Integrierter Pflanzenschutz spart Arbeit und schont die Umwelt

Marienkäferlarve auf Blattzum Vergrößern anklicken
Marienkäferlarve

Leider werden Marienkäferlarven oft selbst für Schädlinge gehalten, dabei gehören sie zu den effektivsten Blattlausvertilgern unter den Insekten.

Quelle: Arnaud Durrieu / Fotolia.com

FAQ

  • Sind Lockstofffallen gegen Apfelwickler für Menschen und Vögel gefährlich?

    Nein. Sowohl die eingesetzten Sexuallockstoffe als auch der für die Klebeflächen verwendete Leim sind unbedenklich für Mensch und Umwelt. Der Duftstoff lockt ausschließlich Apfelwicklermännchen an. Tipp: Vorteilhaft sind grün gefärbte Fallen, da andere Farben, wie z. B. weiß, nützliche Insekten anziehen können.Nützliche Praxisinformationen zu Methoden des Integrierten Pflanzenschutzes finden Sie a… weiterlesen

  • Stimmt es, dass man Unkrautvernichter nicht auf Gartenwegen, Terrassen und Garageneinfahrten anwenden darf?

    Ja. Herbizide sind auf befestigten oder versiegelten Flächen grundsätzlich verboten und nur in Ausnahmefällen für professionelle Anwender genehmigungsfähig! Zwar dürfen Herbizide wie alle Pflanzenschutzmittel eigentlich nur nach eingehender Beratung verkauft werden, zu der auch Hinweise auf rechtliche Rahmenbedingungen zählen. Tatsächlich finden anstelle von Beratungen jedoch häufig eher Verkaufsg… weiterlesen

  • Welcher Unkrautvernichter hilft langfristig gegen Moos im Rasen?

    Wer sich einen dauerhaft moosfreien Rasen wünscht, schafft dies nur durch eine Kombination von passender Rasenmischung, einer guten Bodenvorbereitung und regelmäßiger Pflege. Häufig sind auch Bodenverdichtungen die Ursache für eine Besiedelung mit Moos. Herbizide beseitigen das Moos nur kurzfristig, es wird immer wiederkehren, solange die Ursachen weiterbestehen.Nützliche Praxisinformationen zur R… weiterlesen

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Inhaltsverzeichnis

 

1x1 des Integrierten Pflanzenschutzes

 

Gewusst wie

Es gibt Begriffe, die klingen komplizierter, als sie sind. Der "Integrierte Pflanzenschutz" ist so ein Begriff. Denn was er besagt, ist vereinfacht ausgedrückt: Wer Pflanzen anbaut, sollte dafür sorgen, dass diese unter optimalen Bedingungen wachsen können. Wo dennoch Probleme auftreten, etwa durch Unkräuter, Krankheiten oder Schädlinge, sollte man diesen vorzugsweise mithilfe nicht-chemischer Pflanzenschutzmaßnahmen entgegentreten. Chemische Pflanzenschutzmittel werden dadurch häufig überflüssig und sollten nur als absolute Notfallmaßnahme eingesetzt werden. Falls chemische Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden müssen, empfiehlt es sich, vergleichsweise umweltschonende Wirkstoffe zu verwenden.

Integrierter Pflanzenschutz lässt sich auch im Hobbygarten einfach und erfolgreich umsetzen, wenn man sich an folgenden Punkten orientiert:

Zierpflanzen gegen Schneckenprobleme
Diese Zierpflanzen kennen keine Schneckenprobleme.
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016
 

Zum Standort passende Pflanzen entwickeln sich optimal

In der Natur ist jede Pflanze auf bestimmte Bedingungen spezialisiert. Dadurch haben einige Pflanzenarten sogar Extremstandorte wie Hochgebirge, Sumpfgebiete und Wüsten erobert. Der Garten hingegen ist ein künstliches Biotop, in dem Pflanzen in erster Linie nach ästhetischen Aspekten und ihrem Nutzen für den Menschen ausgewählt und angepflanzt werden. Es lohnt sich aber, nicht nur nach diesem Kriterium zu gehen, denn die Pflanzen können sich nur dann optimal entwickeln, wenn sie zu den vorhandenen Lichtverhältnissen, der Bodenfeuchte und dem Nährstoffgehalt der Erde passen. Sonnenhungrige Pflanzen wie Rosen, Tomaten oder Lavendel beispielsweise kümmern im Schatten vor sich hin und werden außerdem anfälliger für Krankheiten und Schädlinge.

Ein gutes Beispiel für den unterschiedlichen Wasser- und Nährstoffbedarf ist die beliebte Kombination aus Rosen und Lavendel. Sie werden oft direkt nebeneinander gepflanzt, haben aber eigentlich ganz unterschiedliche Wünsche: Rosen sind echte Vielfraße und mögen nährstoffreichen, frischen Lehmboden. Lavendel ist hingegen sehr genügsam, benötigt aber durchlässigen Boden mit gutem Wasserabzug, da ansonsten die Wurzeln faulen können. Außerdem stehen Rosen gerne luftig. Rücken ihnen die Begleitpflanzen zu sehr auf den Leib, entsteht ein feuchtes Mikroklima und Pilzkrankheiten haben leichtes Spiel.

