Umweltbewusststein und Umweltverhalten

Das Umweltbewusstsein in Deutschland ist differenziert zu betrachten: Die meisten Bürgerinnen und Bürger bewerten die Qualität ihrer lokalen Umwelt positiv. Sie sind im Hinblick auf die globalen Verhältnisse aber eher skeptisch. Die politische Bedeutung des Umwelt- und Klimaschutzes stieg in ihren Augen seit dem Jahr 2010. Zum Teil erhöhte sich auch das persönliche Engagement für den Klimaschutz.

Das Umweltbewusstsein in Deutschland

Das Bundesumweltministerium und das Umweltbundesamt lassen seit dem Jahr 1996 alle zwei Jahre Bürgerinnen und Bürger in einer repräsentativen Umfrage nach ihrer Einschätzung der Umweltqualität sowie zu aktuellen Themen der Umweltpolitik befragen. Diese Studien zum „Umweltbewusstsein in Deutschland“ zeigen, die Bevölkerung schätzt die Qualität der Umwelt sehr unterschiedlich ein, je nachdem ob nach der globalen, der nationalen oder der lokalen Umwelt gefragt wird.

Umweltqualität und Gesundheitsbelastung

Die meisten Bürger und Bürgerinnen sind mit der Qualität der Umwelt in der eigenen Gemeinde zufrieden. Seit der Befragung im Jahr 2000 bewerteten mehr als 79 Prozent (%) die lokale Umweltqualität mit sehr oder mit recht gut. Die Umweltqualität in Deutschland hielten mehr als 80 Prozent der Befragten in den Jahren 2002 und 2004 ebenfalls für recht oder sehr gut. Danach sank diese Quote und nur noch zwei Drittel aller Befragten waren zufrieden. Deutlich weniger gut schätzten die Befragten die globale Umweltqualität ein. Die Angaben schwankten: Im Jahr 2006 gaben neun Prozent der Befragten an, die weltweite Umweltqualität sei recht oder sehr gut. Im Jahr 2002 und 2012 waren es 20 beziehungsweise 21 Prozent (siehe Tab. „Trends in der Beurteilung von Umweltqualität“).

Obwohl die Befragten die Umweltqualität im lokalen Umfeld mehrheitlich als gut wahrnehmen, fühlten sich seit der Umfrage im Jahre 2006 fast 30 % der Bevölkerung durch Umweltprobleme gesundheitlich stark belastet (siehe Abb. „Gesundheitsbelastung durch Umweltprobleme").

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Politischer Stellenwert des Umweltschutzes

Nach den wichtigsten Problemen in Deutschland gefragt, gaben im Jahre 2012 bei zwei erfassten Nennungen 35 Prozent (%) der Befragten spontan einen Aspekt des Umwelt- und Klimaschutzes an (siehe Abb. „Umweltschutz als eines der wichtigsten Probleme“). Damit stehen Aspekte des Umwelt- und Klimaschutzes auf Platz zwei hinter dem politischen Top-Thema: 36 % der Befragen nannten dabei die Wirtschafts- und Finanzpolitik. 40 % der Befragten hielt im Jahr 2012 einen ausreichenden Umwelt- und Klimaschutz zudem für eine Voraussetzung, um gesellschaftliche Herausforderungen wie die „Globalisierung“ zu meistern – das sind 6 % mehr als noch 2010.

Der Ruf nach einem stärkeren Engagement der Bundesregierung im Umweltschutz nimmt wieder zu: Während er in den Jahren 2000 bis 2008 von 73 auf 56 % gefallen war – mit einem Zwischenhoch von 70 % in 2006 –, verlangten 2012 wieder 64 % der Bevölkerung ein aktiveres Handeln auf politischer Ebene. Nur eine kleine Minderheit von 6 % plädiert für ein Nachlassen der Bemühungen im Umweltschutz (siehe Tab. „Bewertung der Politik der Bundesregierung für den Umweltschutz“).

