Indikator: Eutrophierung durch Stickstoff

Ein Diagramm zeigt den Flächenanteil empfindlicher Ökosysteme in Deutschland, auf dem die Belastungsgrenzen für Eutrophierung zwischen 1980 und 2010 überschritten wurden sowie das Ziel für 2030. 1980 lag der Wert bei 82 %, 2010 bei 54 %.zum Vergrößern anklicken
Anteil der Fläche empfindlicher Land-Ökosysteme mit Überschreitung der Belastungsgrenzen ...
Quelle: Europäische Umweltagentur Diagramm als PDF

Inhaltsverzeichnis

 

Die wichtigsten Fakten

  • 54 % der Fläche empfindlicher Ökosysteme Deutschlands sind durch zu hohe Stickstoff-Einträge bedroht.
  • Die Bundesregierung strebt mit der Neuauflage der Nachhaltigkeitsstrategie 2016 eine Verminderung dieses Anteils bis 2030 auf 37 % an.
  • Nur wenn die Anstrengungen beibehalten werden, den Ausstoß von Luftschadstoffen zu senken, kann dieses Ziel erreicht werden.
 

Welche Bedeutung hat der Indikator?

Ökologische Belastungsgrenzen (sogenannte „Critical Loads“) sind ein Maß für die Empfindlichkeit eines Ökosystems gegenüber dem Eintrag eines Schadstoffs. Liegen die Einträge von Luftschadstoffen über diesen „Critical Loads“, können Struktur und Funktion von Ökosystemen langfristig geschädigt werden.

Durch einen übermäßigen Eintrag von Stickstoffverbindungen aus der Luft in Land-Ökosysteme können Nährstoffungleichgewichte entstehen. In deren Folge ändert sich zum Beispiel die Artenzusammensetzung: Organismen, die stickstoffarme Standorte bevorzugen, werden zugunsten stickstoffliebender Arten verdrängt.

Fast die Hälfte der Farn- und Blütenpflanzen, die in Deutschland in der Roten Liste aufgeführt sind, sind durch Nährstoffeinträge gefährdet. Außerdem werden viele Pflanzen durch die Veränderung der Nährstoff-Verfügbarkeit anfälliger gegenüber Frost, Dürre und Schädlingen. Der Indikator fokussiert auf naturnahe Ökosysteme, insbesondere Wälder, Moore, Heiden und Magerrasen.

 

Wie ist die Entwicklung zu bewerten?

Trotz rückläufiger Stickstoffeinträge wurden die Belastungsgrenzen für die Einträge von Stickstoff im Jahr 2010 immer noch auf 54 % der Fläche empfindlicher Ökosysteme überschritten. 1980 waren es noch 82 % der Fläche. Besonders problematisch sind die hohen Ammoniak-Emissionen durch Tierhaltung und Düngemittelausbringung. Diese sind bisher nur unwesentlich gesunken und auch in näherer Zukunft ist nicht mit einem starken Rückgang zu rechnen.

Die „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ (NBS) enthält das Ziel, die Belastungsgrenzen ab 2020 nicht mehr zu überschreiten (BMU 2007). Dieses Ziel kann nicht mehr erreicht werden, sollte aber aus Sicht des Umweltbundesamtes als Langfristziel weitergeführt werden. Die Bundesregierung hat sich in ihrer Nachhaltigkeitsstrategie 2016 ein neues Ziel gesetzt: Der Anteil der Flächen, die von zu hohen Stickstoffeinträgen betroffen sind, soll zwischen 2005 und 2030 um 35 % sinken (Bundesregierung 2016). Somit ergibt sich mit derzeitigen Berechnungsgrundlagen ein Zielwert von 37 % im Jahr 2030.

Das Umweltbundesamt macht in der Publikation „Reaktiver Stickstoff in Deutschland“ Vorschläge für Maßnahmen, mit denen das Problem der Eutrophierung durch Stickstoff gelöst werden kann (UBA 2015).

 

Wie wird der Indikator berechnet?

Für die Berechnung des Indikators werden im ersten Schritt die kritischen Belastungsgrenzen (Critical Loads) für empfindliche Ökosystemtypen berechnet: Wieviel Stickstoff kann abgelagert werden, ohne dass das Ökosystem langfristig geschädigt wird? Den Critical Loads werden die Stoffeinträge in die Ökosysteme gegenübergestellt, die im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonvention ermittelt wurden. Nähere Informationen finden sich in Berichten der EUA und des Umweltbundesamtes (EUA 2014, UBA 2014). Das Umweltbundesamt arbeitet derzeit im Rahmen eines Forschungsvorhabens an einer nationalen, konsistenten Zeitreihe des Indikators.

Im Rahmen der Berichterstattung zur NBS wird ein verwandter Indikator publiziert (BMUB 2015). Aufgrund abweichender Methoden kommt dieser Indikator zu anderen Werten.

Ausführliche Informationen  zum Thema finden Sie im Daten-Artikel: "Überschreitung der Belastungsgrenzen für Eutrophierung".