Eine gute Nachricht: Insbesondere bei den Bodenverhältnissen können Sie ein bisschen tricksen. Damit sandige Böden eine günstigere Struktur bekommen und Wasser und Nährstoffe besser speichern, können Sie Kompost einarbeiten. Schwere Böden, die schon bei geringer Nässe eine klebrige, leicht formbare Masse bilden, können Sie verbessern, indem Sie Kompost und reichlich Sand einarbeiten. Verwenden Sie allerdings nur sogenannten "gewaschenen" Sand, denn er besitzt kaum Feinanteile. Andernfalls würden die Feinanteile dafür sorgen, dass erneut ein sehr dichtes, schlecht belüftetes Substrat entsteht. Müssen Sie nur einzelnen Pflanzen wie dem Lavendel neben der Rose das Leben erleichtern, können Sie ins Pflanzloch einfach einige Handvoll Sand als Drainageschicht geben.

Fazit: Überlegen Sie zuerst, welche Bedingungen am jeweils zu bepflanzenden Platz herrschen. Suchen Sie dann Pflanzen passend zum Standort aus. Verbessern Sie vor dem Pflanzen gegebenenfalls den Boden mit Kompost und/oder Sand. Halten Sie sich zudem an die empfohlenen Pflanzabstände – auch wenn die Versuchung groß ist, beispielsweise Gemüse enger zu setzen. Anstelle des Ertrags steigt andernfalls vor allem das Risiko eines Befalls mit Pflanzenkrankheiten und -schädlingen.

 

Mit widerstandsfähigen Sorten haben Schädlinge und Krankheitserreger das Nachsehen

Bei vielen Pflanzenarten können Gartenfans zwischen zahlreichen Sorten wählen. Diese unterscheiden sich jedoch nicht nur im Aussehen oder ihrem Geschmack, sondern auch in der Widerstandsfähigkeit gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Wenn Sie sich von vornherein für resistente oder tolerante Sorten entscheiden, können Sie sich viel Ärger sparen. Übrigens: Robuste Sorten liegen im Trend, das haben längst auch die Züchter erkannt. Daher kommen immer mehr ebenso attraktive beziehungsweise wohlschmeckende wie gesunde Sorten auf den Markt. Sowohl bei den Tomaten und anderem Gemüse als auch beim Steinobst, Kernobst und Beerenobst stehen empfehlenswerte Sorten bereit. Auch Zierpflanzen werden seit einigen Jahren verstärkt im Hinblick auf ihre Widerstandskraft bewertet – bei den Rosen beispielsweise gibt es unter dem Gütesiegel "ADR-Rosen" ein riesiges Sortiment.

Der Arbeitskreis Staudensichtung testet aktuelle Staudensortimente an zurzeit 17 Sichtungsstandorten in Deutschland, Österreich und der Schweiz. Indem dieselben Arten und Sorten an mehreren Standorten gleichzeitig gepflanzt und beobachtet werden, wird schnell offensichtlich, welche Arten und Sorten unabhängig von den regional unterschiedlichen Bodenbedingungen und klimatischen Verhältnissen schön, robust und universell einsetzbar sind. In der Datenbank kann man die Ergebnisse der Sichtungen abrufen oder gezielt nach den am höchsten bewerteten Sorten suchen, beispielsweise von Purpurglöckchen (Heuchera), Sonnenbraut (Helenium) oder Katzenminze (Nepeta).

Insbesondere bei den Obstgehölzen spielt neben der Sorte, von der man Früchte ernten möchte, noch ein weiterer Faktor eine Rolle, nämlich die Eigenschaften der sogenannten Unterlage. Obstgehölze sind meist veredelt, bestehen also aus zwei Teilen: Der obere Teil stammt von der Fruchtsorte – also bei der Süßkirsche zum Beispiel von der Sorte 'Burlat'. Dieser Teil wird auf den Wurzelstock einer anderen Pflanzenart oder Sorte gesetzt und verwächst mit dieser Unterlage. Was merkwürdig klingt, hat einen guten Grund: Indem man diese oder jene Unterlage auswählt, kann man zum Beispiel beeinflussen, ob ein Baum künftig sehr schnell wächst und groß wird, oder eher langsam wächst und kleiner bleibt. 'Burlat' beispielsweise wächst recht stark, weshalb man sie gerne mit einer schwachwachsenden Unterlage kombiniert. Dadurch kann man sie besser beernten.

Schon das alleine ist sehr praktisch, doch durch das Veredeln lässt sich noch mehr steuern: Die Unterlagen GI-SEL-A 5 und GI-SEL-A 6 beispielsweise sind beide schwachwüchsig und wären daher gute Unterlagen für die Sorte 'Burlat'. Für welche man sich entscheidet, hängt vom eigenen Gartenboden ab: GI-SEL-A 5 ist für Böden mit guter Wasserhaltekraft besonders gut geeignet, während GI-SEL-A 6 auf durchlässigen sandigeren Böden gut gedeiht. Doch keine Angst, mit den Details müssen Sie sich nicht auseinandersetzen. Nennen Sie in der Baumschule einfach die Sorte, die Sie gerne pflanzen möchten, und beschreiben Sie, wie der Standort beschaffen ist, an dem der Baum wachsen soll. Das fachkundige Personal wird Ihnen dann eine entsprechende Sorten-Unterlagen-Kombination empfehlen.

