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Internationaler Umweltschutz, Antarktis

Großreinemachen am Baikalsee

Letzte Änderung: 21.10.2011

Deutsch-russisches Beratungshilfeprojekt unterstützt die kommunale Abfallwirtschaft auf der Baikalinsel Olchon

Schamanenfelsen - BaikalseeIn Liedern wird die Schönheit des Baikalsees im fernen Osten Russlands besungen, in zahlreichen Geschichten seine Einzigartigkeit beschrieben und bewundert: Der Baikalsee entstand vor etwa 25 Millionen Jahren und ist damit der älteste Süßwassersee der Erde. Sein Wasservolumen entspricht 20% der weltweiten Süßwasserreserven. Seine Natur ist von einer Vielzahl endemischerendemisch = nur dort vorkommend Arten geprägt. Prominentestes Beispiel ist sicherlich die Baikalrobbe, die einzige Robbenart, die ausschließlich im Süßwasser lebt. Die UNESCO erklärte das Gebiet 1996 zum Weltnaturerbe.

Mit dieser naturräumlichen Ausstattung ist der Baikalsee ein beliebtes Erholungsgebiet für in- und ausländische Touristen. Eines der schönsten Ausflugs- und Urlaubsgebiete ist die Baikalinsel Olchon,  250 km entfernt vom industriellen Ballungsraum mit den Städten Irkutsk und Angarsk an der Westseite des Baikal. Im Sommer ist sie durch eine Fährverbindung mit dem Festland verbunden. Ganzjährig leben auf Olchon etwa 1.500 Menschen, in den Sommermonaten Juni, Juli und August deutlich mehr. Der Tourismus der Sommermonate ist für die Menschen auf Olchon der wichtigste Wirtschaftszweig.

Wilde Deponien am Baikalsee

Illegale Müllkippe Allerdings hat Olchon ein (häufig sichtbares) Problem: Müll. Die ungeordnete Ablagerung von Siedlungsabfällen stellt ein großes Umweltproblem dar. Fehlende Abfalltrennung und unregelmäßige Müllabfuhren infolge ungenügender Finanzierung führen zur illegalen „Selbstentsorgung”, so dass Buchten, Strände, Erholungsorte und Siedlungen auf Olchon zum Teil wie Müllplätze aussehen. Die großflächigen, wilden Deponien verringern nicht nur die touristische Attraktivität der Insel, sondern verunreinigen auch Boden, Luft und Wasser. In einem zweijährigen Beratungshilfeprojekt haben nun die Universität Duisburg-Essen und die TU Irkutsk gemeinsam mit verschiedenen lokalen Akteuren diese Situation verbessert.

Als Planungsgrundlage für ein Entsorgungskonzept haben Studenten beider Universitäten die auf der Insel Olchon anfallende Abfallmenge und die Abfallzusammensetzung bestimmt. Dabei ergaben ihre Analysen ungewöhnlich hohe Anteile an verwertbaren Fraktionen. Die gemeinsam mit der TU Irkutsk und im Dialog mit den zuständigen Behörden entwickelte Abfallwirtschaftsstrategie für Olchon sieht daher die Einführung einer geregelten Abfallsammlung und –abfuhr vor, zudem die Getrenntsammlung von Glas, Metall und Kunststoff, eine Abtrennung und Kompostierung biogener Abfälle auf der Insel sowie die Einrichtung von Zwischenlagern. So kann sich das Volumen der zu deponierenden Abfälle um mehr als 50% verringern.

