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Gesundheit und Umwelthygiene

Flammschutzmittel

Letzte Änderung: 29.05.2012

Was sind Flammschutzmittel?

Flammschutzmittel sind Chemikalien, die Materialien beigefügt werden, damit diese weniger leicht brennen. Flammschutzmittel finden sich in Gehäusen von Elektro- und Elektronikgeräten, Leiterplatten, Kabeln, Teppichrückenbeschichtungen, einigen Textilien sowie Dämm- und Montageschäumen. Viele verschiedene organische und anorganische Chemikalien werden als Flammschutzmittel verwendet. Die organischen Flammschutzmittel bestehen vor allem aus bromierten Verbindungen, halogenhaltigen oder halogenfreien phosphororganischen Verbindungen oder Chlorparaffinen. Als anorganische Flammschutzmittel kommen vor allem Aluminiumtrihydroxid, Magnesiumdihydroxid oder Antimontrioxid zum Einsatz.

Gesundheits- und umweltgefährdende Eigenschaften

Neben der positiven Wirkung des Brandschutzes haben eine Reihe von Flammschutzmitteln jedoch auch problematische Eigenschaften. Besonders einige der halogenierten Flammschutzmittel können die Gesundheit und die Umwelt gefährden. Sie haben eine lange Lebensdauer und können sich in der Umwelt anreichern. Manche Flammschutzmittel bilden ätzende oder hochgiftige Gase beziehungsweise Brandfolgeprodukte, falls es zu einem Brand kommt. Zum Beispiel können sich aus polybromierten Diphenylethern (PBDE) Dioxine und Furane bilden.

Analysen zeigen, dass Hausstaub teilweise hohe Gehalte an Flammschutzmitteln aufweist. Erste Anhaltspunkte, inwieweit diese aus Gebrauchsgegenständen in der Wohnung stammen könnten, liefert das Forschungsprojekt Emissionen von Flammschutzmitteln aus Bauprodukten und Konsumgütern.

In der Muttermilch befinden sich Rückstände von Flammschutzmitteln. Nach heutigem Erkenntnisstand stellen sie für gestillte Säuglinge in Deutschland kein Gesundheitsrisiko dar. Das zeigt eine Studie, die das Bundesinstitut für Risikobewertung im Rahmen des Aktionsprogramms Umwelt und Gesundheit im Auftrag des Umweltbundesamtes erstellte. Fachleute untersuchten deutschlandweit  128 Milchproben von 89 Müttern auf PBDE. Die aus den gewonnenen Daten geschätzte beim Stillen aufgenommene Menge an Flammschutzmitteln war für einen vier Monate alten Säugling zehntausendfach geringer als die in Tierexperimenten ermittelte Dosis, bei der keine nachteiligen Wirkungen beobachtet wurden.

PBDE sind fettlöslich und in der Umwelt schwer abbaubar. Dadurch reichern sie sich in der Nahrungskette an und gelangen so auch in den menschlichen Körper. Muttermilch ist wegen ihres hohen Fettgehaltes ein wichtiger Anzeiger (Bioindikator) für die gesamte Belastung des menschlichen Organismus mit diesen chemischen Verbindungen. PBDE umfassen mehr als 200 Einzelverbindungen und werden in drei Gemischtypen (Penta-BDE, Octa-BDE und Deca-BDE) eingesetzt. In der Studie gelang es erstmalig, in Muttermilch aus Europa die Hauptkomponente des Gemisches Deca-BDE, das PBDE-Kongener 209, nachzuweisen. Dieses Gemisch ist bislang nicht verboten.

Die Studie zeigt, dass die PBDE-Gehalte in Muttermilch in Deutschland im Vergleich zu anderen europäischen Ländern im unteren Bereich liegen. Tierische Lebensmittel sind eine wesentliche Quelle für die Belastungen. So war der mittlere PBDE-Gehalt in den Proben der Nicht-Vegetarierinnen signifikant höher als bei den Vegetarierinnen. Die Aufenthaltszeiten vor dem Bildschirm - Fernseher und Computer enthalten auch Flammschutzmittel - spielten hingegen keine Rolle. Je mehr Kinder eine Mutter in ihrem Leben gestillt hat, desto niedriger war der PBDE-Gehalt der Muttermilch. Bei BDE 209 hatten weder die Ernährungsweise noch die Zahl der Stillperioden einen signifikanten Einfluss.

Gesetzliche Regelungen

Die Flammschutzmittel Penta-BDE und Octa-BDE sind seit 2003 mit der europäischen Richtlinie 2003/11/EG wegen der Gefährdung der Umwelt und zum vorbeugenden Schutz gestillter Säuglinge verboten. Stoffe, Zubereitungen und Erzeugnisse mit einem Gehalt von mehr als 0,1 Gewichtsprozent Penta-BDE oder Octa-BDE dürfen nicht mehr in den Verkehr gebracht oder verwendet werden. Die Chemikalienverbotsverordnung setzte das Verbot 2004 in deutsches Recht um.

Ziel des Gesundheits- und Umweltschutzes ist es, problematische Flammschutzmittel durch weniger problematische oder durch nicht brennbare Materialien und veränderte Produktkonstruktionen zu ersetzen. Aus Vorsorgegründen hält es das Umweltbundesamt für unerlässlich, alle in der Umwelt schwer abbaubaren und sich in Organismen anreichernden Verbindungen mit umwelt- und gesundheitspolitischen Maßnahmen zu kontrollieren.

 

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