 

Nur gesundes Saat- und Pflanzgut verwenden

Sehen Sie sich Pflanzen vor dem Kauf genau an: Sind auffällige Blattflecken zu sehen, finden sich bereits vereinzelte Blattläuse oder Eigelege auf den Blattunterseiten oder riecht die Erde unangenehm? Dann wählen Sie im Zweifelsfall besser ein anderes Exemplar. Achten Sie auch darauf, ob durch die Wasserabzugslöcher im Topf feine weiße Wurzeln zu sehen sind, denn Pflanzen mit einem gut durchwurzelten Ballen wachsen schneller an und sind dadurch robuster.

Zwiebeln und Knollen sollten fest und prall sein und weder Schimmel noch faule oder eingetrocknete Stellen aufweisen. Achtung: Informieren Sie sich vorher über die Pflanzenart, die Sie kaufen möchten – die Knollen der Winterlinge (Eranthis hyemalis) beispielsweise sind von Natur aus schwarz und schrumpelig. Bei Zwiebeln und Kartoffeln lohnt es sich, in speziell für diesen Zweck angebotene Steckzwiebeln und Saatkartoffeln zu investieren, da diese auf Krankheiten kontrolliert werden. Werden Exemplare aus dem Supermarkt oder aus eigener Ernte eingepflanzt, kann die Ernte aufgrund schon vorhandener Krankheitserreger deutlich geringer ausfallen. Bei Saatgut verhält es sich ähnlich: Von Tomaten beispielsweise, die von der Samtfleckenkrankheit befallen wurden, sollten Sie kein Saatgut gewinnen, da die Samen ebenfalls infiziert sind.

 

Eine Bodenuntersuchung ermöglicht bedarfsgerechtes Düngen

Pflanzen, die unter Nährstoffmangel leiden, kümmern und setzen nur wenige Blüten an. Sich entwickelnde Früchte sind zudem oft kürzer haltbar oder weisen charakteristische Schadsymptome auf, beispielsweise Tomaten mit Calciummangel. Ein Zuviel an Nährstoffen wirkt sich aber ebenfalls nachteilig aus: Überdüngte Pflanze entwickeln ein weiches, schwammiges Gewebe, wodurch Schädlinge und Krankheitserreger ein leichtes Spiel haben. Zudem können die Pflanzen manche Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, wenn ein Überangebot eines anderen Nährstoffs vorliegt. Es empfiehlt sich also, nur nach Bedarf zu düngen.

Wie es um die Nährstoffversorgung speziell in Ihrem Garten bestellt ist, erfahren Sie, wenn Sie alle drei bis fünf Jahre eine Bodenuntersuchung in einem Bodenlabor vornehmen lassen. Für den Hobbygarten sind vor allem folgende Informationen wichtig: pH-Wert, Kalkbedarf, Phosphor (angegeben als P2O5), Kalium (angegeben als K2O), Magnesium (Mg); über die Bestimmung des Humusgehalts des Bodens lässt sich zudem die Stickstoffversorgung ableiten. Einige Labors bieten Standardpakete für den Hobbygarten an, indem auch gleich noch die Bodenart ausgewiesen wird. Nicht immer enthalten, aber überaus empfehlenswert sind konkrete Düngeempfehlungen, die die Experten aus den Bodenlabors aus den Untersuchungsergebnissen ableiten. Zusammen kosten die angesprochenen Auskünfte im Schnitt zwischen 30 und 40 Euro.

Da Stauden, Rasengräser und Gemüsepflanzen unterschiedliche Ansprüche haben, sollten Sie Blumenbeete, Rasenflächen und Gemüsebeete jeweils gesondert untersuchen lassen. Der richtige Zeitpunkt dafür ist Februar/März – vor dem Düngen – oder im Herbst vor der Bodenbearbeitung. Genaue Anleitungen zur Probenentnahme erhalten Sie bei den Bodenlabors, bei den Gartenakademien der Länder sowie bei den Landwirtschaftlichen Untersuchungs- und Forschungsanstalten (LUFA).

Tipp: Für jede Untersuchung sind 10 bis 15 Proben notwendig, die anschließend gemischt werden. Sie können diese Proben prinzipiell mit einem Spaten entnehmen, dies ist aber insbesondere in eingewachsenen Beeten und in Rasenflächen denkbar ungünstig. Alternativ können Sie auf spezielle Handgeräte zur Bodenprobennahme zurückgreifen. Kleingartenvereine verleihen diese oft gegen eine kleine Gebühr an ihre Mitglieder, mit etwas Glück auch an Externe. Einige Bodenlabors verleihen die Handbohrstöcke bei Abholung kostenlos, oder versenden sie und berechnen lediglich die Versandkosten. Alternativ sind Bohrstöcke – oft direkt bei den Labors – für etwa 40 Euro zu haben.

