Fachbereich III

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Dr. Bettina Rechenberg leitet den Fachbereich III
Quelle: Susanne Kambor / Umweltbundesamt

Wie sehen umweltfreundliche Produkte aus? Wie können die Produktionsprozesse umweltfreundlicher gestaltet werden? Wie können unsere natürlichen Ressourcen geschont werden? – Nur einige von vielen Fragen, die der Fachbereich III des Umweltbundesamtes bearbeitet.

Nachhaltige Produktion und Produkte, Kreislaufwirtschaft

Die Förderung und Aufbereitung von Rohstoffen, die industrielle Produktion von Materialien und die Herstellung, der Gebrauch, das Recycling sowie letztlich die Entsorgung von Produkten – all diese Tätigkeiten sind mit vielfältigen Belastungen für unsere Umwelt verbunden. Der Fachbereich III analysiert entlang dieser Wertschöpfungs- und Lebenszykluskette umweltschutzbezogene Probleme und sucht sinnvolle, umweltschonende Lösungen. Er fördert deren Anwendung in der Praxis, informiert die Fachwelt und die Öffentlichkeit über innovative Weiterentwicklungen und unterstützt die Bundesregierung sowie europäische und internationale Regierungs- und Nichtregierungseinrichtungen durch zielgerichtete Handlungsvorschläge. Dafür leisten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs III Vorarbeiten für effektive rechtliche Rahmenbedingungen und zu den für die Zielerreichung notwendigen und zu entwickelnden ökonomischen und sonstigen Instrumenten.

Unsere natürlichen Ressourcen schonen

Der Fachbereich III beschäftigt sich sehr intensiv mit allen umwelt- und gesundheitsbezogenen Aspekten der Ressourcenschonung. Ein Beispiel dafür zeigt die Frage auf, wie sich Knappheiten an strategisch wichtigen, aber in ihrer Verfügbarkeit begrenzten, seltenen Metallen auf die Entwicklung von Umwelttechniken wie die Windkraftgewinnung, die Photovoltaik oder die Elektromobilität auswirken: Wie lassen sich derartige Rohstoffe effizienter einsetzen, verstärkt zurückgewinnen oder unter gleichem Nutzen substituieren?

Die großen ressourcenrelevanten Branchen der Metallgewinnung und -verarbeitung, der Zement- und Kalkindustrie, der Glasherstellung und der Gießereien, der chemischen Industrie, und der Papierherstellung, des Bau- und Abbruchwesens, der Verpackungsindustrie und der Herstellung von Photovoltaikanlagen werden im Fachbereich III bezüglich ihrer Auswirkungen auf die Umweltmedien Wasser, Luft und Boden, ihres Abfallaufkommens, ihres Energie- und Rohstoffverbrauchs analysiert und medienübergreifend bewertet.

Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Fachbereichs III nutzen dafür national und international verfügbare Informationen, um den „Stand der Technik“ zu ermitteln und - wenn erforderlich - gemeinsam mit Wirtschaft, Wissenschaft und Behörden im Rahmen des Konzepts der „besten verfügbaren Technik“ (BVT)  weiterzuentwickeln. Innovative Entwicklungen können auch finanziell durch das Umweltinnovationsprogramm des Bundesumweltministeriums gefördert werden. Dort stehen verfahrenstechnische  Lösungen im Vordergrund, bei denen Schadstoffe möglichst von vorn herein vermieden oder weitgehend vermindert sowie der Einsatz von Energie und Rohstoffen effektiv verringert werden: Ein weitgehender produktions- und produktintegrierter Umweltschutz auf dem Weg zu nachhaltiger Produktion und nachhaltigen Produkten  ist dabei das Ziel dieser Arbeit.

Umweltschutz ohne Grenzen

Wie bei vielen Umweltschutzaufgaben sind dabei nationalen Grenzen nicht relevant: Expertinnen und Experten des Fachbereichs III arbeiten in vielen internationalen Gremien - insbesondere in Arbeitsgruppen der Europäischen Union - mit, um die in Deutschland erreichten, innovativen Lösungen auch in anderen Staaten bekannt zu machen und dort anwenden zu helfen. Gerade die europäische oder internationale Harmonisierung von anspruchsvollen Umwelt-, Gesundheits- und Technikstandards auf allerhöchstem Niveau ist ein wichtiges Ziel der Arbeit des Umweltbundesamtes. Der Fachbereich III erfasst daher auch national und international auftretende Störfälle in der chemischen Industrie, die zum Teil erhebliche Auswirkungen auf Umwelt und Gesundheit haben. Er analysiert deren Ursachen, um technische und organisatorische Maßnahmen zu deren künftiger Vermeidung oder Begrenzung zu entwickeln. Das sicherheitstechnische Regelwerk wird durch Forschungsvorhaben, Entwürfe und Mitarbeit in Gremien fortentwickelt. Der Erfahrungstausch unter den Vollzugsbehörden der Länder wird gefördert und Vorschläge zum bundeseinheitlichen Vollzug ausgearbeitet. Schwerpunkte hierbei sind Biogasanlagen, natürliche umgebungsbedingte Gefahrenquellen wie beispielsweise Hochwasser, die Einsetzbarkeit inhärent sicherer Technik und der Umgang mit wassergefährdenden Stoffen.

