Gesundheitsrisiken durch Hitze

Sommerlich hohe Lufttemperatur birgt für Mensch und Umwelt ein hohes Schädigungspotenzial. Der Klimawandel kann vermehrt zu extremer Hitze am Tag und in der Nacht führen, wodurch sich die gesundheitlichen Risiken für bestimmte Personengruppen erhöhen können.

Inhaltsverzeichnis

 

Gesundheitsrisiko Hitze

Der Klimawandel beeinflusst in vielfältiger Weise unsere Umwelt. Klimamodelle prognostizieren, dass der Anstieg der mittleren jährlichen Lufttemperatur zukünftig zu wärmeren bzw. heißeren Sommern führen wird. Extreme Hitzeereignisse können dann häufiger, in ihrer Intensität stärker und auch länger anhaltend auftreten. Es gibt bereits belastbare Hinweise darauf, dass sich die maximale Lufttemperatur in Deutschland in Richtung extremer Hitze verschieben wird (Deutschländer & Mächel, 2017). Dieser Trend ist in der Abbildung „Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius“ bereits deutlich erkennbar. 

Die mit der Klimaerwärmung verbundene zunehmende Hitzebelastung ist zudem von erheblicher gesundheitlicher Bedeutung, da sie den Organismus des Menschen in besonderer Weise beansprucht und zu Problemen des Herz-Kreislaufsystems führen kann. Außerdem fördert eine hohe Lufttemperatur zusammen mit intensiver Sonneneinstrahlung die Entstehung von gesundheitsgefährdendem bodennahem Ozon (siehe „Gesundheitsrisiken von Ozon in Abhängigkeit von der Lufttemperatur“). Anhaltend hohe Lufttemperatur während Hitzeperioden stellt ein zusätzliches Gesundheitsrisiko für die Bevölkerung dar. Bei Hitze kann das körpereigene Kühlsystem überlastet werden. Als Folge von Hitzebelastung können bei empfindlichen Personen Regulationsstörungen und Kreislaufprobleme auftreten. Typische Symptome sind Kopfschmerzen, Erschöpfung und Benommenheit. Ältere Menschen und Personen mit chronischen Vorerkrankungen (wie zum Beispiel Herz-Kreislauf-Erkrankungen) sind von diesen Symptomen besonders betroffen. So verstarben während des Hitzesommers 2003 in Deutschland ca. 7.000 Menschen zusätzlich an den Folgen der Hitzebelastung. Modellrechnungen prognostizieren für Deutschland, dass zukünftig mit einem Anstieg hitzebedingter Mortalität von 1 bis 6 Prozent pro einem Grad Celsius zu rechnen ist, dies entspräche etwa 5.000 bis 8.000 zusätzlichen Sterbefällen pro Jahr durch Hitze bereits bis Mitte dieses Jahrhunderts (Bunz & Mücke, 2017).

Ein Diagramm zeigt die Anzahl der Heißen Tage im Gebietsmittel für die Jahre 1951 bis 2016. Die Entwicklung schwankt stark, aber der Anstieg ist deutlich zu erkennen. Ergänzend ist eine Trendgerade in die Kurve gelegt, die deutlich ansteigt.
Anzahl der Tage mit einem Lufttemperatur-Maximum über 30 Grad Celsius (Gebietsmittel)
Quelle: Deutscher Wetterdienst Diagramm als PDF
 

Heiße Tage und Tropennächte

Zur schnellen und einfachen Einordnung hitzebedingter gesundheitlicher Belastungen dienen unter anderem die klimatologischen Kenngrößen des Deutschen Wetterdienstes (DWD). So ist ein „Heißer Tag“ definiert als Tag, dessen höchste Temperatur oberhalb von 30 Grad Celsius (°C) liegt, und eine „Tropennacht“ als Nacht, deren niedrigste Temperatur oberhalb von 20 °C liegt.

Der Vergleich von „Heißen Tagen“ und „Tropennächten“ für die Jahre 2010 bis 2016 zeigt, dass diese während des letzten „Hitzesommers“ 2015 verstärkt registriert wurden (siehe Karten „Heiße Tage“ und „Tropennächte“). Heiße Tage kamen erheblich häufiger in Süd- als in Norddeutschland vor. Darüber hinaus waren die Menschen in Südwestdeutschland durch Tropennächte besonders belastetet. Die Karten zeigen beispielsweise für Frankfurt/Main, dass zwischen Juni und August 2015 an der außerhalb der Innenstadt liegenden DWD-Messstation Westend insgesamt 30 heiße Tage (entspricht ca. einem Drittel aller Tage des Sommers) und 12 Tropennächte registriert wurden. In 11 Fällen waren heiße Tage mit sich unmittelbar anschließenden Tropennächten kombiniert. Zudem wurden 5 Phasen mit anhaltender Hitzebelastung beobachtet, in denen heiße Tage und Tropennächte mehrtägig aufeinander folgten. Zu erwarten ist, dass die Gesundheitsbelastung während derartiger Hitzephasen – sowohl im Sommer 2015, als auch zukünftig – vor allem für die in Innenstädten wie Frankfurt/Main lebenden Menschen besonders stark ausfallen kann.

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Mehr Tropennächte in Innenstädten

Kürzlich untersuchte eine Studie die klimatischen Verhältnisse von vier Messstationen in Berlin für die Dekade 2001-2010 anhand der beiden Kenngrößen heiße Tage und Tropennächte. Während an den unterschiedlich gelegenen Stationen die Anzahl heißer Tage vergleichbar hoch war, traten Tropennächte an der innerhalb dichter, innerstädtischer Bebauungsstrukturen gelegenen Station wesentlich häufiger auf (mehr als 3 mal so oft) als auf Freiflächen (Fenner et al., 2015). Die Innenstadt speichert die Wärmestrahlung tagsüber und gibt sie nachts wieder ab. Die innerstädtische Minimaltemperatur kann während der Nacht um 5 bis 6 °C über der am Stadtrand liegen. Dies wird als städtischer Wärmeinseleffekt beschrieben.

 

„Hitzewellen“

Von besonderer gesundheitlicher Bedeutung sind zudem Phasen anhaltender Hitzebelastung, in denen heiße Tage in Kombination mit Tropennächten über einen längeren Zeitraum auftreten können. Diese Phasen werden umgangssprachlich Hitzewellen genannt, sie sind gesundheitlich äußerst problematisch, da Menschen nicht nur tagsüber extremer Hitze ausgesetzt sind, sondern der Körper auch in den Nachtstunden durch hohe Lufttemperatur belastet ist und sich wegen der fehlenden Nachtabkühlung nicht erholen kann (Fenner et al., 2015).

Tipps zum Weiterlesen:

Bunz, M. & Mücke, H.-G. (2017): Klimawandel – physische und psychische Folgen. In: Bundesgesundheitsblatt 60, Heft 6, Juni 2017, S. 632-639.

Deutschländer, T. & Mächel, H. (2017): Temperatur inklusive Hitzewellen. S.47-56. In: Guy P. Brasseur, Daniela Jacob, Susanne Schuck-Zöller (Hrsg.) (2017): Klimawandel in Deutschland. Entwicklung, Folgen, Risiken und Perspektiven. ca. 350 S., über 100 Abb., Berlin Heidelberg. DOI 10.1007/978-3-662-50397-3.