die Projektionen stärker voneinander abweichen, je weiter wir in die Zukunft blicken und je kleinräumiger die Auflösung ist.

Folgende Trends für Deutschland im Zeitraum 2021 bis 2050 gelten als verlässlich:

  • Regional und jahreszeitlich differenziert kommt es zu einem Temperaturanstieg. Die Häufigkeit und Intensität sommerlicher Hitzewellen nimmt zu.
  • Während in den Sommermonaten mit einem leichten Niederschlagsrückgang zu rechnen ist, nehmen die Niederschlagsmengen im Rest des Jahres eher zu. Diese Zunahmen sind vor allem auf häufigere Starkniederschläge zurückzuführen.

Informationen zu regionalen Trends finden Sie in den Klimastudien und Anpassungsstrategien der Bundesländer. Die vom Umweltbundesamt finanzierte Datenbank „Klimastudienkatalog“ zeigt Ihnen die Ergebnisse von 75 Vulnerabilitätsstudien, sortiert nach Bundesländern und  Handlungsfeldern.

Daneben gibt es für Deutschland inzwischen sehr gut aufbereitete und regional differenzierte Darstellungen der Klimaänderungen, die in den nächsten Jahrzehnten zu erwarten sind. Der Deutsche Wetterdienst stellt im Klimaatlas detaillierte Karten darüber bereit, wie sich verschiedene Klimaparameter verändern werden. Auskünfte über die Sicherheit solcher Aussagen finden sich in den Klimasignalkarten des Climate Service Centers.

Gerade kleineren Kommunen fehlt es häufig an Mitarbeitenden, um   einen umfassenderen Prozess zur Anpassung an Klimafolgen durchzuführen. In diesem Fall sollten Sie die Möglichkeiten prüfen, sich von Dienstleistern in diesem vielschrittigen Prozess der Anpassung unterstützen zu lassen. Ob Sie dieses Angebot annehmen können, hängt auch von Ihren finanziellen Möglichkeiten ab. Viele Kommunen haben ihre Anpassungsstrategien in Kooperation mit externen Partnern erstellt, häufig mit ortsnahen Forschungs- und Bildungseinrichtungen, etwa Hochschulen. Um mögliche Partner einschätzen zu können, lohnt sich ein Blick auf Dokumente, die diese für andere erstellt haben. Eine Übersicht über die Dienstleister findet sich beispielsweise auf der Internetseite des Climate-Knowledge-Hubs. Auch die in der Tatenbank hinterlegten Kontakte erlauben einen guten Überblick über potentielle Partner.

Aufgabe: Zusammenstellungen von Daten zu Klimaveränderungen

Suchen Sie nach Literatur, Internetseiten oder Karten, die Ihnen Informationen über zukünftige Klimaveränderungen in Ihrer Region geben. Notieren Sie die zentralen Aussagen dieser Quellen für das Gebiet Ihrer Kommune oder des Umkreises zu Veränderungen bei Temperatur, Niederschlag und weiteren Parametern. Nutzen Sie dafür die Tabellen in diesem Dokument. Dort können Sie die Informationen übersichtlich festhalten und später mit wenig Aufwand anderen Personen vorstellen oder die Resultate drucken und aufhängen.

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Mögliche Schwierigkeiten bei der Bearbeitung der Aufgabe

Zu den möglichen Problemen, mit denen Sie bei der Lösung dieser Aufgabe konfrontiert werden könnten, gehören die unten aufgelisteten.

  • Konzentrieren Sie sich auf das Wesentliche.

