Einführung

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Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel


Inhaltsverzeichnis

 

Welche Auswirkungen hat der Klimawandel und wie bereiten wir uns vor?

Hiermit legt die Interministerielle Arbeitsgruppe Anpassungsstrategie der Bundesregierung den ersten Monitoringbericht zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel vor. Dieser Monitoringbericht ist Teil des vom Bundeskabinett beauftragten Fortschrittsberichts des Bundes zur Deutschen Anpassungsstrategie. Er trägt zur Weiterentwicklung der Strategie bei und informiert die Öffentlichkeit und Entscheidungsträger in allen Bereichen des gesellschaftlichen Lebens über die beobachteten Folgen des Klimawandels und bereits eingeleitete Anpassungsmaßnahmen. Damit wird erstmals in kompakter Form anhand von gemessenen Daten dargestellt, welche Veränderungen durch den Klimawandel bereits feststellbar sind. Die Folgen des Klimawandels sind so vielfältig, dass kaum ein Bereich des gesellschaftlichen, politischen und wirtschaftlichen Lebens in den nächsten Jahren und Jahrzehnten unberührt bleiben wird, auch wenn bislang Veränderungen zum Teil nur kleinere Gruppen, bestimmte Wirtschaftszweige oder Regionen konkret betreffen. Anpassung geht uns daher alle etwas an.

Treibhausgase, die jetzt in der Atmosphäre sind, beeinflussen das Klima der nächsten Jahrzehnte. Sich auf diese Veränderungen vorzubereiten, heißt, rechtzeitig und aktiv auf Klimaänderungen zu reagieren, die bereits nicht mehr vermeidbar sind. Dies gilt, auch wenn noch nicht alle Zusammenhänge aufgeklärt sind und das mögliche Ausmaß der Klimafolgen heute in vielen Bereichen noch nicht im Einzelnen absehbar ist. Gleichzeitig muss der Klimaschutz zügig voranschreiten, um zu verhindern, dass mit steigenden Treibhausgaskonzentrationen die klimatischen Veränderungen zunehmen und die Anpassungszwänge weiter wachsen.

In Zukunft soll der indikatorengestützte Monitoringbericht alle vier Jahre aktualisiert werden, sodass sich die Entwicklungen weiter verfolgen lassen.

Das Indikatorensystem, das dem Monitoringbericht zugrunde liegt, und der Bericht selbst wurden unter Beteiligung zahlreicher Experten aus den zuständigen Bundes und Länderbehörden sowie aus wissenschaftlichen Einrichtungen und privaten Institutionen entwickelt. Hier bekommen Sie eine Übersicht zu den Mitwirkenden, die konkrete Beiträge zu den Ausarbeitungen geliefert haben - siehe Anhang Bearbeitung sowie Anhang Beteiligung. Die Federführung der Entwicklung und Berichtserstellung liegt in der Zuständigkeit des Umweltressorts und wurde vom Umweltbundesamt, Fachgebiet KomPass– Klimafolgen und Anpassung in Deutschland, organisiert. Über das Umweltressort hinaus waren nahezu alle Bundesministerien und ihre zugeordneten wissenschaftlichen Behörden in die Entwicklung der Berichterstattung eingebunden und werden auch zukünftig weiter daran mitwirken.

 

Deutsche Anpassungsstrategie und Aktionsplan Anpassung – der politische Prozess

Die Bundesregierung hat im Dezember 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel (DAS) beschlossen. Sie beschreibt, in welchen Bereichen Veränderungen durch den Klimawandel zu erwarten sind oder bereits beobachtet werden und welche grundsätzlichen Handlungsmöglichkeiten und -erfordernisse in verschiedenen Sektoren bestehen. Es werden 13 Handlungsfelder in der DAS angesprochen: Menschliche Gesundheit; Bauwesen; Wasserhaushalt, Wasserwirtschaft, Küsten- und Meeresschutz; Boden; Biologische Vielfalt; Landwirtschaft; Wald und Forstwirtschaft; Fischerei; Energiewirtschaft; Finanzwirtschaft; Verkehr, Verkehrsinfrastruktur; Industrie und Gewerbe sowie Tourismuswirtschaft. Zusätzlich benennt die Strategie mit der Raum-, Regional- und Bauleitplanung sowie dem Bevölkerungsschutz zwei Querschnittsthemen, die in viele der anderen Handlungsfelder hineinreichen.