Anwendungsfoto Bohrstock für Bodenuntersuchung
Entnahme einer Bodenprobe
Quelle: Beatrix Bieker-Royackers | www.greencommons.de | Entnahme einer Bodenprobe | http://creativecommons.org/licenses/by-nc-sa/3.0/de/
 

Kompostdüngung schließt den Naturkreislauf

In der Natur fallen Blätter, Blüten und Früchte zu Boden und verrotten, die enthaltenen Nährstoffe werden frei und stehen somit in der nächsten Saison erneut zur Verfügung. Im Hobbygarten werden Obst und Gemüse jedoch geerntet, Blumen geschnitten, der Rasen gemäht und Laub zusammengerecht, also Nährstoffe entzogen. Diesen Verlust gilt es durch Düngen wieder auszugleichen.

Der Düngebedarf ist je nach Jahreszeit und Pflanzenart zum Teil sehr unterschiedlich. Den höchsten Nährstoffbedarf haben die meisten Pflanzen im Frühjahr, wenn Blätter und Blüten neu gebildet werden müssen. Entsprechend ist im März/April ein guter Zeitpunkt zum Düngen. Kompost eignet sich dafür besonders gut, weil er seine Nährstoffe über einen längeren Zeitraum hinweg abgibt und zugleich die Bodenstruktur verbessert – also für eine gute Bodendurchlüftung sorgt und das Speichervermögen für Nährstoffe und Wasser optimiert. Wer keinen eigenen Komposter besitzt, kann das "schwarze Gold des Gärtners" oft beim Städtischen Kompostwerk erwerben – verhältnismäßig preisgünstig und zudem gütegesichert, also mit von Charge zu Charge nahezu gleichbleibenden Nährstoffwerten und frei von Krankheitserregern.

Als Faustregel gelten ungefähr zwei Liter Kompost pro Quadratmeter im Ziergarten und drei Liter für Rosen sowie auf Gemüsebeeten – verteilen Sie den Kompost gleichmäßig und arbeiten Sie ihn, soweit möglich, leicht in den Boden ein. Topfgärtner müssen meist etwas mehr düngen, da die Pflanzen ihre Wurzeln im Vergleich zu Freilandpflanzen nicht so weit ausbreiten und damit auch auf weniger Nährstoffdepots in der Erde zugreifen können. Insbesondere bei kleineren Pflanzgefäßen ist es meist schwierig, die ohnehin schon vollen Töpfe noch zusätzlich mit Kompost zu befüllen. Eine praktische Alternative ist Langzeitdünger. Es gibt ihn in Form von Granulat, das aufgestreut und möglichst etwas eingearbeitet wird, sowie als Stäbchen und Düngekegel, die zu Saisonbeginn einfach in die Erde gesteckt werden. Die Menge richtet sich stets nach der Topfgröße und ist auf der Packung angegeben. Wichtig zu wissen: Wie schnell die Nährstoffe bei Langzeitdüngern freigesetzt werden, hängt unter anderem von der Bodentemperatur und der Bodenfeuchte ab. Falls Topf- oder Kübelpflanzen kümmern und gelbe Blätter bekommen, und Sie eine Erkrankungen und Schädlingsbefall als Ursache ausschließen können, sollten Sie daher gegebenenfalls mit Flüssigdünger nachdüngen, indem Sie ihn ein- bis zweimal die Woche ins Gießwasser mischen.

Spezialdünger lohnen sich nur in wenigen Fällen: Zitruspflanzen leiden schnell unter Eisenmangel und bekommen dann hellgelbe Blätter mit grünen Blattrippen. Hier hilft ein Zitrusdünger, der eine Extra-Portion Eisen enthält. Auch für Moorbeetpflanzen wie Hortensien, Heidelbeeren und Rhododendron lohnt sich die Anschaffung eines Spezialdüngers: Diese Arten bevorzugen einen Boden mit niedrigem pH-Wert, ein entsprechender Dünger – zum Beispiel ein Rhododendrondünger, der trotz seines Namens auch für Hortensien und Heidelbeeren verwendet werden kann – trägt dazu bei, diesen niedrigen Wert zu erhalten.

 

Fruchtfolge und Mischkultur tragen zur Pflanzengesundheit bei

Bei der Mischkultur geht es um die Frage, welche Gemüse man nebeneinander anbaut – denn im Hobbygarten wachsen für gewöhnlich mehrere Arten in überschaubaren Mengen im selben Beet. Um diesen Platz optimal auszunutzen, ist es sinnvoll, Arten zu kombinieren, die nicht miteinander konkurrieren, oder – noch besser – sich sogar unterstützen. Damit sich Ihre Gemüsepflanzen nicht ins Gehege kommen, sollten Sie beispielsweise berücksichtigen, wie tief die Pflanzen wurzeln und wie breit sie wachsen. Zwischen breitwachsenden Tiefwurzlern wie Kürbissen fühlen sich mitteltief wurzelnde, in die Höhe strebende Gewächse wie Mais oder Bohnen wohl. Lücken können Sie gegebenenfalls immer mit Flachwurzlern wie Salaten schließen.