    Fokussieren Sie sich bei der Recherche und Auswertung auf einige wenige Quellen, die leicht zugänglich sind. Auf dem KlimafolgenOnline-Portal können Sie zum Beispiel über einen Mausklick auf Ihre Region Daten zu vielen Klimaparametern abrufen – dabei können Sie den Betrachtungszeitraum selbst bestimmen. Wenn Sie die Ergebnisse von dort zu Maximaltemperatur, Niederschlagssumme und Tagen mit Starkniederschlägen aufnehmen, haben Sie schon einen ersten Überblick zu den wichtigsten Klimaveränderungen. Beachten Sie dabei, dass die Daten zu Jahreszeiten meist aufschlussreicher sind als Daten, die auf jährliche Durchschnitte abzielen. Ergänzen Sie diese Erkenntnisse noch mit Informationen aus Studien zu Ihrem Bundesland, die sie zum Beispiel über den Klimastudienkatalog finden können – dann haben Sie in wenigen Stunden schon viel erreicht.

    Klimafolgen Online-Portal Klimastudienkatalog

  • Vorsicht geboten

    Vor dem Hintergrund der Komplexität und Dynamik des Klimas überrascht das nicht. Notieren Sie die Quellen mit ihren Aussagen untereinander und halten Sie die Bandbreite der Aussagen fest, die die Quellen zu einem Parameter machen. Stimmen die Trends bei einem Parameter nicht überein (Beispiel – Quelle 1: Niederschlagssumme nimmt im Sommer ab und Quelle 2: Niederschlagssumme im Sommer nimmt zu) markieren Sie dies deutlich. Hier ist später Vorsicht geboten – entweder sind weitere Recherchen nötig, um ein eindeutigeres Bild zu erlangen oder es müssen später besonders flexible Maßnahmen entwickelt werden, die je nach Entwicklung des Trends nachgesteuert werden können. Alternativ kann es bei stark widersprüchlichen Aussagen strategisch auch sinnvoll sein, die Entwicklung der Datenlage genau zu beobachten und mit der Umsetzung von Maßnahmen in dem Bereich vorerst abzuwarten.

  • Beachten Sie Ihren Planungshorizont.

    Wenn in absehbarer Zeit Investitionen in langlebige Infrastrukturen geplant sind, etwa ein Abwassersystem, sollten Sie in jedem Fall Zeiträume betrachten, die die Lebensdauer dieser Investitionen abdecken. Häufig finden solche Betrachtungen dann mit einem Zeithorizont bis 2100 statt. Wenn keine langfristigen Investitionen anstehen, können Sie sich auch auf kürzere Zeitspannen konzentrieren und nur die Klimaveränderungen bis 2030 und bis 2050 analysieren. Sollten Sie sehr wenig Zeit zur Verfügung haben, bietet es sich an, einen mittleren Zeithorizont wie 2040 oder 2050 zu wählen: dies hat den Vorteil, dass hier teilweise schon stärkere Klimaveränderungen erkennbar sind, die Zeiträume jedoch noch in einer vergleichsweise fassbaren Ferne liegen.

    Zu guter Letzt sollten Sie sich auch danach richten, für welche Zeiträume passende Daten vorliegen und prüfen, welche Zeithorizonte in bereits bestehenden Plänen und Strategien zu anderen Themen gewählt wurden.

  • Bleiben Sie flexibel.

    Viele der Quellen, auf die Sie stoßen werden, geben für jede Klimavariable eine Spanne von möglichen Veränderungen an. Auch werden Sie feststellen, dass unterschiedliche Quelle gelegentlich abweichende Aussagen machen. Beides liegt unter anderem darin begründet, dass die zukünftige Menge der Treibhausgasemissionen nicht bekannt ist und die Atmosphäre als komplexes System schwer zu modellieren ist.

    Lassen Sie sich davon nicht irritieren: Bei dem Umgang mit Klimaveränderungen geht es nicht darum, sich auf eine bestimmte „Klimazukunft“ anzupassen. Da sich der Wandel des Klimas nie exakt vorhersagen lassen wird, sollten Sie zuallererst die verlässlichen groben Trends (etwa Temperaturanstieg) identifizieren. Dann gilt es, Ihre Planung darauf möglichst flexibel auszurichten und Maßnahmen zu entwickeln, die positive Nebeneffekte haben, auch wenn sich die jeweilige Klimavariable anders als gedacht entwickelt.