Indikator: Eutrophierung von Nord- und Ostsee durch Stickstoff

Ein Diagramm zeigt die Entwicklung der Konzentration von Gesamtstickstoff in allen Hauptflüssen, die in Deutschland in Nord- und Ostsee münden. Es wird nach Nord- und Ostsee unterschieden und der frachtgewichtete Mittelwert aller Flüsse angegeben.zum Vergrößern anklicken
Konzentration Gesamtstickstoff der Hauptflüsse zur Nord- und Ostsee (Gleitendes 5-Jahres-Mittel)
Quelle: Umweltbundesamt nach Angaben der Länder und Flussgebietsgemeinschaften Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • Deutschland hat sich verpflichtet, zur Erreichung der Ziele des Meeresschutzes maximale Konzentrationen für Stickstoff an den Flussmündungen einzuhalten.
  • Im Mittel aller Flüsse werden diese Zielkonzentrationen in Nord- und Ostsee überschritten.
  • Damit die Stickstoffkonzentrationen in den Flüssen weiter sinken, müssen vor allem Maßnahmen in der Landwirtschaft ergriffen werden.

 

 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Der „gute ökologische Zustand der Küsten- und Übergangsgewässer“ wird in den deutschen Gebieten der Nord- und Ostsee verfehlt. Die wichtigste Ursache dafür sind zu hohe Nährstoff-Belastungen durch Stickstoff und Phosphor (Eutrophierung). Die negativen Auswirkungen der Eutrophierung sind im Rahmen des Indikators „Ökologischer Zustand der Übergangs- und Küstengewässer“ beschrieben.

Nährstoffe werden vor allem über Flüsse in die Meere eingetragen. Der vorliegende Indikator betrachtet die Konzentration des Stickstoffs der in Deutschland in die Nord- und Ostsee einmündenden Flüsse (Rhein und Oder sind deshalb ausgenommen). Witterungsbedingt können diese Konzentrationen stark schwanken, da in niederschlagsreichen Jahren mehr Stickstoff aus den Böden ausgewaschen wird. In Bezug auf den Nährstoff Phosphor wird davon ausgegangen, dass die Erreichung der Orientierungswerte in den Flüssen ausreichend für den guten Zustand der Küsten- und Meeresgewässer ist (siehe Indikator „Eutrophierung von Flüssen durch Phosphor“).

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Deutschland ist durch die EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und die EU-Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie (MSRL) verpflichtet, eine übermäßige Eutrophierung der deutschen Nord- und Ostsee zu vermeiden. Zudem hat sich Deutschland im Rahmen des Ostseeaktionsplans (HELCOM 2007) verpflichtet, den Eintrag von Stickstoff in das empfindliche Binnenmeer zu reduzieren.

Um diese Ziele zu erreichen, gibt die Oberflächengewässerverordnung für die in Nord- und Ostsee mündenden Flüsse sogenannte Bewirtschaftungszielwerte vor (OGewV 2016): 2,6 Milligramm Gesamtstickstoff pro Liter (mg/l) für in die Ostsee und 2,8 mg/l für in die Nordsee mündende Flüsse. Diese Zielwerte wurden auch für die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung übernommen (Bundesregierung 2016).

Die durchschnittlichen Konzentrationen sind deutlich gesunken. Dies ist insbesondere auf die Verbesserung der Abwasserreinigung in Kläranlagen zurückzuführen. Zuständig für das Erreichen der Zielwerte sind vor allem die Bundesländer. Maßnahmen zur Senkung der Nährstoffeinträge werden im Rahmen der Umsetzung der WRRL ergriffen.Gegenwärtig geht die größte Belastung von der Landwirtschaft aus. Die Novelle der Düngeverordnung wird mittelfristig zu einem Rückgang dieser Belastung führen (siehe auch Indikator „Stickstoffüberschuss der Landwirtschaft“). Um die Zielwerte zu erreichen, sind darüber hinaus voraussichtlich noch weitere Maßnahmen in der Landwirtschaft erforderlich.

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Die Bundesländer, in denen die Flüsse in Nord- und Ostsee münden, unterhalten an der Mündung der Flüsse Messstationen. An diesen wird die Stickstoffkonzentration des jeweiligen Fließgewässers mindestens monatlich gemessen. Diese Messwerte dienen, gemittelt über den Zeitraum eines Jahres, als Grundlage für den Indikator. Um jährliche witterungsbedingte Schwankungen auszugleichen, wird der Indikator als gleitendes Mittel der letzten 5 Jahre berechnet.

Ausführliche Informationen zum Thema finden Sie in den Daten-Artikeln "Flusseinträge und direkte Einträge in die Nordsee" und "Flusseinträge und direkte Einträge in die Ostsee".