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Letzte Änderung: 21.11.2007
Seit Anfang August dieses Jahres häufen sich Pressemitteilungen, Fernsehinterviews, Internet-Foren-Beiträge und dergleichen, die eine symptomatische Behandlung des Feinstaubproblems mittels patentierter Staubfangmatten aus Moos einer Emissionsminderung an der Quelle vorziehen wollen. Als „Praxistest“ wurde der Mittelstreifen der Autobahn A 562 (Südbrücke Bonn) auf 150 Meter Länge mit den Moosmatten belegt. Der Praxistest beschränkt sich auf Handhabbarkeit, ein Monitoring der Feinstaubabscheidung ist an der Stelle nicht vorgesehen.
Inzwischen gehen im Umweltbundesamt zahlreiche Anfragen von kommunalen Vertretern, aber auch von Bürgerinnen und Bürgern, ein, die diesem, wie sie meinen, modernen Biotechnologieverfahren meist positiv gegenüberstehen. Häufig wird dabei die Meinung vertreten, dadurch wären einschneidende Maßnahmen der Luftreinhalteplanung wie Umweltzonen, Dieselpartikelfilter oder Durchfahrtsverbote entbehrlich.
Das Umweltbundesamt hält bereits den Ansatz des Moosmattenverfahrens - die Symptombekämpfung - für kontraproduktiv. Mit Fangmatten, aus welchem Pflanzenmaterial auch immer, kann die Feinstauberzeugung weder vermieden noch unterbunden werden. Einmal freigesetzter oder aus Vorläufersubstanzen sekundär gebildeter Staub kann nachträglich nicht in nennenswertem Umfang „eingefangen“ werden. Die Ursachenbekämpfung muss daher eindeutig den Vorrang haben; der Feinstaub muss an der Quelle seiner Entstehung gemindert werden.
Aussagen, nach denen es bislang nicht gelungen sei, die Feinstaubbelastung zu reduzieren, sind grundlegend falsch (s. z.B. Mit Moosmatten gegen Feinstäube (DOC / 28 KB)). Sehr wohl lassen sich durch umfassende Emissionsminderungen der Primärstäube sowie der Vorläuferstoffe der Sekundärstäube Immissionsminderungen erzielen. Dies ist sowohl durch Modellrechnungen als auch durch Messungen verifiziert.
Die Befürworter des Einsatzes von Moosmatten stellen im Gegensatz dazu lediglich Behauptungen hinsichtlich der Abscheidewirksamkeit auf. Verifizierende Berichte fehlen genauso wie die Betrachtung der Feinstaubbilanz an den potenziellen Einsatzorten. Die Ergebnisse der Laborversuche der Universität Bonn können nicht auf reale Verhältnisse übertragen werden, weil sie unter Bedingungen gewonnen wurden, die für die freie Atmosphäre nicht repräsentativ sind.
Feinstaub sedimentiert im Unterschied zu groben Stäuben sehr langsam. Pflanzenmatten jeglicher Art können daher eher die Grobstaubfraktion des Schwebstaubs (etwa ab 10 bis 70 µm Partikeldurchmesser) einfangen.
Hinzu kommt, dass die Moosmatten nur passiv, d.h. ohne Energieeinsatz, wirken sollen. Passivsammler kommen für Abscheider, die eine vorgegebene nachprüfbare Wirkung erbringen sollen, nicht in Frage. Ein Blick in die Abscheidetechnik bei industriellen Staubemittenten zeigt, dass niedrige Emissions-Konzentrationen bei feinkörnigen Stäuben – reingasseitig in der Größenordnung von 5 bis 10 mg/m³ – besonders schwierig und energieintensiv zu erreichen sind. Es ist daher nicht zu erwarten, dass selbst die aus der Luftreinhaltung bekannten hohen Immissionskonzentrationen um 100 µg/m³, die 100-fach niedriger sind als die vorgenannte Emissionskonzentration, „passiv“ effizient eingefangen werden können.