Den Umweltbelastungen auf der Spur

Mit modernen wissenschaftlichen Methoden, wie Ökobilanzen und Stoffstromanalysen, spüren wir den Umweltbelastungen der Produkte in allen Umweltmedien und auf allen Lebenswegstationen nach und setzen uns für deren Verringerung ein. Wir unterstützen einen nachhaltigen Konsum und eine umweltfreundliche öffentliche Beschaffung , damit umweltfreundliche Produkte auch nachgefragt werden und untersuchen Lebensstile, die eine nachhaltige Entwicklung erst möglich machen.

Ein Engel für die Umwelt

Ein weiteres, typisches Beispiel für die Arbeit des Fachbereiches III ist der „Blaue Umweltengel", mit dem Produkte und Dienstleistungen ausgezeichnet werden können, die im Vergleich zu anderen, die demselben Gebrauchszweck dienen, günstigere Umwelteigenschaften aufweisen.
Anstrichstoffe, die weniger Lösemittel und weniger andere Schadstoffe enthalten, technische Geräte, die weniger Lärm erzeugen und energieeffizienter sind, Produkte, die aus Recyclingmaterial hergestellt wurden – das sind nur einige typische Beispiele aus der großen Anzahl derjenigen Produkte, die den „Blauen Engel“ tragen. Bevor es jedoch zu einer Kennzeichnung kommt, müssen das Produkt und sein Werdegang untersucht werden. Im Idealfall wird dabei der Weg des Produktes von der „Wiege bis zur Bahre“ verfolgt, damit nur solche Produkte ausgezeichnet werden, die an möglichst allen Stationen ihres Lebenszyklus eine „weiße Umweltweste“ besitzen.

Abfälle zurück in den Kreislauf

Am Ende des Lebenszyklus von Produkten und Materialien steht die Verwertung oder Entsorgung. Einen weiteren wichtigen Schwerpunkt in der täglichen Arbeit des Fachbereichs bildet daher die Kreislaufwirtschaft. Der Grundgedanke ist dabei ein abgestuftes Konzept gemäß der Hierarchie des Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das an die erste Stelle die Vermeidung von Abfällen stellt. Unvermeidbare Abfälle sollen wiederverwendet, stofflich oder energetisch verwertet oder, wo dies notwendig ist, umweltschonend beseitigt werden. Je nach Art und Zustand der Abfälle sind sie für die Verwertung oder Beseitigung mit den unterschiedlichsten Verfahren  zu behandeln. Auch hier geht es um die aus Umweltschutzsicht sinnvollsten technischen und organisatorischen Lösungen mit möglichst geringen Kosten.

Die im Fachbereich III eingerichtete „Anlaufstelle Basler Übereinkommen“ ist zuständige Genehmigungsbehörde für die Abfalldurchfuhr durch Deutschland. Durch Information und Beratung von Industrie, Behörden und Öffentlichkeit leistet sie einen Beitrag zur Verhinderung illegaler grenzüberschreitender Transporte von gefährlichen Abfällen.

Die Abwasserbehandlung weiter verbessern

Neben den Fragen der Kreislaufwirtschaft erarbeitet der Fachbereich III Anforderungen gemäß dem Stand der Technik an die Qualität behandelten Abwassers sowie weitergehende Techniken zur Abwasserbehandlung und ermittelt die Anwendungsgrenzen verschiedener Behandlungsverfahren. Der Schwerpunkt der Arbeiten liegt in der Erarbeitung einer Neukonzeption der Abwasserverordnung unter Berücksichtigung medienübergreifender, ressourcenschonender Anforderungen (Luft, Energie, Boden, Ressourcen).

Genormte Mess- und Analyseverfahren sind Voraussetzung für die Anwendung von Rechtsvorschriften im praktischen Vollzug. Der Fachbereich III steuert die Normungsarbeit für die Referenzanalytik von etwa 90 Parametern des Wasserhaushaltsgesetzes (WHG) und des Abwasserabgabengesetzes (AbwAG)  für die ca. 55 Branchenanhänge der Abwasserverordnung (AbwV).

Seit 1983 (ISO) und 1989 (CEN) erfolgt die Standardisierung biologischer, chemisch-physikalischer und mikrobiologischer Referenzanalyseverfahren auch auf internationaler Ebene. Die Mitarbeiterinnnen und Mitarbeiter verfügen hierzu über ein umfangreiches und ergebnisorientiertes Netzwerk. Die Steuerung der Normungsaktivitäten erfolgt vollständig durch das UBA. Die rechtsverbindliche Umsetzung des Messinstrumentariums in Abwasserverordnung und Abwasserabgabengesetz erfolgt mit Hilfe der Bund/Länder-Arbeitsgemeinschaften „Bioteste“ und „chemisch-physikalische Analytik“, die vom Fachbereich III koordiniert werden.

Quelle: Umweltbundesamt

Cleaner Production Germany: Einführung

Einführung in die Website Cleaner Production Germany (CPG) – Das Portal zum Umwelttechnologietransfer

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 Das UBA  Fachbereich III  Nachhaltige Produktion  Kreislaufwirtschaft