Beim Engagement der verschiedenen Akteure im Klimaschutz gibt es nach Meinung der Befragten deutliche Unterschiede:

  • 77 % der Befragten hielten das Engagement von Umweltverbänden für genug und eher genug.
  • Das Engagement von Städten und Gemeinden sowie Bürgerinnen und Bürgern beurteilen 50 bzw. 51 % als ausreichend.
  • Die Bewertung der Bundesregierung hat sich verbessert: Im Jahr 2010 waren 38 % zufrieden, im Jahr 2012 46 %.
  • Kritisch wird das Engagement der Industrie beurteilt: 1 % glaubte im Jahr 2012, die Industrie tut „genug“, weitere 13 % glauben, sie tut „eher genug“.

 

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Mehr Öko-Strom

Das Problembewusstsein für Klimaschutz ist einerseits gestiegen. Drei Beispiele:

  • Im Jahr 2008 gaben 3 Prozent (%) der Befragten an, Ökostrom zu beziehen. Im Jahr 2010 waren es 8 %, im Jahr 2012 sogar 20 %.
  • Im Jahr 2012 tätigten nach eigener Aussage 12 % der Befragten Geldanlagen in erneuerbare Energien. Im Jahr 2008 waren es 2 %, 2010 4 %.
  • Im Jahr 2012 sagten 9 % aller Befragten, dass sie finanzielle Ausgleichszahlungen für selbstverursachte Klimagase, etwa im Verkehr, leisten. Im Jahr 2010 hatten das 3 % angegeben.

Andererseits haben viele Befragte im Jahr 2012 dem Klima- und Umweltschutz im Alltag weniger Aufmerksamkeit geschenkt als zwei Jahr zuvor. Im Jahr 2010 gaben 83 % der Befragten an, nicht gebrauchte Geräte auszuschalten, rund zwei Drittel sagten, beim Neukauf auf energieeffiziente Geräte zu achten und 90 % waren bereit, Müll zu trennen. Die Umfrage im Jahr 2012 zeigte, dass es 74 % der Befragten wichtig war, Geräte auszuschalten. 52 % gaben an, beim Kauf auf energieeffiziente Geräte zu achten, und 77 % wollten Müll trennen. Die Werte von 2012 entsprechen dabei fast genau wieder denjenigen aus dem Jahre 2008.

Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit

Im Jahr 2010 gab rund ein Viertel der Befragten an, dass zunächst Fortschritte bei den Aufgaben „Schaffung von Arbeitsplätzen“ sowie „Für mehr soziale Gerechtigkeit sorgen“ zu erzielen seien, bevor man sich um Umwelt- und Klimaschutz kümmern solle. Dieser Anteil der Befragten hat im Jahr 2012 um jeweils 9 Prozent zugenommen. Die statistische Auswertung der Umfragedaten zeigt auch, dass Menschen mit niedrigen Einkommen und Ausstattungsniveaus sowie die Gruppe der Befragten unter 29 Jahren in einzelnen Verhaltensbereichen weniger umweltorientiertes Handeln zeigt wie andere Bevölkerungsgruppen. Drei Beispiele:

  • Geringverdiener und Jüngere sind in jenem Drittel der Befragten überrepräsentiert, welches nie Bio-Produkte kauft. Von diesem Drittel glauben über 90 %, dass Bio-Produkte zu teuer seien, und rund 80 % stellen auch die Umweltfreundlichkeit und Qualität solcher Produkte grundsätzlich in Frage.
  •  Geringverdiener und Jüngere sind auch in jenem Viertel der Befragten stärker vertreten, das angab, dass ihnen Sparen von Strom, Wasser und Heizkosten sowie Mülltrennung und -vermeidung in ihrem Alltag „eher nicht gut“ gelinge.

Geringverdiener und Jüngere bejahen auch seltener nachhaltige Verhaltensweisen, wie sich in einer statistischen Zusammenfassung aller Nachhaltigkeitsaspekte in der alltäglichen Haushaltsführung zeigt.

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