Günstig sind auch aromatische Kräuter im Beet, denn ihre ätherischen Öle gefallen nicht jedem: Bohnenkraut beispielsweise passt nicht nur geschmacklich sehr gut zu Bohnen, sondern kann auch abschreckend auf die Schwarze Bohnenlaus wirken. Im Hinblick auf viele zur Mischkultur empfohlene Kombinationen muss allerdings angemerkt werden, dass sie in der Regel nicht auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen, sondern auf persönlichen Erfahrungen. So soll zum Beispiel das oft genannte Duo Möhren und Zwiebeln Möhren- und Zwiebelfliegen fern halten. Die beiden Pflanzenarten haben jedoch sehr unterschiedliche Ansprüche an die Wasser- und Nährstoffversorgung – Zwiebeln lieben reichhaltigere, eher frische Erde, Möhren sind genügsam und reagieren empfindlich auf zu viel Nässe. Wenn aber die Wasser- und Nährstoffversorgung nicht stimmen, ist ebenfalls mit Ertragseinbußen zu rechnen. Daher sollten Sie grundsätzlich zunächst diese Ansprüche berücksichtigen – gegen Gemüsefliegen helfen dann Kulturschutznetze einfach und zuverlässig.

Um die Nährstoffansprüche geht es auch bei der Fruchtfolge – und um notwendige Anbaupausen, denn die Fruchtfolge beschreibt die zeitliche Anbauplanung – also welche Gemüsekultur folgen soll, wenn beispielsweise alle Möhren geerntet sind. Je nach ihrem Nährstoffbedarf werden die Gemüsepflanzen in Starkzehrer, Mittelzehrer und Schwachzehrer eingeteilt. Diese Gruppen ergänzen sich sehr gut: Was Starkzehrer wie Tomaten und Kürbisse an Nährstoffen im Boden lassen, reicht Mittelzehrern wie den Möhren allemal noch aus, und selbst danach sind noch genügend Nährstoffe vorhanden, damit Feldsalat und andere genügsame Schwachzehrer gedeihen können. Indem Sie diese drei Gruppen in Folge pflanzen, schöpfen Sie die im Boden enthaltenen Nährstoffe optimal aus und können dreimal ernten, ehe Sie dem Boden neue Nährstoffe zuführen müssen.

Bei der Kulturplanung sollten Sie aber nicht nur den Nährstoffbedarf berücksichtigen, sondern auch, dass Pflanzen aus derselben Familie zeitlich niemals direkt hintereinander am gleichen Platz wachsen sollten. Wer gerade Kohlrabi angebaut hat, sollte auf dieser Fläche also anschließend nicht gerade Brokkoli oder Wirsing anpflanzen, da alle drei zur großen Familie der Kreuzblütler (Brassicaceae) gehören. Denn typische Schädlinge und -krankheiten befallen in der Regel diverse Pflanzenarten einer Familie und würden von Jahr zu Jahr stärker auftreten, wenn keine Anbaupausen erfolgen. Einige Pflanzenarten wie Petersilie oder Rosen sind zudem mit sich selbst unverträglich und kümmern, wenn sie direkt nacheinander angebaut werden. Als Faustregel sind bei der Fruchtfolge je nach Pflanzenart Anbaupausen von mindestens drei, besser fünf Jahren empfehlenswert.

Diese Regeln lassen sich umso leichter umsetzen, je mehr Fläche zur Verfügung steht. Denn wer genügend Platz hat, kann den Gemüsegarten – auch optisch ansprechend – einfach in vier Bereiche gliedern. Durch dieses Rotationssystem können in jedem Jahr die unterschiedlichsten Gemüsearten angebaut und dennoch die dreijährigen Pausen eingehalten werden. Sie können entweder mit einer Kombination, die Ihnen zusagt, jedes Jahr einfach ein Beet weiter rücken, oder aber – was sehr genaues Planen voraussetzt – jedes Jahr andere Kombinationen anbauen (siehe Grafik). Das vierte Beet bleibt dabei der Gründüngung vorbehalten, durch das sich der Boden erholen und neue Nährstoffe tanken kann.

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Gründüngungspflanzen sind eine Wellnesskur für den Boden

Die Gründüngung ist eine der einfachsten und nachhaltigsten Möglichkeiten zur Bodenverbesserung. Bei der Gründüngung werden Pflanzen ausgesät, die – nach einer je nach Pflanzenart kurzen oder längeren Kulturzeit – zerkleinert und in den Boden eingearbeitet werden. Dadurch reichern sie ihn mit Humus an. Dies ist aber nicht der einzige Beitrag zu einer besseren Bodenstruktur. Lupinen (Lupinus), Zottel-Wicke (Vicia villosa) und Kleearten wie die Luzerne (Medicago sativa) besitzen als Angehörige der Familie der auch Schmetterlingsblütler oder Leguminosen genannten Hülsenfrüchtler (Fabaceae) ein ganz besonderes Merkmal: An ihren Wurzeln sitzen sogenannte Knöllchenbakterien, mit deren Hilfe sie Stickstoff aus der Luft binden können. Nach einigen Monaten – und etwa zwei Wochen vor der erneuten Nutzung der Fläche – werden die Pflanzen mit der Hacke zerkleinert und in die Erde eingearbeitet. Dort verrotten sie und stellen den wertvollen Pflanzennährstoff nachfolgend angebauten Kulturpflanzen zur Verfügung. Im Herbst ausgesät, nehmen sie darüber hinaus überschüssigen Stickstoff im Boden auf. Dadurch verhindern sie, dass der Stickstoff in den Wintermonaten als Grundwasser belastendes Nitrat ausgewaschen wird – ein aktiver Beitrag zum Gewässerschutz.

