Mobilitätserziehung

Drei Kinder gehen zusammen zu Fuß zur Schule, sie tragen Schulranzen auf dem Rücken.zum Vergrößern anklicken
Gemeinsam noch schöner: zu Fuß in die Schule gehen
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Die individuellen Mobilitätsgewohnheiten lassen sich häufig nicht mit dem Ziel einer nachhaltigen Entwicklung im Verkehrssektor vereinbaren. Für viele Bürgerinnen und Bürger ist die Benutzung des Autos selbstverständlich. Sie stellen die daraus resultierenden Ansprüche an die Gestaltung des öffentlichen Raumes und an das Verhalten aller im Verkehr nur selten in Frage.

Inhaltsverzeichnis

 

Einführung

Die Erfahrungen im Kindes- und Jugendalter prägen stark die Einstellungen zum Verkehr und zu den Verkehrsmitteln sowie das Verkehrsverhalten im Erwachsenenalter. Für Kinder und Jugendliche wird es jedoch zunehmend schwieriger, positive Erfahrungen beim zu Fuß gehen oder beim Radfahren zu sammeln. Der zunehmende Verkehr und eine wenig kindgerechte Stadt- und Verkehrsplanung schränken die Möglichkeiten für eine selbstständige, nicht-motorisierte Mobilität und des Spielens im öffentlichen Raum immer mehr ein.

Die derzeitige Verkehrserziehung richtet sich vor allem auf den Sicherheitsaspekt. Die gesundheitlichen Folgen der Verkehrsentwicklung wie Unfälle und Bewegungsarmut durch die Einschränkungen beim Spielen sowie die vom Straßenverkehr verursachte Schadstoff- und Lärmbelastung und der zunehmende Flächenverbrauch bleiben dabei häufig unberücksichtigt. Zukünftig sollte die Verkehrserziehung daher auch Beiträge zur Sozial-, Umwelt- und Gesundheitserziehung leisten.

 

Nachhaltige Mobilitätserziehung in der Schule

Die Erfahrungen im Kindesalter prägen das Verkehrsverhalten. Das Projekt „Nachhaltige Mobilitätserziehung” setzt daher bei den jüngsten Verkehrsteilnehmerinnen und Verkehrsteilnehmern an und zielt darauf ab, die Nutzung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln, wie dem Fahrrad, dem zu Fuß gehen, Bus und Bahn langfristig zu fördern. Im Vordergrund steht dabei, die selbständige Mobilität der Heranwachsenden bewusst zu stärken und die Begleitmobilität durch die Eltern deutlich zu verringern.

Der Beratungsleitfaden zeigt Beispiele für Unterrichts- und Projektideen:

  • Angebot des Öffentlichen Verkehrs kennen lernen
  • Schulwege untersuchen
  • Angebot von sicheren Fahrradabstellanlagen schaffen
  • Beteiligung an der Verkehrsplanung im Stadtteil
  • Klassenausflüge mit Rad, Bus und Bahn organisieren
  • Mobilitätsverhalten der Schüler/-innen und Lehrer/-innen untersuchen
  • Busse und Bahnen durch Rallyes spielerisch „erlernen“
  • Fahrradwerkstatt einrichten.
 

Auf Kinderfüßen durch die Welt

Im Vorfeld des Weltgipfels für Nachhaltige Entwicklung „Rio +10“ starteten das Klima-Bündnis und der VCD im Sommer 2002 die Kampagne "Auf Kinderfüßen durch die Welt". Kinder im Alter von 4 bis 10 Jahren lernten dabei spielerisch etwas über den Zusammenhang von Klimawandel, Verkehr und eigenem Verhalten. Ziel der Aktion war es, bei den Kindergarten- und Grundschulkindern und deren Eltern das Bewusstsein für umweltschonende Fortbewegung zu fördern und diese im Alltag dauerhaft zu verankern.

Für eine erfolgreiche Mobilitätserziehung bedarf es daher auch eines entsprechenden Umfeldes für die Kinder. Eltern, Lehrer/innen, Politiker/innen und Kommunen müssen in das Konzept mit einbezogen werden, um die Wege der Kinder sicherer zu machen. Denn nur so können sie eine selbständige Mobilität entwickeln und sind nicht mehr auf die permanente Begleitung durch Erwachsene angewiesen. Die Kinder erlernen für ihre Zukunft einen verantwortungsvollen und bewussten Umgang mit Mobilität , indem sie sich kritisch mit den bestehenden Verkehrsverhältnissen auseinandersetzen. Es geht um das Kennenlernen nachhaltiger Fortbewegungsmöglichkeiten, das Anbahnen einer „reflektierten Verkehrsmittelwahl“ und um die Vermittlung entsprechender Kompetenzen zur Nutzung der Verkehrsmittel des Umweltverbundes (zu Fuß, Rad, Bus und Bahn).

In der Zeit von Juni bis August 2002 machten sich 30 000 Kindergarten- und Grundschulkinder aus ganz Deutschland symbolisch auf den Weg zum Weltgipfel nach Johannesburg und legten 155.922 Grüne Meilen zurück. Mit viel Spaß und Bewegung erkundeten sie eine Woche lang ihre Alltagswege und behandelten dabei spielerisch das Thema nachhaltige Mobilität. Sie erlebten, wie mobil sie auf leisen Schuhsohlen oder sausenden Rollerreifen sind und erfuhren, dass sie damit gleichzeitig das Weltklima schonen.

