Indikator: Ökologischer Zustand der Seen

Ein Diagramm bildet die Verteilung des ökologischen Zustands und Potenzials der Seen für die Jahre 2010 und 2015 ab. Das Ziel für das Jahr 2027 wird dargestellt (100 % gut oder sehr gut). 2015 zeigten 26,4 % mindestens guten Zustand oder gutes Potenzial.zum Vergrößern anklicken
Anteil der Wasserkörper in Seen in mindestens gutem Zustand oder mit mindestens gutem Potenzial
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • 2015 waren 26 % der Seen in Deutschland in einem mindestens guten ökologischen Zustand oder zeigten mindestens ein gutes ökologisches Potenzial.
  • Laut europäischer Wasserrahmenrichtlinie sollten 100 % im Jahr 2015 erreicht werden.
  • Deutschland ist noch weit davon entfernt, dieses Ziel zu erreichen. Die Zeit bis 2027 muss genutzt werden, die anspruchsvollen Ziele zu erreichen.

 

 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Seen dienen nicht nur der Erholung, sondern haben auch wichtige Funktionen für den Umwelt- und Naturschutz. Zum Beispiel bieten sie mit ihren Uferzonen Lebensraum für verschiedenste Tier- und Pflanzenarten. Diese (zum Teil) empfindlichen Ökosysteme sind durch Nährstoffeinträge und vor allem durch die zunehmende Nutzung bedroht.

Die Gründe, aus denen viele Seen nicht den optimalen ökologischen Zustand erreichen, sind vielfältig. Biologische, chemische, physikalisch-chemische und strukturelle (hydromorphologische) Aspekte spielen eine Rolle. Da sich das Wasser in Seen nur sehr langsam austauscht, regenerieren diese nur langsam. Problematisch sind insbesondere Einträge von Nährstoffen aus der Landwirtschaft: Sinkt der Eintrag, bewirkt dies erst mit einiger Verzögerung einen Effekt. Meistens braucht es viele Jahre, bis sich ein See von zu vielen Nährstoffeinträgen erholt.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Der Anteil der Seen in gutem oder sehr gutem ökologischen Zustand ist deutlich höher als bei anderen Gewässertypen: 2015 waren 24,0 % der Seen in gutem und 2,3 % in sehr gutem ökologischen Zustand. Dass sich die Werte gegenüber dem Jahr 2010 verschlechterten, liegt vor allem an verfeinerten Messmethoden. Der reale Zustand der Seen ist insgesamt jedoch ungefähr konstant geblieben.

Deutschland ist noch weit von den Zielen der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL, EU-RL 2000/60/EG) entfernt. Nach dieser sollten bis zum Jahr 2015 alle Gewässer mindestens in einem guten Zustand sein. Da dieses Ziel verfehlt wurde, gilt es nun die beiden gemäß WRRL noch folgenden Bewirtschaftungszyklen zu nutzen, um die anspruchsvollen Ziele bis spätestens 2027 zu erreichen. Die Bundesländer erstellen Bewirtschaftungspläne, in denen Maßnahmen zur Verbesserung der Gewässerqualität festgelegt werden.

Problematisch für den Zustand vieler Seen sind vor allem die hohen landwirtschaftlichen Nährstoffüberschüsse (siehe Indikator „Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft“). Zur Reduzierung dieser Überschüsse wurde die Düngeverordnung umfassend überarbeitet und im Frühjahr 2017 verabschiedet. Es ist allerdings bereits jetzt absehbar, dass noch zusätzliche Maßnahmen benötigt werden, um die Nährstoffeinträge in Oberflächengewässer auf ein zulässiges Maß zu senken.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Um den „ökologischen Zustand“ eines Sees zu bestimmen, wird vor allem das Vorkommen verschiedener Arten mit dem Bestand verglichen, der natürlicherweise in dem jeweiligen Gewässertyp vorhanden wäre. Je nach Grad der Abweichung und auf Basis weiterer Bewertungen werden fünf Zustandsklassen von „sehr gut“ bis „schlecht“ vergeben. Bei künstlichen und erheblich veränderten Gewässern wird das „ökologische Potenzial“ bewertet. Das höchste Potenzial liegt vor, wenn alle Maßnahmen zur Verbesserung der ökologischen Qualität getroffen wurden. Diese dürfen die Nutzungen allerdings nicht signifikant negativ beeinträchtigen. Die Einstufung ist in der Verordnung zum Schutz der Oberflächengewässer (OGewV 2016) geregelt.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie im Daten-Artikel "Zustand der Seen".