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Letzte Änderung: 10.08.2010
Die
Frage, ob der Mensch das globale bzw. regionale Klima insbesondere
durch die zusätzlichen Emissionen von Treibhausgasen verändert
(anthropogener Treibhauseffekt), wurde lange Zeit sowohl wissenschaftlich
als auch in der Öffentlichkeit intensiv diskutiert.
Inzwischen besteht wissenschaftlicher Konsens darüber, dass
der Mensch einen wesentlichen Anteil an den in den letzten Jahrzehnten
beobachteten globalen Klimaänderungen hat.
Die im Auftrag des Umweltbundesamtes durchgeführte Studie
zum Thema „Statistische Analyse zur Früherkennung globaler
und regionaler Klimaänderungen aufgrund des anthropogenen Treibhauseffektes“,
durchgeführt vom Institut für Meteorologie und Geophysik
an der Universität Frankfurt/Main brachte einen deutlichen
Erkenntnisgewinn zu diesem Thema. Hier wurde untersucht, inwieweit
ein anthropogener Einfluss bei ausgewählten Klimaparametern
(u.a. Temperatur, Niederschlag, Luftdruck) in unterschiedlichen
Skalenbereichen (global, Europa, Deutschland) erkennbar ist.
Im Unterschied zu vielen vorherigen Untersuchungen, die überwiegend
auf der Basis von Klimamodellen erfolgten, wurde in diesem Vorhaben
eine empirisch-statistische Methode gewählt, die regionale
Besonderheiten und die potentiellen Einflussmechanismen besser berücksichtigt.
Grundlage der Untersuchungen waren lange Beobachtungsreihen aus
den letzten 100 - 200 Jahren verschiedener räumlicher Skalenbereichen
(global, Europa und Deutschland).
Mit der hier verwendeten Methode lässt sich das anthropogene Treibhaussignal in den Beobachtungsdaten detektieren. Je nach Klimaparameter und räumlichen Skalenbereichen wird das Klimasignal mit unterschiedlicher Wahrscheinlichkeit identifiziert. Es zeigt sich, dass bei Berücksichtigung aller potentieller Einflussgrößen auf das Klima, sowohl die erklärte Gesamtvarianz der untersuchten Klimaparameter als auch der Einfluss der anthropogenen Treibhausgase (anthropogenes Signal) in der großräumigen Skala (global) am größten ist.
Bei der Reihe der globalen Mitteltemperatur können fast 80% der Gesamtvarianz durch potentielle Einflussgrößen erklärt werden. Dabei werden 60% allein auf den Einfluss anthropogener Treibhausgase und 20 % auf die Summe der restlichen Einflüsse zurückgeführt. Die Untersuchungen belegen eine signifikante Klimaänderung (mit 99% Wahrscheinlichkeit), dabei ist auf der globalen Skala das anthropogene Treibhaussignal mit Abstand am bedeutendsten
Link zum Film: Klimafaktor Mensch - Film über ein Forschungsprojekt der Uni Frankfurt
Die Langfassung des Abschlußberichts zum Forschungsvorhaben ist in der Bibliothek des Umweltbundesamtes unter der Kennnummer UBA-FB 000035 auszuleihen.
In den vergangenen drei Jahrzehnten wurde der Einfluss des Menschen
auf unser Klima besonders deutlich. In dieser Zeit hat sich die
Erwärmung der Erdatmosphäre gegenüber zurückliegenden
Jahrzehnten durch die weiterhin ungebremste Freisetzung von Treibhausgasen
deutlich verschärft.
Die Temperatur stieg in den vergangenen 100 Jahren in Deutschland
um 0,8 °C an.
Ob auch die Extremwerte in Deutschland und Europa in Intensität
und Häufigkeit zugenommen haben, wurde in einer Studie des
Instituts für Atmosphäre und Umwelt der Universität
Frankfurt/Main für die letzten 50 -100 Jahre mit statistischen
Methoden untersucht. Verbesserte Kenntnisse über extreme Wettersituationen
(wie Hitzewellen, Hochwässer u.ä.) sind wegen der ökologischen
und sozioökonomischen Auswirkungen dieser Ereignisse und den
Risiken von besonderem Interesse.
Die sintflutartigen Regenfälle des Sommers 2005 haben dies
wieder einmal eindrucksvoll bewiesen.
Die Klimaänderungen des 20. Jahrhunderts haben deutliche Auswirkungen auch auf die extremen Wetterereignissen. Diese zeigen jahreszeitliche und regionale Unterschiede. In der Tendenz wird es in Deutschland wärmer und es regnet mehr.
Die Temperatur ist im Mittel gestiegen. Dies führt - mit Ausnahme des Herbstes - teilweise zu einer deutlich erhöhten Wahrscheinlichkeit für besonders warme monatliche und saisonale Temperaturmittelwerte. Die Wahrscheinlichkeit für extrem kalte monatliche und saisonale Mittelwerte nahm ab. In allen Jahreszeiten wurden extrem warme Tage und weniger kalte Tage wahrscheinlicher, ganz besonders in Süddeutschland. Auffällig ist auch die steigende Zahl extrem heißer Sommer.

Beispiel für eine zeitabhängige Wahrscheinlichkeitsdichtefunktion (PDF) der Augustmittel der Tagesmaximum-Temperatur an der Station Karlsruhe 1901-2000 für vier unterschiedliche Jahre
Die Niederschläge zeigen regional eine deutlichere Differenzierung: Relativ trockene Monate sind seltener geworden. Extreme Starkniederschläge treten im Osten Deutschlands seltener, im Westen dagegen häufiger auf. Daraus ergibt sich insgesamt für den Osten ein Trend zu weniger extremen Monatsniederschlagssummen, im Westen zu höheren Niederschlagssummen. Diese Entwicklung zeigt sich auch bei den Tagesdaten. Es existieren ausgeprägte jahreszeitliche Unterschiede. Im Winter fallen monatlich und saisonal mehr Niederschläge. Auch hat die Variabilität zugenommen. Dies führt verbreitet zu einer deutlichen Zunahme von extrem hohen Niederschlagssummen im Winter. Der Sommer weist einen Trend zu verringerter Variabilität auf. Dadurch sind extrem hohe monatliche und saisonale Niederschlagssummen im Sommer in weiten Teilen Mitteleuropas seltener geworden. Die winterlichen Starkniederschläge und die Sommertrockenheit, beide mit zunehmender Tendenz, stellen beim Niederschlag die größten Risiken dar.

Trend der Überschreitungswahrscheinlichkeiten des oberen 10%-Perzentils
der Tagessummen des Niederschlags (1951 – 2000);
rot - signifikant positiver Trend), blau – signifikant negativer
Trend, (jeweils über 95%)
Das Forschungsprojekt wurde im Auftrag des Bundesumweltministeriums
und des Umweltbundesamtes vom Institut für Atmosphäre
und Umwelt der Universität Frankfurt/Main unter Leitung von
Prof. Dr. Christian-D. Schönwiese durchgeführt.
Der Abschlußbericht ist als Langfassung
auf Deutscher und als Kurzfassung auf Deutscher und englischer
Sprache als pdf-Datei abrufbar.