Die im Rahmen der Kampagne erstellten Materialien zeigen auch nach deren Abschluss konkrete Handlungsmöglichkeiten für Eltern, Lehrer/innen und Erzieher/innen auf und ermöglichen darüber hinaus das Fortsetzen der Kampagne auf verschiedenen Ebenen: Im Jahr 2003 folgte „ZOOM – Kids on the Move“ als europaweite Variante, 2005 führte Schleswig-Holstein eine landeseigenen Kindermeilenkampagne durch und auch in diesem Jahr lädt das Klimabündnis wieder zum Meilen-Sammeln ein.

 

Eine Kampagne für mehr Nachhaltigkeit und Effizienz durch betriebliches Mobilitätsmanagement

Die von Unternehmen hervorgerufenen Umweltbelastungen sind zu einem hohen Anteil auf den betrieblich bedingten Verkehr zurückzuführen. Einen großen Anteil hier dran haben die Arbeitswege der Beschäftigten und wie sie diese bewältigen. Weit mehr als die Hälfte der Erwerbstätigen nutzen den Pkw für den Weg zur Arbeit und verstärken so die kommunalen Verkehrsprobleme.

Mobilitätsmanagement bietet sich in dieser Situation, wo althergebrachte Lösungen, wie neue Straßen und Parklätze, nicht nur in Städten versagen, als ein zeitgemäßes Instrument an, um neue Potentiale für die umweltfreundliche Abwicklung von Verkehrsströmen zu erschließen.

Das Klima-Bündnis entwickelte die Kampagne „Clever mobil und fit zur Arbeit” als Beitrag zur Europäischen Woche der Mobilität (16. – 22. September 2005). Sie macht die Vorteile des betrieblichen Mobilitätsmanagements für Betriebe und ihre Belegschaften besser nutzbar. Die am Einstieg interessierten Unternehmen und Kommunen erhalten im Rahmen der Kampagne umfangreiche Unterstützung und Informationen:

  • einen Aktionskoffer mit umfangreichen Materialien
  • 1-Tages-Vorort-Mobilitätsberatungen
  • Eine Aktionswoche oder ein Aktionstag des Betriebes
  • Vernetzung von Betrieben und Kommunen und die Vermittlung von Ergebnissen und Erfahrungen in Workshops oder Foren durch das Klima-Bündnis und seine Projekt-Partner
 

Mit Kindern unterwegs – ökologisch und entspannt

Mit Kindern unterwegs zu sein, ist oft eine besondere Herausforderung: im Alltag und auf Reisen. Passt der Kinderwagen in Bus und Bahn? Alles dabei - Wickeltasche, Teddy, Kinderroller? Was ist besser – Fahrradanhänger oder Kindersitz? Wohin mit dem ganzen Gepäck? Mit Kindern vergrößert sich der organisatorische und logistische Aufwand für Mobilität, die Zahl der Fahrten nimmt zu. Viele können sich die Bewältigung der Wege ohne Auto nicht vorstellen. Angesichts steigender Umweltanforderungen sowie hoher Kosten für Betrieb und Unterhalt eines Autos spielen Alternativen eine immer wichtigere Rolle. Viele Alltagswege lassen sich bereits heute mit Kindern umweltschonend, bequem und preisgünstig mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. Ebenso lassen sich viele Freizeit- und Reiseziele mit dem Fahrrad oder der Bahn erreichen. Das entlastet die Umwelt und die Erholung kann schon bei der Reise beginnen: keine Staus, keine überfüllten Rastplätze, keine quengelnden Kinder auf der Rückbank. Und wenn einmal ein Auto benötigt wird, dann sind Car-Sharing oder das Mieten von Autos eine gute Alternative.

Doch häufig fehlt das Wissen oder Alternativen werden als zu kompliziert oder teuer wahrgenommen. Auf der anderen Seite gibt es die klassische Familie, die gemeinsam unterwegs ist, immer seltener. Kinder sind mit Großeltern unterwegs, mit der Tagesmutter, mit Freunden. In dem Projekt des Verkehrsclub Deutschland (VCD) werden daher nicht nur Familien und Familienangehörige, sondern alle, die mit Kindern unterwegs sind, über umweltschonende Mobilitätsmöglichkeiten informiert und beraten. Informationen und Tipps zu täglichen Wegen aber auch Reisen mit Kindern sowie gute Beispiele wurden gesammelt und in einer Verbraucherbroschüre und im Internet aufbereitet. Das ganze steht unter dem Motto: Reisen mit Kindern kann umweltschonend, entspannt und günstig sein.

Und so kann es gehen: Vater Paul hat mit Kollegen eine Fahrgemeinschaft ins Büro organisiert, Lukas kommt mit dem „Laufbus“ zur Schule und in den Urlaub fährt die ganze Familie mit der Bahn. Die im Rahmen des vom UBA geförderten Projekts entwickelte Broschüre des VCD zeigt, wie man als Familie auch ohne eigenes Auto umweltschonend und entspannt unterwegs sein kann.

  • Materialien

    Kindermeilenkampagne

  • Ansprechpartner

    Umweltbundesamt - Umwelt und Verkehr
    Maja Zarske: maja.zarske[at]uba.de

    Klimabündnis / Alianza del Clima e.V.
    www.klimabuendnis.org

    Verkehrsclub Deutschland e.V. - VCD
    www.verkehrsclub-deutschland.de

  • Materialien

    Kampagne Clever Mobil

  • Ansprechpartner

    Umweltbundesamt - Umwelt und Verkehr
    Maja Zarske: maja.zarske[at]uba.de

    Klimabündnis e.V.
    Edmund Flösser: e.floesser[at]klimabuendnis.org

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 Kinder  Mobilität  Verkehr  Autoverkehr  Bildung  Erziehung