Indikator: Landschaftszerschneidung

Ein Diagramm zeigt den Anteil der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume mit mindestens 100 km2 an der Landfläche Deutschlands für die Jahre 2000, 2005 und 2010 sowie den Zielwert. Wegen methodischer Unterschiede sind die Werte nicht direkt vergleichbar.zum Vergrößern anklicken
Anteil der unzerschnittenen verkehrsarmen Räume (UZVR) mit 100 km² oder mehr an der Landfläche ...
Quelle: Bundesministerium für Verkehr Bau und Wohnungswesen u.a. Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Mit den Unzerschnittenen Verkehrsarmen Räumen (UZVR) wird die Zerschneidung der Landesfläche durch Verkehrsachsen beschrieben.
  • Im Jahr 2010 machten unzerschnittene, verkehrsarme Räume 23,2 % der Landfläche Deutschlands aus.
  • Ziel der Bundesregierung ist es, den Anteil bei 25,4 % zu halten.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Verkehr führt zu Zerschneidungen von Lebensräumen, zu Einträgen von Luftschadstoffen und Lärm. All dies beeinträchtigt die biologische Vielfalt. Für Menschen gehen Erholungsräume verloren. Die dem Indikator zugrunde gelegte Grenze von 100 Quadratkilometern (km²) stammt ursprünglich aus der sogenannten Erholungsvorsorge: Die Grenze wurde gewählt, weil innerhalb dieser Fläche akustisch und visuell weitgehend ungestörte Tageswanderungen unternommen werden können.

Verkehrsarme Bereiche sind nicht automatisch naturnah. So machen verkehrsarme Bereiche in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg mehr als 50 % der Landesfläche aus. Der Grund ist vor allem die dünne Besiedelung dieser Bundesländer, weniger enge Verkehrsnetze und eine geringere Verkehrsbelastung besonders auf den Landes- und Kreisstraßen. Zudem sind diese Regionen vor allem durch Landschaften mit intensiver Landwirtschaft geprägt.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Im Jahr 2010 machten unzerschnittene, verkehrsarme Räume mit der Mindestgröße von 100 km2 23,2 % der deutschen Landfläche aus. Für das Jahr 2000 wurde noch ein Anteil von 26,5 % ermittelt. Allerdings waren die Berechnungsgrundlagen (gezählte Verkehrsstärken) für die Jahre 2000 und 2005 lückenhaft. Daher wurden die Verkehrsbelastungen des gesamten Straßennetzes für das Jahr 2010 mit Hilfe von Modellen ermittelt.

Die Bundesregierung hat sich in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt das Ziel gesetzt, die Landschaftszerschneidung zumindest konstant zu halten (BMU 2007). Als Zielwert wurde der Zerschneidungsgrad des Jahres 2005 gewählt (25,4 %). Der Indikatorwert für das Jahr 2010 ist allerdings nicht vergleichbar mit denen der Jahre 2000 und 2005, da in diesen Jahren die Datengrundlagen lückenhaft waren. Eine nähere Analyse zeigt, dass der Indikatorwert wesentlich von der Verkehrsbelastung im nachgeordneten Straßennetz beeinflusst wird, das heißt von Belastungen abseits der Hauptverkehrsachsen. Der Indikator unterliegt somit gewissen Schwankungen, die von den gewählten Berechnungsmethoden abhängen. Dies muss bei der Bewertung der Zielerreichung berücksichtigt werden.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Für den Indikator wird der Anteil der Flächen, die nicht von größeren Verkehrsachsen zerschnitten sind, an der Gesamtfläche Deutschlands berechnet. Als zerschneidende Verkehrsachsen werden Straßen (Autobahnen, Bundes-, Landes- und Kreisstraßen) ab einer Verkehrsstärke von 1.000 Fahrzeugen pro Tag, mindestens zweigleisige oder eingleisige elektrifizierte Bahnstrecken sowie Kanäle mit dem Status einer Bundeswasserstraße (Kategorie IV oder größer) gewertet. Diese Flächen können mit Hilfe von Geoinformationssystemen bestimmt werden. Um die Verkehrsstärke der Straßen vollständig zu bestimmen, sind Modellierungen und Zählungen (als Kalibrierungsgrundlage für die Modellierung) notwendig. Die Modellierungsmethode für das Jahr 2010 ist bei Bosch & Partner et al. (2013) beschrieben.

Literaturhinweis:

  • Bosch & Partner; Universität Kassel; TCI Röhling (2013): Ökologische Risikoeinschätzung auf Bundesebene (Endbericht zum F+E-Vorhaben 3510 82 3100 im Auftrag des BfN; unveröffentlicht, kann beim BfN angefordert werden)