Die DAS setzt einen strategischen Rahmen zur Anpassung an den Klimawandel, der Handlungsimpulse in alle gesellschaftlichen Bereiche hinein geben soll. Veränderungen, die der Klimawandel mit sich bringen kann, müssen bei allen relevanten Planungsprozessen und Entwicklungsstrategien systematisch berücksichtigt werden. Ziel ist es, die Anpassungsfähigkeit von natürlichen und gesellschaftlichen Systemen zu stärken, damit sie für eine Zukunft im Klimawandel vorbereitet sind. Für viele Bundesländer gab die nationale Strategie den Anstoß, auf Länderebene Anpassungsstrategien auszuarbeiten oder Anpassungsaspekte in ihre Klimaschutzstrategien aufzunehmen.

Zur Weiterentwicklung der in der DAS getroffenen Aussagen hat die Bundesregierung einen ressortübergreifenden Diskussions- und Koordinationsprozess angestoßen. Dieser mündete im August 2011 in die Verabschiedung des „Aktionsplans Anpassung der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel“ (APA I). Der APA unterlegt die in der DAS genannten Ziele und Handlungsoptionen mit spezifischen Aktivitäten und stellt Verknüpfungen der DAS mit anderen nationalen Strategieprozessen her.
Er betont insbesondere die Verantwortung des Bundes für die Bereitstellung von Wissen und die Information, für die Berücksichtigung von Anpassungserfordernissen in rechtlichen Regelungen, Normen, technischen Regelwerken, Förderprogrammen und ökonomischen Anreizsystemen sowie für Aktivitäten im Bereich der Bundesliegenschaften. Außerdem stützt er die Forderung, dass Deutschland internationale Verantwortung im Zuge der Anpassung an den Klimawandel übernimmt. Der APA I sieht unter anderem die Entwicklung eines Indikatorensystems und eine regelmäßige Berichterstattung zu den Fortschritten im Anpassungsprozess in Deutschland vor. Dieser nun erstmals vorgelegte indikatorengestützte Monitoringbericht ist ein wichtiger Bestandteil zur Erfüllung dieses Auftrags.

 

Das DAS-­Indikatorensystem

Die Indikatoren, die dem nun vorliegenden Bericht zugrunde liegen, wurden in einem mehr als fünfjährigen Entwicklungs- und Abstimmungsprozess mit behördlichen Vertretern unterschiedlicher Ressorts auf Bundesund teilweise auch Landesebene sowie mit nicht behördlichen Fachexperten erarbeitet. Sie geben mit Bezug auf die 13 Handlungsfelder und zwei Querschnittsthemen der DAS einen Überblick über die Betroffenheiten durch Auswirkungen des Klimawandels und über die in den jeweiligen Bereichen bereits initiierten Anpassungsprozesse. Insgesamt umfasst das DAS-Indikatorensystem 97 Indikatoren, 55 davon beschreiben Auswirkungen des Klimawandels (Impact-Indikatoren), 42 Anpassungsmaßnahmen oder Aktivitäten und Bedingungen, die den Anpassungsprozess unterstützen (Response-Indikatoren). Hinzu kommen fünf handlungsfeldübergreifende Indikatoren. Sie stellen übergreifende Aktivitäten der Bundesregierung dar, mit denen der Anpassungsprozess an den Klimawandel unterstützt wird.