Sommer-Semester mal anders

Studenten führen eine Müllanalyse durchIn einem Sommerpraktikum säuberten russische und deutsche Studenten gemeinsam einen Teil der Insel, trennten die gesammelten Abfälle nach Wertstoffen und legten Sammelstellen an. So entstand ein kleiner Wertstoffhof, der es nun erlaubt, die unterschiedlichen Wertstofffraktionen im Abfall getrennt zu sammeln und für eine Wiederverwertung nutzbar zu machen.
In einem Businessplan zeigte die Universität Duisburg-Essen verschiedene Finanzierungsmodelle für den kommunalen Eigenbetrieb auf, die die dauerhaft geregelte Abfuhr aller Abfälle sicher stellen können. Diese Maßnahmen müssen nicht viel Geld kosten und können über eine relativ geringe Abgabe von den Touristen und/oder Einwohnern gedeckt werden.
Für weitere Beratung und technische Unterstützung konnten zwei deutsche Unternehmen gewonnen werden. Die Firma SSI Schäfer beriet über die Möglichkeiten der Getrenntsammlung auf der Insel Olchon und bot an, einen Pilotversuch zur Getrenntsammlung verschiedener Abfallarten in Irkutsk zu unterstützen. Das Unternehmen icTP bot russischen Unternehmen an, sie bei der Verwertung von Plastikabfällen zu beraten. Trotz dieser beiden guten Beispiele gestaltete sich die Suche nach deutschen Unternehmen insgesamt jedoch schwierig. Mit Hinweis auf die große Entfernung der Baikalregion lehnten Firmen aus der Glasrecycling- und der Altpapierbranche ein Engagement bisher ab.

Zusammenarbeit vor Ort

Das Projekt bezog verschiedene Akteure auf Olchon mit ein. Besonders hervorzuheben sind dabei Umweltbildung und Öffentlichkeitsarbeit.
Um die Umweltbildung zu stärken, erarbeiteten die Projektteilnehmer für den Unterricht in den Jahrgängen eins bis elf der einzigen Mittelschule auf Olchon Unterrichtsmaterialien. Die Schüler führten eigene Projekte zum Thema „Müll” durch. Dieses Engagement trug erheblich dazu bei, dass die Bevölkerung eine Abfallsammelaktion am Projektende aktiv unterstützte.
Im Rahmen der Öffentlichkeitsarbeit wurden Publikationen erstellt, die Touristen und Bevölkerung über die umweltgerechte Abfallentsorgung informieren.
Sehr informativ ist auch die Darstellung des Projekts auf der Internetseite www.baikal-waste.eu in den Sprachen Deutsch, Russisch und Englisch.

Der Universität Duisburg Essen gelang es mit Hilfe der Projektpartner in Irkutsk, die politischen Entscheidungsträger in das Projekt mit einzubeziehen. Das Interesse und die Bereitschaft der Verwaltung, sich stärker als bisher für ein zeitgerechtes und umweltfreundliches Abfallwirtschaftssystem einzusetzen, ist erheblich gestiegen und hat auch in der Region der Gebietshauptstadt Irkutsk Anklang gefunden. Die Stadtverwaltung von Irkutsk führt derzeit ein Pilotvorhaben zur Getrenntsammlung von Abfällen in einem Stadtteil durch.

Blick nach vorn

Nach Projektende liegt es nun vor allem in den Händen der Verwaltung der Insel Olchon sowie des Gouverneursamtes der Region Irkutsk, die Projektergebnisse sinnvoll umzusetzen. Wichtigste Fragenstellungen sind die Finanzierung einer regelmäßigen Abfallentsorgung, die Verbesserung der Voraussetzungen für Recycling z.B. durch Getrennterfassung und die Sicherung der zentralen Deponie, die derzeit nicht umweltgerecht betrieben wird.
Das Projekt zeigt, wie man mit zielgerichteten Maßnahmen, den richtigen Ansprechpartnern und einem guten Konzept Aufmerksamkeit für Umweltprobleme schaffen kann. Deutsches Know-how und deutsche Technologie in Fragen des technischen Umweltschutzes werden wertgeschätzt. Die Umsetzung von Konzepten zur Lösung von Umweltproblemen bleibt aber immer die Aufgabe der örtlichen Verwaltungen und der dort lebenden Menschen. Sie ins Boot zu holen und zu überzeugen ist eine wichtige Aufgabe, die das Beratungshilfeprogramm aktiv unterstützt.

Dieses Projekt wurde vom UBA-Fachgebiet III 3.3 – Abfalltechnik fachlich begleitet.

Alle Fotos zu diesem Artikel stammen von www.baikal-waste.eu.

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