Indikator: Nationaler Wohlfahrtsindex

Ein Diagramm zeigt für die Jahre 1991 bis 2014 den Nationalen Wohlfahrtsindex sowie das Bruttoinlandsprodukt (2000 = 100). Der NWI ist seit 2000 um 6 % zurückgegangen, das BIP um 17 % gestiegen.zum Vergrößern anklicken
Entwicklung des Nationalen Wohlfahrtsindex (NWI) und des Bruttoinlandsproduktes (BIP)
Quelle: Umweltbundesamt / Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Das Bruttoinlandsprodukt ist ein Maß für die Wirtschaftsleistung einer Volkswirtschaft. Es spiegelt jedoch nicht die gesellschaftliche Wohlfahrt wider.
  • Der Nationale Wohlfahrtsindex (NWI) berücksichtigt insgesamt 20 wohlfahrtsstiftende und wohlfahrtsmindernde Aktivitäten.
  • Der NWI erreichte im Jahr 1999 seinen höchsten Wert und nahm danach bis 2005 ab. Seitdem schwankt er ohne große Änderungen.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Das BIP bildet die wirtschaftliche Leistung einer Volkswirtschaft ab und ist als international vergleichbare statistische Kenngröße anerkannt. Jedoch ist das BIP alleine als Maß zur Bestimmung der gesellschaftlichen Wohlfahrt nicht geeignet. Wichtige Kritikpunkte sind: Das BIP berücksichtigt nicht die Verteilung des Einkommens sowie ehrenamtliche Tätigkeiten und Hausarbeit. Das BIP erfasst keine Folgekosten durch Umweltschäden. Eine Verringerung des Naturkapitals wird daher nicht abgebildet. Kriminalität, Drogenkonsum oder Verkehrsunfälle wirken sich tendenziell positiv auf das BIP aus.

Mit dem NWI wurde ein Indikator entwickelt, der diese Kritikpunkte berücksichtigt. Ausgehend von den Konsumausgaben enthält der NWI Zu- und Abschläge, je nachdem ob es sich um wohlfahrtssteigernde oder wohlfahrtsmindernde Kategorien handelt. Zunehmende Ungleichverteilung verringert den Wert des Index. Der NWI kommt auch in den Bundesländern zunehmend zum Einsatz (Diefenbacher et al. 2016).

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Seit 1991 ist das Bruttoinlandsprodukt um mehr als 30 % gestiegen, der als NWI gemessene Wohlstand jedoch nur um 3,1 %. Das BIP stieg seit 1991 fast kontinuierlich, nur im Jahr der Wirtschaftskrise 2009 gab es einen größeren Einbruch. Der NWI entwickelte sich zwischen 1991 und 1999 weitgehend parallel zum BIP, wobei in dieser Zeit der Wohlfahrtsindex höher als das BIP lag. Seitdem gehen beide Maße jedoch auseinander: Während das BIP von 2000 bis 2014 um 16,7 % stieg, fiel der NWI in dieser Zeit um 6,3 %. Seit 2005 zeigt der NWI keine nennenswerte Entwicklung und stagniert ungefähr auf dem Niveau des Wertes von 1991.

Den größten Anteil an der NWI-Berechnung haben die preisbereinigten Konsumausgaben, die mit der Einkommensverteilung (Gini-Index) gewichtet sind. Die zunehmende Ungleichverteilung der Einkommen in den 2000er Jahren ist die Hauptursache für das Sinken des NWI. Auf der anderen Seite zeigt sich bei den wohlfahrtsmindernden Komponenten ein leichter Trend zur Verbesserung, insbesondere durch die Verringerung von Umweltbelastungen.

Auch die unterschiedliche Entwicklung im Krisenjahr 2009 kann durch die Konstruktion des NWI erklärt werden: Während die Wertschöpfung der Volkswirtschaft und somit das BIP in diesem Jahr einbrach, reagierte keine der NWI-Komponenten in jenem Jahr signifikant.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Der NWI stellt die Summe von 20 monetär bewerteten Komponenten dar. Der größte Posten ist der mit der Einkommensverteilung (Gini-Index) gewichtete private Konsum. Darüber hinaus fließen weitere wohlfahrtssteigernde Komponenten wie Hausarbeit, ehrenamtliche Tätigkeiten und Ausgaben für Bildung und Gesundheit positiv in den NWI ein. Schließlich werden wohlfahrtsmindernde Aktivitäten abgezogen, wie etwa die Kosten für verschiedene Umweltschäden oder Kriminalität.

Eine ausführliche Beschreibung der Berechnungsweise findet sich bei Diefenbacher et al. (2016). Aktuelle Informationen zum NWI werden auf der Website www.fest-nwi.de veröffentlicht.