Aufgrund begrenzter Datenverfügbarkeiten ist es nicht möglich, alle relevanten in der Diskussion befindlichen Prozesse und Handlungsansätze mit Indikatoren abzubilden. Vieles entzieht sich der quantitativen Analyse und Darstellung. Viele Datenerhebungen stehen außerdem erst am Anfang, und es bedarf längerer Zeitreihen zur Interpretation der Entwicklungen. Die Beschränkungen der Datenverfügbarkeit haben auch zur Folge, dass die derzeitige Anzahl der Indikatoren pro Handlungsfeld bzw. Querschnittsthema nicht zwangsläufig dessen Bedeutung widerspiegelt. Entsprechend ist vorgesehen, dass das Indikatorensystem im Prozess der Fortschreibung überprüft und weiterentwickelt wird.

Bei vielen Indikatoren lässt sich der spezifische Beitrag des Klimawandels zu beobachtbaren Veränderungen in der Umwelt, Gesellschaft oder Wirtschaft nicht oder nur schwer bestimmen, da Veränderungsprozesse vielfältig beeinflusst werden. In unserer globalisierten Welt lassen sich einfache Ursache-Wirkungsbeziehungen kaum mehr beschreiben. Wenn wir beispielsweise darüber nachdenken, inwieweit Waldschäden heute durch vermehrte sommerliche Hitze- und Trockenheitsperioden oder durch starke Stürme entstehen, dürfen wir die umfangreichen nicht klimatischen Wirkungskomplexe nicht aus dem Auge verlieren. Weiterhin beeinflussen auch Nährstoffeinträge, Versauerung und hohe Ozonkonzentrationen neben vielen weiteren Faktoren die Baumgesundheit. Eine der zentralen Aufgaben des Bevölkerungsschutzes war es schon immer, nach Orkanen, Starkregen und Überschwemmungen Katastrophenhilfe zu leisten. Dass heute mehr und teilweise auch schwerere Einsätze zu bewältigen sind, wird als eine Folge des Klimawandels gesehen. Es ist aber schwierig zu beurteilen, was ein „Normalmaß“ von Einsätzen wäre. Bei der Entwicklung des DAS-Indikatorensystems wurden Ursache-Wirkungsbeziehungen intensiv diskutiert. Mit den nun ausgewählten Indikatoren werden Themen dargestellt, für die wissenschaftliche Erkenntnisse darauf hindeuten, dass mit Veränderungen im Zuge des Klimawandels zu rechnen ist. Einige Datenreihen im vorliegenden Erstbericht zeigen diese Veränderungen (noch) nicht an. Hier werden die Folgeberichte zeigen, wie die weitere Entwicklung verläuft.

Unschärfen der Interpretation ergeben sich auch mit Blick auf den Anpassungsprozess. Viele Maßnahmen, die mit Klimawandelanpassung in Zusammenhang gebracht werden, dienen nicht allein diesem Zweck oder wurden sogar aus ganz anderen Motiven heraus ergriffen. Dennoch können sie einen wirkungsvollen Anpassungsprozess unterstützen. Gleichzeitig lassen sich aber auch spezifische Anpassungsmaßnahmen wie beispielsweise der Betrieb des Hitzewarndiensts des DWD beschreiben.

Für einige Indikatoren wird sich erst in Zukunft auf der Grundlage weiterer Berichtsfortschreibungen erweisen, welche Relevanz sie tatsächlich haben. Möglicherweise bewahrheiten sich heutige Befürchtungen in Zukunft nicht, oder aber es deuten sich zum Zeitpunkt der nächsten Berichtsfortschreibung kritische Prozesse an, die wir derzeit noch gar nicht im Blick haben. Entsprechend ist vorgesehen, dass das Indikatorensystem im Prozess der Fortschreibung überprüft und weiterentwickelt wird.

Grundsätzlich haben alle Indikatoren zum Ziel, bundesweite Entwicklungen abzubilden. Regionale Differenzierungen sind nur in wenigen Ausnahmefällen Inhalt der Darstellungen. Für thematische Aspekte, zu denen keine bundesweiten Daten für die Indikatorenbildung zur Verfügung stehen, ließen sich teilweise sogenannte Fallstudien entwickeln. Sie zeigen anhand konkreter räumlich begrenzter Datensätze stellvertretend, welche Aussagen sich bei entsprechender Datenverfügbarkeit auch bundesweit generieren ließen. Diese Fallstudien sind als solche gekennzeichnet.

