FW-I-2 Gefährdete Fichtenbestände

Lichtung in Fichtenforst, in den die Sonne scheint.zum Vergrößern anklicken
Fichten stehen heute zuweilen auf Standorten, die zu warm und zu trocken für den Anbau sind.
Quelle: suedberliner / pixelio.de

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

FW-I-2: Gefährdete Fichtenbestände

Die Fichte wird unter den sich verändernden Klimabedingungen zunehmend für sie ungünstige Wuchsbedingungen vorfinden. Zwischen 2002 und 2012 hat sich die Risikosituation in den deutschen Wäldern noch nicht gravierend verändert. Fichten auf Hochrisikostandorten sind nicht in relevantem Umfang zurückgegangen. Insgesamt nahm die dominant mit Fichten bestockte Waldfläche ab.

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FW-I-2 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Fichte gerät zunehmend unter Druck

Die gezielte Ausweitung des Fichtenanbaus in deutschen Wäldern begann vor über 200 Jahren. Die Wälder waren damals vielerorts aufgrund von Waldweide und intensiver Holznutzung in einem schlechten, sehr stark aufgelichteten Zustand. Die Fichte wurde aufgrund ihrer Anspruchslosigkeit, Robustheit und leichten Vermehrbarkeit als die ideale Baumart gesehen, um Flächen rasch wiederzubewalden. Das gut und vielseitig verwertbare Holz galt als geeignet, um die befürchtete Holznot zu überwinden. Allerdings ist die Fichte durch ihr meist flaches Wurzelsystem sturm­ und trockenheitsempfindlich.

Als Folge der massiven Ausweitung des Fichtenanbaus wurde die Baumart auch auf Standorten angebaut, die ihren Ansprüchen an eher kühle und feuchte Klimabedingungen nicht gerecht werden und die den Klimawandelszenarien zufolge künftig noch wärmer und trockener werden.
Früh zeigte sich, dass Fichtenreinbestände ein hohes Anbaurisiko aufweisen. Schon Ende des 19. Jahrhundert kam es infolge von Schädlingsbefall oder Sturmereignissen immer wieder zu einer Zerstörung lokaler Bestände. Allerdings verdeutlichten erst die großflächigen Schadereignisse der letzten zwei Jahrzehnte das Ausmaß der Anfälligkeit der Fichte. Starke Orkane wie Vivian bzw. Wiebke, Lothar und Kyrill führten zu hohen Schadholzmengen.

Selbst bei einem moderaten Temperaturanstieg von unter 2 °C wird das Anbaurisiko der Fichte deutlich zunehmen, weil zunehmend mehr Anbauregionen in den Bereich jenseits der Wärme- und Trockenheitsgrenze der Fichte geraten werden. Probleme wie beispielsweise überdurchschnittlicher Schädlingsbefall und geringe Wuchskraft, die jetzt nur in Randregionen des Fichtenanbaus auftreten, werden zukünftig auch Gebiete betreffen, die bislang als ertragreiche Anbaugebiete mit beherrschbarem oder tolerierbarem Risiko gegolten haben.

Mit der Bundeswaldinventur werden die Waldverhältnisse und die Produktionsmöglichkeiten regelmäßig auf Stichprobenbasis erfasst. Bei der zweiten Inventur im Jahr 2002 erfolgten die Erhebungen erstmalig auch bundesweit. 2012 wurde die dritte Inventur durchgeführt. Überlagert man die bei der zweiten und dritten Bundeswaldinventur ermittelte Fichtenfläche mit klimatischen Risikobereichen für die Fichte, die für die Klimanormalperiode 1981-2010 festgelegt wurden, wird deutlich, dass sich in diesem Zeitraum kaum Änderungen vollzogen haben. 2002 standen 12,7 % aller Fichten in Bereichen, in denen sie einem sehr hohen und hohen klimatischen Risiko ausgesetzt sind, in denen also die klimatischen Bedingungen aufgrund geringer Niederschlagssummen und vergleichsweise hoher Jahresdurchschnittstemperaturen zum damaligen Zeitpunkt schon sehr ungünstig waren. Dieser Anteil lag 2012 noch immer bei 12,5 %. Der Anteil der Fichtenfläche (mit mind. 90 % Bestockungsanteil der Fichte) in Bereichen mit sehr geringem und geringem Risiko ist demgegenüber zwischen 2002 und 2012 um 1,2 Prozentpunkte angestiegen. Diese nur geringen Veränderungen erlauben den Rückschluss, dass sich die Risikosituation für Trockenschäden im Zeitraum zwischen 2002 und 2012 noch nicht in relevantem Umfang verändert hat.

Insgesamt war die Fichtenwaldfläche im Jahre 2012 gegenüber 2002 um 215.000 Hektar kleiner. Infolgedessen ist der Bestockungsanteil der Fichte an der gesamten Waldfläche in Deutschland von 28,4 % auf 25,4 % zurückgegangen. Diese Entwicklung ist zum größten Teil auf Sturmwürfe der Fichte und den Waldumbau von Fichtenreinbeständen in Laub- und Mischwälder zurückzuführen, mit dem die Standortgerechtigkeit der Wälder verbessert werden soll. Eine spezifische Anpassung von trockenheitsgefährdeten Fichtenbeständen spielte dabei bisher eine untergeordnete Rolle.

Grundsätzlich gehört die Ermittlung der Anbaurisiken bzw. -potenziale für forstlich bedeutsame Arten zu den wichtigen Planungshilfen für die Forstwirtschaft. Lassen sich die Risiken eines Misserfolgs beim Anbau abschätzen, kann die Forstwirtschaft bei allen Unsicherheiten und Wissenslücken die betrieblichen Entscheidungen der Baumartenwahl daran ausrichten.

 

Schnittstellen

FW-I-5: Schadholzaufkommen durch Buchdrucker

FW-R-3: Umbau gefährdeter Fichtenbestände

 

Ziele

Voranbringen des Waldumbaus von Reinbeständen in standortgerechte, risikoarme Mischbestände
(DAS, Kap. 3.2.7)

Erhaltung der Waldfläche in Deutschland und Steigerung der Stabilität, Vielfalt und Naturnähe der Wälder. Anbau standortgerechter Baumarten mit hoher Widerstandfähigkeit und Wuchsleistung
(Waldstrategie 2020, S. 23)

Kontinuierliche Reduktion des Anteils nicht-standortheimischer Baumarten (NBS, Kap. B 1.2.1)