Gründüngungspflanzen können aber noch mehr: Tiefwurzelnde Arten wie die Bitter-Lupine (Lupinus angustifolius), bohren sich mit Leichtigkeit selbst in stark verdichtete Erde hinein und lockern sie nachhaltig auf – gerade vor der Neuanlage eines Gartens nach dem Hausbau sowie auf schweren, zu Verdichtungen neigenden Böden ist das ein wichtiger Punkt. Alle Gründüngungspflanzen fungieren zudem als Platzhalter und Bodenschützer: Wo sie wachsen, können sich keine Wildkräuter ansiedeln, denn der Boden ist bereits bedeckt – eine optimale Lösung gerade für die Zeit nach der sommerlichen Gemüseernte. Gleichzeitig sinkt durch die geschlossene Bodendecke die Verdunstung und schwere Böden verschlämmen und verdichten nach Niederschlägen nicht.

Viel falsch machen kann man bei der Gründüngung nicht, lediglich zwei Punkte gilt es zu beachten. Ein wichtiger Aspekt ist die Mindestdauer, die die jeweilige Pflanzenart wachsen können sollte, ehe sie zerkleinert und untergegraben wird. Sommer-Wicken (Vicia sativa) und Buchweizen (Fagopyrum esculentum) beispielsweise genügen vier Wochen, wodurch sie sich auch als Zwischenkultur eignen. Noch wichtiger ist jedoch der zweite Punkt: die Familienzugehörigkeit. Die meisten Pflanzenarten gehören zu den Schmetterlingsblütlern oder zu den Kreuzblütlern (Brassicaceae) und damit zur selben Familie wie zahlreiche Gemüsearten. Im Rahmen der Fruchtfolge sollten Mitglieder derselben Familie aber nicht direkt nacheinander auf der gleichen Fläche wachsen, sondern erst nach einer drei- bis fünfjährige Anbaupause. Praktisch sind daher Gründungspflanzen, die keiner der beiden Familien angehören, beispielsweise Buchweizen, Hafer oder Bienenfreund (Phacelia tanacetifolia). Letzterer ist der Favorit vieler Gartenfans: Bienenfreund lockert den Boden, liefert viel Pflanzenmasse und damit Humus und zieht mit ihren attraktiven, nektarreichen Blüten zudem unzählige Bienen und andere Insekten an.

Übrigens: Einen ganz besonderen Effekt hat die Gründüngung mit einigen beliebten Zierpflanzen: Insbesondere die Studentenblumensorte 'Single Gold' (Tagetes patula), aber auch Kokardenblume (Gaillardia), Sonnenhut (Rudbeckia), Mädchenauge (Coreopsis) und in geringerem Maße Ringelblumen (Calendula) vertreiben pflanzenschädigende Nematoden aus dem Gemüsebeet. Grund genug, die Trennung zwischen Gemüse und Zierpflanzen aufzuheben und auch in bestehende Gemüsepflanzungen ein paar dieser nützlichen Pflanzen einzustreuen.

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Oft können Wildkräuter und Schädlinge toleriert werden

Immer mehr Gartenfans tolerieren Wildkräuter ganz bewusst – zumindest in einigen Gartenbereichen – weil sie um ihre Vorzüge wissen: Zahlreiche Schmetterlinge sind auf Brennnesseln, Sauerampfer und Co. als Raupenfutterpflanzen angewiesen. Vögel ernähren sich von den Samen der Wildkräuter und von den Insekten, denen die "Unkräuter" als Nahrung und Versteck dienen. Außerdem ist so manches Wildkraut eine vitamin- und mineralstoffreiche Köstlichkeit. Und nicht zuletzt sehen einige Arten gerade zur Blütezeit ausgesprochen hübsch aus.

Auch Käfer, Gemüsefliegen, Blattläuse, Raupen und Schnecken sind nicht zwangsläufig als Schädlinge zu betrachten, im Gegenteil: Grundsätzlich sind auch sie wertvolle Bestandteile des Naturkreislaufs und Nahrung für zahlreiche nützliche Insekten, Bodenlebewesen, Kleinsäuger wie den Igel sowie für viele beliebte Vogelarten.

Zum Problem werden sowohl Wildkräuter als auch die tierischen Gemüseliebhaber nur, wenn sie in großer Zahl auftreten und dadurch die Kulturpflanzen in ihrer Entwicklung behindern oder nennenswerte Schäden anrichten. Es gilt also genau abzuwägen, ehe Maßnahmen gegen die Lebewesen ergriffen werden, die ebenso zum ökologischen Gleichgewicht beitragen, wie alle anderen Organismen.

Übrigens: Einige Schneckenarten fressen sogar die Eier anderer potenziell schädlicher Nacktschnecken. Auch die Apfelgraslaus ist ein gutes Beispiel dafür, dass Toleranz oft auch im eigenen Interesse ist. Sie ist zwar eine der frühesten im Garten anzutreffenden Blattlausarten, richtet aber keinen nennenswerten Schaden an, sondern dient vielmehr den Fressfeinden zahlreicher Blattlausarten als erste Nahrung. Damit hilft sie den Nützlingen, sich rasch zu vermehren und hält dadurch indirekt viele andere Blattlausarten in Schach.

