FW-R-1 Mischbestände

Luftaufnahme eines Mischwaldes im Frühjahr.zum Vergrößern anklicken
Die Klimaprojektionen sind unsicher, doch Mischbestände streuen das Risiko.
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Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-R-1: Mischbestände

Angesichts unsicherer Vorhersagen zur künftigen Klimaentwicklung ist die Förderung der Arten- und Strukturvielfalt im Wald eine geeignete Strategie, das Risiko zu streuen. Mischwälder aus zwei und mehr Baumarten bedeckten im Jahr 2002 knapp 54,9 %, in 2012 bereits 57,8 % der Waldfläche. Lässt man den Anteil naturnaher Reinbestände außer Acht, ließe sich noch auf etwa einem Viertel der gesamten Waldfläche der Mischwaldanteil weiter steigern.

Balkendiagramm für die Jahre 2002 und 2012 zur Darstellung des Flächenanteils der Mischungsformen an der Gesamtwaldfläche (%): Mischwald mit 2, 3, 4 und mehr Baumarten, naturnaher, nicht-naturnaher Reinbestand und Wald ohne Bestockungsangabe.
FW-R-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Mischwälder – Vielfalt streut das Risiko

Unter Waldexperten besteht Übereinstimmung, dass sich der Klimawandel ab der zweiten Hälfte des 21. Jahrhunderts besonders stark auf den Wald auswirken wird. Die möglichen Klimawandel-Szenarien sehen aber durchaus unterschiedlich aus. Das bedeutet, dass die Forstwirtschaft mit erheblichen Planungsunsicherheiten umgehen muss. Gleichwohl ist es möglich, die verschiedenen Wahrscheinlichkeiten der zukünftigen Klimaentwicklung im Planungsprozess zu berücksichtigen. Die Baumartenmischung ist ein wichtiger Ansatzpunkt, um die Bestände stabiler und vitaler zu machen und damit die wichtigen Waldfunktionen auch für die Zukunft sicherzustellen. Die Steuerung der Baumartenmischung bedarf allerdings aufgrund der Langlebigkeit der Waldbäume weit vorausschauender Waldumbaustrategien.

Mit der gezielten Förderung von Mischwäldern verfolgen die Forstwirte eine Strategie der Risikostreuung unter dem Motto: Je mehr unterschiedliche Bäume eine Waldgemeinschaft bilden und je vielfältiger die Waldstrukturen sind, desto geringer wird das Risiko sein, dass im Falle einer schleichenden oder plötzlichen Veränderung der Standortbedingungen der gesamte Wald von Schäden betroffen sein wird oder gar ganz zusammenbricht. Es wird dann immer einzelne Arten geben, die auch mit den neuen Bedingungen gut zurechtkommen und die Grundlage einer neuen Bestandsentwicklung bilden können. Außerdem ist Baumartenvielfalt meist auch mit einem hohen Maß an Struktur- und Lebensraumvielfalt verbunden. Damit einhergehen vielfältige Lebensräume für Gegenspieler von Schaderrergern und in der Folge geringere Ausbreitungs- und Befallsmöglichkeiten als in homogenen Reinbeständen. Die Anfälligkeit von Mischbeständen gegenüber Schaderregern ist daher häufig geringer. Aus Produktionsgesichtspunkten kann eine Diversifizierung im Baumbestand auch eine geeignete Antwort auf unsichere zukünftige Holzpreise sein.

Gleichförmige und artenarme Bestände stehen aus den genannten Gründen derzeit im besonderen Fokus forstwirtschaftlicher Bemühungen zum Waldumbau; hier wird die größte Handlungsnotwendigkeit gesehen. Grundsätzlich besteht das Ziel, diese Bestände in vielfältigere Bestände umzuformen und damit die erwünschte Risikostreuung zu erreichen. Gleichzeitig müssen jedoch die spezifischen standörtlichen Voraussetzungen, Ertragsaspekte und andere Waldfunktionen im Blick bleiben. Auf bestimmten Standorten stellen sich von Natur aus Reinbestockungen mit Bäumen einer Art wie beispielsweise der Buche ein, auf anderen entwickeln sich natürlicherweise Mischbestockungen sehr unterschiedlicher Ausprägung. Grundsätzlich gilt, dass dem Anteil von Mischbeständen natürlicherweise Grenzen gesetzt sind, allerdings ist das Optimum an Mischung in den deutschen Wäldern noch lange nicht erreicht.

Die Mischbestandsfläche nimmt in den deutschen Wäldern zu, und mit Blick auf Anpassungserfordernisse geht die Entwicklung in die richtige Richtung. Die Bundeswaldinventur aus dem Jahr 2002 ergab, dass knapp 55 % der Waldfläche gemischt und rund 45 % ungemischt bestockt sind. Zu den restlichen knapp 5 % lagen keine Bestockungsangaben vor. Die Ergebnisse aus der Folgeinventur im Jahr 2012 zeigen, dass sich der Anteil der Mischwaldfläche auf knapp 58 % erhöht hat. Die Fläche der naturnahen Reinbestände ist mit 11 % stabil geblieben. Die nicht-naturnahen Reinbestände, die vor allem aus Fichte und Kiefer bestehen und auf die sich die Bemühungen zum Waldumbau konzentrieren, sind im genannten Zeitraum um 3 Prozentpunkte zurückgegangen.

Für die Bewertung des Ergebnisses ist nicht relevant, ob die Zunahme der Mischbestände letztendlich Ergebnis zielgerichteter Waldumbaumaßnahmen ist oder sich diese Veränderungen spontan, d. h. im Zuge natürlicher Sukzessionsprozesse, vollziehen.

 

Schnittstellen

FW-R-2: Förderung des Waldumbaus

FW-R-4: Erhaltung forstgenetischer Ressourcen

FW-R-3: Umbau gefährdeter Fichtenbestände

 

Ziele

Die Waldeigentümer sollten den Waldumbau von Reinbeständen in standortgerechte, risikoarme Mischbestände voranbringen (DAS, Kap. 3.2.7).

Begründung vielfältiger, stabiler und ertragsstarker Mischwälder (Waldstrategie 2020, S. 23)

Erhaltung der Waldfläche in Deutschland und Steigerung der Stabilität, Vielfalt und Naturnähe der Wälder. Anbau standortgerechter Baumarten mit hoher Widerstandfähigkeit und Wuchsleistung
(Waldstrategie 2020, S. 23)

Anpassung der Wälder an die Herausforderungen des Klimawandels z. B. durch Anbau möglichst vielfältiger Mischbestände (NBS, Kap. B 1.2.1)

Kontinuierliche Reduktion des Anteils nicht-standortheimischer Baumarten (NBS, Kap. B 1.2.1)

Erhaltung und Entwicklung der natürlichen und naturnahen Waldgesellschaften (NBS, Kap. B 1.2.1)