Auf die Nennung umfassender weiterführender Literatur wird bewusst verzichtet, weil sie angesichts der Bandbreite und Vielzahl der adressierten Themen den Rahmen des Monitoringberichts sprengen würde.

Datenschluss für die Aktualisierung der Zeitreihen zu den Indikatoren war April 2014. Grundsätzlich ist 2013 das letztgenannte Datum. Erfolgen die den Indikatoren zugrundeliegenden Erhebungen in einem größeren zeitlichen Turnus, wird dies mit der Beschriftung der x-Achse deutlich gemacht. Es werden mindestens drei Zeitabschnitte angelegt.

 

Bewertung der Entwicklungen

Die Bewertung der DAS-Indikatoren bezieht sich in erster Linie auf die Zielsetzungen in der DAS. Teilweise wurden ergänzend auch Ziele des Aktionsplans Anpassung herangezogen. Allerdings sind die in diesen Dokumenten niedergelegten Ziele bislang nicht quantifiziert. Damit sind zugleich die Möglichkeiten einer Bewertung der DAS-Indikatoren eingeschränkt. Die Bewertung beschränkt sich aus diesem Grunde auf eine statistische Trendberechnung und eine Beurteilung, ob der Trend grundsätzlich in die richtige Richtung weist.
Die Bewertung erfolgt dabei immer mit Blick auf den Themenkomplex Klimawandelfolgen und Anpassung. Eine Bewertung der Trends erscheint allerdings nicht in allen Fällen sinnvoll, da die Konsequenzen der Veränderungen nicht immer bekannt sind. So ist eine frühere Blüte des Winterraps als Folge des Klimawandels (wie in Indikator LW-I-1 dargestellt) zwar ein Zeichen dafür, dass der nicht erwünschte Klimawandel Auswirkungen auf die landwirtschaftlichen Kulturen hat, die frühere Blüte ist aber per se nicht zwangsläufig negativ zu bewerten. So ist nicht klar, in welchem Umfang eine Verfrühung der Blüte von den Landwirten als akzeptabel hingenommen werden kann oder gar begrüßt wird und welche Folgen dies für die Fruchtfolgegestaltung hat. In diesen und ähnlichen Fällen beschränkt sich die Darstellung lediglich auf das Ergebnis der Trendberechnung und verzichtet auf dessen Bewertung.

Im Rahmen der statistischen Trendberechnung wurden die Zeitreihen bezüglich ihrer Trendverläufe klassifiziert. Unterschieden werden sowohl steigende und fallende Trends als auch Trends mit einer Trendumkehr, also einem Richtungswechsel bei der Entwicklung. Mit der Berücksichtigung von Trends mit Trendumkehr lassen sich insbesondere bei Betrachtung längerer Zeitreihen auch Entwicklungsverläufe beschreiben, bei denen sich beispielsweise negativ zu bewertende Trends in weiter zurückliegender Vergangenheit durch erfolgreich verlaufende Anpassungsmaßnahmen in jüngerer Zeit zum Positiven gewendet haben.

Trends werden für alle Zeitreihen mit sieben und mehr Datenpunkten berechnet. In die Trendberechnung werden dabei alle Datenpunkte der verfügbaren Zeitreihe einbezogen. Datenreihen, die über zu wenige Datenpunkte verfügen oder die auf unregelmäßigen und zeitlich weit auseinanderliegenden Erhebungen basieren, werden von der Trendberechnung ausgeschlossen.

Tabelle zur Erklärung der Symbole zur Beschreibung und Bewertung von Trends
Monitoringbericht 2015 Trendsymbole
Quelle: Umweltbundesamt

weiterführende Informationen:

Dokumente zum Download