Indikator: Ökologischer Zustand der Übergangs- und Küstengewässer

Ein Diagramm bildet die Verteilung des ökologischen Zustands der Übergangs- und Küstengewässer jeweils für Nord- und Ostsee für die Jahre 2010 und 2015 ab. Das Ziel für das Jahr 2027 wird dargestellt (100 % gut oder sehr gut).zum Vergrößern anklicken
Anteil der Wasserkörper in Übergangs- und Küstengewässern in mindestens gutem Zustand
Quelle: Voß et al. Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Kein einziges Gebiet (Wasserkörper) der Übergangs- und Küstengewässer in Nord- und Ostsee war 2015 in gutem oder sehr gutem Zustand.
  • Laut europäischer Wasserrahmenrichtlinie sollten bis zum Jahr 2015 alle Gewässer mindestens in einem guten ökologischen Zustand sein.
  • Dieses Ziel wurde verfehlt. Es gilt nun die Zeit bis spätestens 2027 zu nutzen, um die anspruchsvollen Ziele zu erreichen.
  • Dazu sind weitere erhebliche Anstrengungen erforderlich.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Die hohe Zufuhr von Nährstoffen wie Stickstoff und Phosphor in Nord- und Ostsee führt zu einem starken Wachstum von Algen. Eine hohe Algendichte führt zu Lichtmangel in tieferen Wasserschichten. Auf Licht angewiesene Pflanzen werden verdrängt. Sterben die Algen und Pflanzen ab, werden sie von Mikroorganismen abgebaut. Bei diesen Vorgängen wird Sauerstoff verbraucht, der Sauerstoffgehalt im Wasser nimmt ab. In der Folge können Tiere ersticken. In der Ostsee sind mittlerweile große Gebiete sauerstoffarm oder sauerstofffrei.

In Bezug auf den Nährstoff- und Sauerstoffgehalt unterscheiden sich Ost- und Nordsee deutlich. Die Nordsee tauscht mit dem Atlantischen Ozean und dem Nordpolarmeer ständig Wasser aus und ist insgesamt turbulenter. Die Ostsee steht hingegen nur mit der Nordsee in Verbindung, die Verbindungswege sind sehr schmal. Sie hat daher den Charakter eines Binnenmeeres und reagiert empfindlicher auf zu hohe Nährstoffeinträge.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Von den Küsten- und Übergangsgewässern der Nord- und Ostsee war 2015 kein einziges Gebiet (Wasserkörper) in „gutem“ oder „sehr gutem“ ökologischen Zustand. Damit wurde das Ziel der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, EU-RL 2000/60/EG) drastisch verfehlt, dass alle Gewässer bis 2015 mindestens in einem guten ökologischen Zustand sein müssen. Da dieses Ziel klar verfehlt wurde, gilt es nun gemäß WRRL noch die beiden folgenden Bewirtschaftungszyklen zu nutzen, um bis spätestens 2027 die anspruchsvollen Ziele zu erreichen.

Der Grund für das Verfehlen der Ziele ist vor allem der übermäßige Eintrag von Nährstoffen in die Küsten- und Übergangsgewässer (Eutrophierung). Diese stammen vorwiegend aus der Landwirtschaft, aus Kläranlagen und der Schifffahrt. Die Nährstoffe werden über Flüsse oder die Atmosphäre in die Meere eingetragen (siehe Indikatoren „Eutrophierung von Nord- und Ostsee durch Stickstoff“ und „Eutrophierung von Flüssen durch Phosphor“). Bislang ergriffene Maßnahmen greifen (noch) nicht im geforderten Maße. Um die Nährstoffeinträge so weit zu verringern, dass der gute Zustand erreicht werden kann, müssen die Anstrengungen deshalb deutlich verstärkt werden.

In beiden Meeren hat sich der Anteil „schlechter“ und „unbefriedigender“ Gebiete gegenüber 2010 erhöht. Dies lässt sich vor allem durch eine deutlich verbesserte Datenlage und geänderte Schwellenwerte für die Bewertung erklären. Real hat sich der Zustand kaum verschlechtert.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Um den ökologischen Zustand eines Küsten- und Übergangsgewässers zu bestimmen, wird vor allem die Artenzusammensetzung ausgewählter pflanzlicher und tierischer Lebensgemeinschaften mit Zeigerwirkung analysiert: Wie weit entspricht sie der typischen Zusammensetzung des jeweiligen Naturraumes? Je nach Grad der Abweichung vom natürlichen Zustand werden fünf Zustandsklassen zugeordnet: von „sehr gut“ bis „schlecht“. Eine ausführliche Beschreibung zur Gewässerbewertung wurde von Voß et al. (2010) veröffentlicht.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie in den Daten-Artikeln „Ökologischer Zustand der Küstengewässer der Nordsee“ und „Ökologischer Zustand der Küstengewässer der Ostsee“ (Aktualisierung der Artikel erfolgt in Kürze).