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Letzte Änderung: 18.01.2012
Das Beratungshilfeprogramm des BMU unterstützt derzeit den Aufbau eines Nationalparksystems in Turkmenistan. Die Michael Succow Stiftung führt das Projekt in Zusammenarbeit mit dem turkmenischen Umweltministerium durch. Erster Schritt ist die Erhebung relevanter landschaftsökologischer Daten. Darauf folgt die Formulierung von Anforderungen, denen das turkmenische Nationalparkprogramm gerecht werden muss. Am Beispiel zweier Naturschutzgebiete sowjetischer Prägung (Sapovedniks) erstellen die Projektpartner dann ein Konzept zur Errichtung von Nationalparks in Turkmenistan. Um die Akzeptanz gegenüber den Nationalparks zu fördern, erfährt die Bevölkerung bereits während der Konzeptionsphase in projektbegleitenden Workshops von den Inhalten des Nationalparkprogramms.
Das Projekt unterstützt die Ziele des Übereinkommens über die Biologische Vielfalt (CBD: Convention on Biological Diversity). Ein Schwerpunkt der neunten Vertragsstaatenkonferenz (9. CBD-COP), die vom 19. bis zum 30. Mai 2008 in Bonn stattfindet, werden die Verhandlungen über die Einrichtung eines weltweiten Schutzgebietsnetzes sein.
Im Beratungshilfeprojekt wird die Succow Stiftung konkret folgende Arbeitsschritte durchführen:

Grafik vergrößern (JPG / 532 KB) Der zentralasiatische Staat Turkmenistan ist geprägt durch eine kontrastreiche Geographie. 80 Prozent des Landes sind von Wüsten und Halbwüsten bedeckt. Mehrere Gebirgszüge erheben sich auf bis zu 3000 m, und die Länge der turkmenischen Küste entlang des Kaspischen Meeres beträgt 1800 km. Das Klima zeichnet sich durch kalte Winter und sehr heiße, trockene Sommer aus. Turkmenistan ist daher reich an vielfältiger Natur und biologischer Vielfalt.
In Überschwemmungsgebieten der Flussläufe sind z.B. die für zentralasiatische, winterkalte Wüsten typischen Tugai-Auen beheimatet. Die baumartigen Leitarten des Tugai bilden sehr tiefe Wurzeln aus, die bis an das Grundwasser heranreichen und so auch in Trockenzeiten überleben können. Die Berg-Ökosysteme Turkmenistans zeichnen sich durch eine Vielzahl vor allem ephemerer Blütenpflanzen aus. Offene Wälder bildet z.B. der turkmenische Wacholder. In einigen Gebieten lassen sich gelegentlich noch Leoparden beobachten. Aufgrund der Geographie und der klimatischen Besonderheiten der Region erwachsen jedoch auch Probleme: die Desertifikation aufgrund landwirtschaftlicher Übernutzung der Steppen und als Folge des globalen Klimawandels. Zudem verstärkt die Rodung der offenen Waldlandschaften für Feuerholz und Weideflächen die Bodenerosion in den Bergregionen.
Der Ökosystemschutz in staatlichen Schutzgebieten ist ein Beitrag zur Minderung der Folgen des Klimawandels. Denn die Waldökosysteme der Steppen und Bergregionen spielen eine wichtige Rolle dabei, die voranschreitende Wüstenausbreitung und Landdegradierung einzudämmen. Ein weiterer Aspekt ist die Attraktivität von Nationalparks. „Die neue turkmenische Regierung möchte ihr Land international öffnen. Nationalparke sind ein Weg, um einen internationalen Tourismus verbunden mit der Regionalentwicklung zu fördern. Das hat die Regierung mit dem Bekenntnis für ein Nationalparkprogramm in Turkmenistan eingeleitet”, so die Succow Stiftung.
Im nationalen Bericht zum Zustand der Umwelt stellte die turkmenische Regierung 1999 bereits Maßnahmen zur Verbesserung der Situation der Umwelt vor, darunter die Eindämmung der illegalen Jagd und ein Verbot der Brandrodung von Tugai-Auen. Der Ausbau des Schutzgebietssystems, das bisher ca. 4 Prozent der Landesfläche umfasst, gehört ebenfalls dazu. Turkmenistan hat sich zum Ziel gesetzt, diesen Flächenanteil bis 2009 auf 6 Prozent zu erhöhen. Das Beratungshilfeprojekt trägt dazu bei, dieses Ziel zu erreichen und die Schutzgebiete auch langfristig zu etablieren. Das Projekt gibt zudem Impulse für die noch junge Umweltschutzgesetzgebung in Turkmenistan.

Grafik vergrößern (JPG / 851 KB) Turkmenistan unterzeichnete das Übereinkommen über die Biologische Vielfalt am 18. Juni 1996. Die CBD fordert die Vertragsstaaten auf, die technische und wissenschaftliche Zusammenarbeit, insbesondere mit Entwicklungsländern, zur Verwirklichung der Ziele der Konvention zu fördern, zu unterstützen und zu entwickeln. Durch das Beratungshilfevorhaben kommt Deutschland als Unterzeichner dieser Verpflichtung nach und dient so der Umsetzung der Konvention.
Das Management dieses Beratungshilfevorhabens liegt beim Fachgebiet Internationaler Umweltschutz, I 1.2L, fachlich begleitet wird es vom Bundesamt für Naturschutz (BfN).
Alle Fotos zu diesem Artikel stammen von W. Wucherer, Michael Succow Stiftung.