 

Physikalische Methoden zur Vorbeugung von Unkrautaufwuchs, Schädlingen und Krankheiten

Physikalische Methoden zum Vorbeugen von Unkraut:

Physikalische Methoden zur Unkrautbekämpfung:

Physikalische Methoden zum Vorbeugen eines Schädlingsbefalls:

  • Verwenden von Kulturschutznetzen oder -vliesen
  • Verwenden von Kohlkragen gegen Kohlfliegen
  • Verwenden von Schneckenzäunen als Barriere
  • Verwenden von Kupferdraht als Schutz vor Schnecken
  • Verwenden von Sand, Sägespänen und ähnlichen austrocknend wirkenden Materialien als Schneckenbarriere
  • Abdecken des Bodens im Bereich von Obstbaumkronen, um den Zugang für dort überwinternde Larven zu verhindern
  • Drahtgeflechte um die Wurzeln von Obstbäumen zum Schutz vor Wühlmäusen
  • Einsatz von Draht- oder Kunststoffkörbchen zum Schutz von Zwiebelblumen vor Wühlmäusen

Physikalische Methoden zur Bekämpfung von Schädlingen:

Physikalische Methoden zum Vorbeugen von Krankheiten:

  • Fachgerechtes Schneiden von Gehölzen und dadurch verbesserte Belüftung der Krone
  • Entfernen von Fruchtmumien in Beerenobst, Kernobst und Steinobst
  • Baumscheibe (Fläche unter der Baumkrone) von Bewuchs freihalten
  • Regelmäßiges Lüften im Gewächshaus, um die Luftfeuchte und damit das Risiko für Pilzkrankheiten zu senken
  • Regelmäßiges Säubern von Gartengeräten – insbesondere von Schnittwerkzeugen – und Rankhilfen, gegebenenfalls Desinfizieren mit 70%-igem Ethanol
  • Austausch von Substraten bei Topfkultur beziehungsweise Bodenaustausch bei Freilandkultur

Physikalische Methoden zum Bekämpfen von Krankheiten:

  • Entfernen / Aufsammeln von befallenen Pflanzenteile / befallenen Pflanzen
  • Gegebenenfalls Verzicht aufs Kompostieren, stattdessen Entsorgung befallener Pflanzenteile oder Pflanzen über den Bio- oder Hausmüll
Häufig vorkommende Wurzel- und Samenunkräuter mit einer Anleitung zum korrekten Unkrautjäten
Clever Unkraut jäten
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016
 

Biotechnische Methoden zur Bekämpfung von Schädlingen

Unter biotechnischen Methoden werden Bekämpfungsmaßnahmen verstanden, die sich bestimmte Eigenarten der betreffenden Lebewesen zunutze machen, um diese zu fangen. Dies kann zum Beispiel eine Vorliebe für bestimmte Farben oder Duftstoffe sein oder das Aufsuchen bestimmter Verstecke.

 

Biologischer Pflanzenschutz wird im Erwerbsgartenbau und im Hobbygarten erfolgreich praktiziert

Je mehr natürliche Feinde typischer Schädlinge im Garten anzutreffen sind, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass erst gar keine nennenswerten Schäden entstehen. Es lohnt sich also, den Garten attraktiv für Nützlinge zu gestalten, zu denen beispielsweise Igel, Eidechsen, Kröten, Vögel, Florfliegen, Marienkäfer, Schlupfwesen und viele mehr gehören.

Immer häufiger werden zudem eigens zur Schädlingsbekämpfung gezüchtete Nützlinge eingesetzt. Hierbei profitiert der Hobbygartenbau vom Erwerbsgartenbau, wo der Nützlingseinsatz insbesondere in Gewächshäusern längst zu den Standardmethoden gehört.

Darüber hinaus werden im Rahmen des Biologischen Pflanzenschutzes auch Pilze, Viren und Bakterien gegen Schädlinge eingesetzt. Im Hobbygartenbereich können beispielsweise  Apfelwickler mit Präparaten bekämpft werden, die das Apfelwicklergranulovirus (CpGV) enthalten. Produkte auf Basis des Bakteriums Bacillus thuringiensis wirken zuverlässig gegen die Larven vieler Schadschmetterlinge – etwa gegen den Kleinen Frostspanner sowie gegen Kohleulen und andere Schadschmetterlinge, die an Gemüsekulturen auftreten.

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Der Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel ist häufig überflüssig und birgt das Risiko folgenreicher Fehlanwendungen

Auf chemische Pflanzenschutzmittel verzichten viele Gartenfans ganz bewusst. Zum einen, da sich etwaige Schäden oft in einem gut tolerierbaren Rahmen bewegen und insbesondere bei Zierpflanzen meist lediglich ein optisches "Problem" darstellen. Zum anderen, da sie Gemüse sowie Stein-, Kern- und Beerenobst oft gerade deshalb selbst anbauen, weil sie ungespritzte Früchte ernten möchten, es beim Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel auf benachbarten Zierpflanzen aber passieren kann, dass Sprühnebel in den Küchengarten abdriftet. Nicht zuletzt erkennen immer mehr Menschen, dass die überwältigende Mehrheit der chemischen Pflanzenschutzmittel auch Nützlinge trifft und auf diese Weise verhindert, dass sich ein Gleichgewicht zwischen Schädlingen und ihren natürlichen Gegenspielern einstellen kann. Genaugenommen ist sogar das Gegenteil der Fall, denn da auch Nützlinge getötet werden, gerät das Gleichgewicht immer stärker aus der Balance, sodass sich die Schädlingszahl nach dem Einsatz chemischer Pflanzenschutzmittel langfristig oft sogar erhöht.

