GE-I-5 Überträger von Krankheitserregern – Fallstudie

Großaufnahme einer Asiatischen Tigermücke auf Wasseroberfläche.zum Vergrößern anklicken
Die Asiatische Tigermücke kann eine Vielzahl von Krankheitserregern übertragen
Quelle: Sean McCann - Asian Tiger Mosquito / flickr.com CC BY-NC-SA 2.0

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

GE-I-5: Überträger von Krankheitserregern – Fallstudie

Wärmere Klimabedingungen können die Etablierung und Ausbreitung der Asiatischen Tigermücke in Deutschland begünstigen. Wächst zugleich auch die Durchseuchung der Mücke mit Krankheitserregern, steigt die Infektionsgefahr für den Menschen. Vor allem zwischen 2012 und 2013 haben die positiven Befunde von Eiern und Mücken in Fallen und Beprobungen im Oberrheingebiet deutlich zugenommen.

Grafik zu Anteil positiver Befunde Tigermücke in % in Jahren
Anteil positiver Befunde von Eiern oder adulten Tigermücken von 2005 bis 2013
Quelle: Umweltbundesamt
 

Exotische Mücken bergen neue Gesundheitsrisiken


Die Erreger von Malaria, Dengue, Leishmaniose, Q-Fieber oder Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) werden von Tieren, sogenannten Vektoren, auf den Menschen übertragen und verbreitet. Es wird befürchtet, dass in Deutschland unter künftig veränderten Klimabedingungen sowohl für die tierischen Überträger wie beispielsweise Stechmücken oder Zecken als auch für die Erreger selbst günstigere Bedingungen herrschen und infolge dessen auch das Infektionsrisiko für den Menschen steigt.

Die Mechanismen, die für die Aufnahme, Entwicklung und Vermehrung von Krankheitserregern in Vektoren und die Übertragung auf Tiere und Menschen verantwortlich sind, sind hoch komplex und in vielen Fällen auch noch nicht vollständig aufgeklärt. Veränderte klimatische Verhältnisse können an mehreren Stellen dieses Zusammenwirkens von Krankheitserregern und Vektoren Einfluss auf die Entwicklungen nehmen. Verändern sich für die tierischen Vektororganismen die klimatischen Verhältnisse ihrer Umwelt, kann dies unter anderem Änderungen in ihrem Verhalten, ihrer Vermehrungssrate, ihrer Lebensdauer, ihrer Populationsdichte oder ihrer Biotopwahl zur Folge haben. Auch ihre Effizienz bei der Übertragung von Krankheitsüberträgern kann beeinflusst sein. Milde Winter können beispielsweise dazu führen, dass die Tiere längere Zeit im Jahr aktiv sind, sich schneller vermehren und mehr Generationen ausbilden.

Außerdem kann es dazu kommen, dass sich ursprünglich in Deutschland nicht heimische Vektorarten, die aus warmen Ländern eingeschleppt werden, hier etablieren und verbreiten. Das gelingt diesen Arten insbesondere dann, wenn sie Varianten ausbilden, die beispielsweise durch höhere Kältetoleranz der Weibchen oder überdauernde Eier auch an nicht tropische Bedingungen angepasst sind. Ähnliche Zusammenhänge gelten für die Erreger der Krankheiten selbst. Auch diese können von der Klimaerwärmung in ihrer Entwicklung und Etablierung profitieren.

Die Untersuchung der Zusammenhänge zwischen Klimawandel und Vektor- bzw. Erregerausbreitung ist noch im Aufbau. Während die Erfassung der meisten von Vektoren übertragenen Infektionskrankheiten aufgrund der Regelungen des Infektionsschutzgesetzes (u. a. Meldepflichten) bereits systematisch und i. d. R. auch bundesweit stattfindet, mangelt es noch an einem großflächig angelegten Monitoring von Vorkommen und Verbreitung von Vektorarten und deren Durchseuchung mit den Erregern. Aufgrund dessen beschränkt sich die links stehende Darstellung beispielhaft nur auf einen Vektor, die Asiatische Tigermücke (Aedes albopictus), eine ursprünglich aus Südostasien stammende Stechmückenart. Sie gilt als hocheffizienter Vektor, der über 20 unterschiedliche Viren übertragen kann.

Die Tigermücke ist in Südeuropa inzwischen in einer aus den USA stammenden, bereits an nicht tropische Verhältnisse angepassten Form etabliert. Demgegenüber sind aus Deutschland bisher nur Einzelfunde von Eiern, Larven und erwachsenen Tieren bekannt. Mit dem wachsenden Personen- und Warenverkehr besteht allerdings das Risiko, dass in zunehmenden Maße Einzelindividuen aus Südeuropa und anderen nicht tropischen Regionen nach Deutschland eingeschleppt werden und sich da, wo sie günstige Klimaverhältnisse vorfinden, auch etablieren und weiter ausbreiten. Damit sind erste Voraussetzungen geschaffen, dass sich auch Erreger wie die des Chikungunya-Fiebers, des Dengue-Fiebers oder anderer Virusinfektionen mit den Stechmücken assoziieren  und das Risiko von Infektionen des Menschen steigt. Allerdings sind genauere Prognosen bisher nicht möglich.

Die Rheinebene ist innerhalb Deutschlands bereits heute eine wärmebegünstigte Region. Sie gilt deshalb als eine wichtige Eintrittspforte wärmeliebender Arten aus den Nachbarländern (u. a. der Schweiz und Italien) nach Deutschland. Seit dem Jahr 2005 wird das Auftreten der Tigermücke im Oberrheingebiet erfasst. Im Jahr 2007 gab es einen ersten Nachweis. Damals wurden 105 Fallen untersucht und in einer von über tausend Beprobungen fünf Eier der Tigermücke nachgewiesen. Nach einer Unterbrechung des Monitoring in den Jahren 2010 und 2011 und der Aufstellung neuer Fallentypen kam es im Jahr 2012 erneut zu positiven Befunden, es wurden insgesamt acht Tiere gefunden. Ein Prozent aller Fallenbeprobungen war positiv. Im Jahr 2013 ergaben bereits 13 % aller Fallen und etwas über 2 % aller Beprobungen Nachweise von Eiern oder ausgewachsenen Mücken. Auch wenn im Jahr 2013 gegenüber dem Vorjahr mehr Fallen aufgestellt waren und mehr Beprobungen stattgefunden haben, deuten die gefundenen 149 Eier und 14 Mücken darauf hin, dass es sich inzwischen nicht mehr um Einzelfunde handelt.

 

Ziele

Bund und Länder sollten zusätzliche Daten gewinnen und analysieren, um epidemiologische Entwicklungen in Deutschland rechtzeitig zu erkennen, ihre Ursachen und Zusammenhänge zu verstehen, Risiken besser abschätzen zu können und Präventions- und Interventionsstrategien zu entwickeln. (DAS, Kap. 3.2.1)