Strategien zum Schutz der Biodiversität

Das weltweite Problem des Verlustes an Biodiversität kann durch isolierte Aktivitäten nicht gelöst werden. Auf unterschiedlichen Ebenen wurden deshalb Übereinkommen und Strategien mit dem Ziel geschaffen, die Biodiversität nachhaltig zu schützen und zu nutzen. Das 1992 in Rio de Janeiro beschlossene internationale Übereinkommen über die biologische Vielfalt (CBD) stellt hierbei den entscheidenden Ausgangspunkt dar. Die EU als Staatengemeinschaft, die Bundesrepublik Deutschland und einzelne Bundesländer haben davon ausgehend eigene Strategien zur Erhaltung und nachhaltigen Nutzung der Biodiversität entwickelt.

UN-Übereinkommen über die biologische Vielfalt

Die internationale Staatengemeinschaft vereinbarte auf der Konferenz zur nachhaltigen Entwicklung (UNECD) in Rio de Janeiro 1992 die Konvention über die biologische Vielfalt – UN Convention on Biological Diversity, CBD. Der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Biodiversität sowie eine ausgewogene und gerechte Aufteilung der sich aus dieser Nutzung ergebenden Vorteile sind wesentliche Ziele Übereinkommens.

Das von der Staatengemeinschaft gesetzte Ziel, bis 2010 die Rate des Verlusts an Biodiversität deutlich zu reduzieren, konnte nicht erreicht werden. Auf der 10. Konferenz der Vertragsstaaten (COP 10) in Nagoya (Japan) wurde daher eine konkrete Strategie beschlossen, mit deren Umsetzung es gelingen soll den weltweiten Biodiversitätsverlust bis 2020 aufzuhalten. Die Strategie fordert u.a. weltweit eine nachhaltige Land-, Forst- und Fischereiwirtschaft sowie die Reduzierung der Verschmutzung durch Nähr- und Schadstoffe. Beide Themen haben einen hohen Stellenwert in der Arbeit des Umweltbundesamtes.

Um die Dringlichkeit des Handelns zu unterstreichen, erklärten die Vereinten Nationen die Jahre 2011 bis 2020 zur UN-Dekade der biologischen Vielfalt.

EU-Strategie

Der 2006 von der EU verabschiedete Aktionsplan der Europäischen Union zur Biodiversität wurde mit dem Ziel ins Leben gerufen, den Verlust der biologischen Vielfalt in der EU bis 2010 aufzuhalten („stop the loss“).

Die 2010 vorgelegte Bewertung von rund 150 unterschiedlichen Maßnahmen und der durch sie erzielten Erfolge zeigte, dass trotz erheblicher Fortschritte in einigen Bereichen das Gesamtziel noch nicht erreicht wurde. Der Umweltschutz hat z.B. durch die Umsetzung der Wasserrahmenrichtline oder die Verminderung der Schadstoffemissionen  zur Erreichung von Teilerfolgen beigetragen. Die Bewertung enthält eine Vielzahl von Fakten und Daten zu den Maßnahmen gegen den Biodiversitätsverlust in allen 27 Mitgliedstaaten und auf EU-Ebene. Außerdem umfasst sie einen Vergleich der Leistungen der einzelnen Mitgliedstaaten und aktuelle Biodiversitätsindikatoren (SEBI 2010).

Die Bilanz der Kommission zeigt, dass Europas biologische Vielfalt durch die übermäßigen Umweltbelastungen, so z.B. durch veränderte Landnutzung, Klimawandel und Schad- sowie Nährstoffbelastungen nach wie vor stark bedroht ist – siehe EU-Bericht.

Die neue Zielsetzung europäischen Strategie lautet, den Verlust der biologischen Vielfalt und die Schädigung der Ökosystemleistungen in der EU bis 2020 einzudämmen und sie – wo möglich – wieder nutzbar zu machen. Außerdem sollen die Folgen des Verbrauchs in der EU und des internationalen Handels auf die globale biologische Vielfalt deutlich verringert werden.

Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt

Die Bundesregierung hat 2007 eine „nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ verabschiedet. Mit 330 konkreten Qualitätszielen und 430 Maßnahmen, nimmt die Strategie alle Akteure in die Pflicht, so auch den Umweltschutz. Wesentliche den Umweltschutz betreffende Ziele sind z.B.:

  • die Erreichung eines mindestens guten ökologischen Zustands aller Flüsse bis 2015,
  • die Sanierung aller Altlasten bis 2050,
  • die Reduzierung stofflicher Belastungen auf ein für den Schutz terrestrischer Ökosysteme verträgliches Maß (Einhaltung der Critical Loads und Critical Levels bis 2020) oder
  • die Verringerung des Stickstoffüberschusses in der Gesamtbilanz bis 2010 auf 80 kg/ha; angestrebt wird eine weitere Verringerung bis 2015.

Gleichzeitig mit der Verabschiedung wurde ein durch das Bundesumweltministerium geleiteter Umsetzungsprozess gestartet, an dem sich auch das UBA beteiligt, um die Ziele rechtzeitig zu erreichen.

Strategien der Bundesländer

Umweltministerkonferenz

Mit der "Mainzer Erklärung zur biologischen Vielfalt" unterstützen die Länder „die Umsetzung der von der Bundesregierung beschlossenen Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt im Rahmen ihrer Zuständigkeiten und gegebenenfalls auf der Grundlage eigener Länderstrategien oder -programme zur biologischen Vielfalt entsprechend den landesspezifischen Bedingungen und Potenzialen".

Eine wichtige Aufgabe des UBA besteht darin, gemeinsam mit den Bundesländern die Umsetzung der umweltrelevanten Ziele der NBS zu befördern. Die gemeinsame Arbeit in den Bund-Länder-Gremien für den Umweltschutz bietet hierzu gute Möglichkeiten.