Eine erfolgreiche chemische Bekämpfung von Schädlingen und Krankheitserregern ist für Freizeitgärtner zudem weniger einfach, als es auf den ersten Blick erscheint: Die Spritzungen müssen zum richtigen Zeitpunkt erfolgen, es sind häufig mehrere Spritzungen innerhalb weniger Wochen notwendig und es müssen meist sämtliche Pflanzenteile benetzt werden, was sich insbesondere bei hohen Gehölzen schwierig gestaltet. Darüber hinaus siedeln sich viele Schädlinge ganz bewusst an Stellen an, wo sie sich gut verstecken können, beispielsweise an den Triebspitzen oder an den Blattunterseiten. Viele Arten speisen beim Saugen sogar Substanzen in die Blätter ein, die diese dazu bringen sich zu kräuseln – sie basteln sich also aktiv ein noch besseres Versteck. Im Gegensatz zu vielen Pflanzenschutzmitteln erreichen Nützlinge auch solche versteckt sitzende Schädlinge.

Zudem besteht bei chemischen Pflanzenschutzmitteln stets das Risiko von Fehlanwendungen. Die vertretbaren Auswirkungen für Umwelt und Gesundheit, die den zugelassenen Mitteln im Rahmen des gesetzlichen Zulassungsverfahrens bescheinigt wurden, werden nämlich nur dann eingehalten, wenn man Produkte ordnungsgemäß handhabt. Wenn ein Mittel jedoch zum Beispiel häufiger, in höherer Konzentration, zu einem anderen Zeitpunkt oder an anderen Pflanzen angewendet wird als im Beipackzettel vorgeschrieben, können unvertretbare Nebenwirkungen nicht ausgeschlossen werden. In diesen Fällen können beispielsweise deutlich mehr Nützlinge durch die ausgebrachten Mittel geschädigt oder getötet werden. Einige Wirkstoffe können sich auch im Boden anreichern oder sich in der Nahrungskette ansammeln, wenn kontaminierte Insekten oder Pflanzenteile von Vögeln, Igeln oder anderen Tieren gefressen werden. Durch plötzlich aufkommenden Wind, der den Sprühnebel verweht, Verdunstung, Abschwemmungen in Hanglagen oder schlicht durch Versickern kann sogar eines der wichtigsten Güter überhaupt betroffen sein: das Grundwasser. Dies ist besonders kritisch, wenn man bedenkt, dass es in Deutschland etwa 20 Millionen Hausgärten und eine Million Kleingärten gibt.

Einfamilienhaus mit Ziergarten
Haus mit Ziergarten
Quelle: JSB31 / Fotolia.com
 

Als Notfallmaßnahme geeignete Pflanzenschutzmittel

Fällt nach sorgfältigem Abwägen der Vor- und Nachteile die Entscheidung für eine chemische Bekämpfung, sollten Sie möglichst umweltverträgliche Wirkstoffe wählen. Gegen saugende Insekten wie Blattläuse, Weiße Fliege, Spinnmilben, Thripse und Gallmücken können Sie beispielsweise Insektizide auf Basis von Rapsöl oder Kali-Seife einsetzen.

Gegen Schnecken wirksam, aber für andere Organismen ungiftig sind Fraßköder – im Handel meist unter der Bezeichnung Schneckenkorn erhältlich – mit dem Wirkstoff Eisen-III-Phosphat.

Fungizide auf Basis von Schwefel sind eine wirkungsvolle und vergleichsweise umweltverträgliche Bekämpfungsmaßnahme gegen Echten Mehltau (bei entsprechender Zulassung) und gegen den Amerikanischen Stachelbeermehltau.

Als verhältnismäßig nützlingsfreundliche Unkrautvernichter bieten sich die Wirkstoffe Pelargonsäure und Essigsäure an. Gegen Moos im Rasen kann als Notfallmaßnahme allenfalls der Wirkstoff Eisen-II-Sulfat als am wenigsten schädlich empfohlen werden.

Achtung: Wählen Sie Produkte, in denen der jeweilige Wirkstoff als Monoformulierung vorliegt, denen also keine weiteren Wirkstoffe außer einem der genannten zugesetzt sind! Durch die Mischung mit anderen Substanzen können Produkte mit einem an sich vergleichsweise wenig bedenklichen Wirkstoff deutlich negativere Umwelt- und/oder Gesundheitseigenschaften erhalten.

Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten mit einem bärtigen Mann mit Brille und Hut, der die Rosen schneidet im Hintergrund
Umwelt-Checkliste für chemischen Pflanzenschutz im Hobbygarten
Quelle: CC BY-ND 4.0 Umweltbundesamt 2016