Demografischer Wandel

Eine Bevölkerungszunahme oder -abnahme kann sich – regional unterschiedlich – auf Umweltnutzung und Umweltzustand auswirken. Nach einer Korrektur der Bevölkerungszahl durch den Zensus 2011 stieg die Bevölkerung Deutschlands bis 2015. Das lag vor allem an kurzfristig wirksamen Faktoren wie der Zuwanderung von Flüchtlingen. Auf lange Sicht wird die Bevölkerung voraussichtlich abnehmen.

Inhaltsverzeichnis

 

Entwicklung der Bevölkerung in den Bundesländern

Von 1990 bis 2015 nahm die Bevölkerung im früheren Bundesgebiet in allen Bundesländern zu (siehe Tab. „Bevölkerung nach Bundesländern 1990 bis 2015“). Aufgrund der Ergebnisse zum Zensus 2011 der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder musste die Bevölkerungsstatistik korrigiert werden. Die Datenerhebung zum Zensus 2011 zeigte, dass 2011 in Deutschland 1,5 Millionen Menschen weniger als bisher angenommen lebten. Nach der neuen Berechnungsgrundlage des Zensus 2011 stieg die Bevölkerung von 2011 bis 2015 wieder an. In allen Bundesländern erhöhte sich die Bevölkerungszahl von 2014 (31.12) auf 2015 (31.12.).  Besonders in den bevölkerungsreichsten Ländern Nordrhein-Westfalen (+ 227.000 Personen), Baden-Württemberg (+ 163.000 Personen) und Bayern (+ 152.000 Personen). In den Stadtstaaten verzeichnete Berlin (+ 50.100 Personen) vor Hamburg (+ 24.600 Personen) die höchsten Zuwächse.

In den Neuen Ländern nahm die Bevölkerung nach 1990 ab. Zunahmen gab es in den alten Bundesländern.
Tab: Bevölkerung nach Bundesländern 1990 bis 2015
Quelle: Statistisches Bundesamt Tabelle als PDF zur vergrößerten Darstellung
 

Bevölkerungsdichte in Deutschland

In Deutschland lebten 2015 (31.12.) auf einem Quadratkilometer (km²) im Schnitt 227 Einwohner. Die drei bevölkerungsreichsten Länder waren Nordrhein-Westfalen (17,9 Mio. Einwohner), Bayern (12,8 Mio. Einwohner) und Baden-Württemberg (rund 10,9 Mio. Einwohner). In diesen drei Bundesländern, die 39 Prozent (%) der Fläche Deutschlands einnehmen, lebte etwa die Hälfte der Bevölkerung (50,5 %) (siehe Tab. „Fläche und Bevölkerung 2015“).

Gebiet Deutschland 2015: 357.375,62 km², Bevölkerung in Deutschland 2015 (31.12.) 82,175 Millionen.
Tab: Fläche und Bevölkerung 2015
Quelle: Statistisches Bundesamt Tabelle als PDF zur vergrößerten Darstellung
 

Sehr unterschiedliche Bevölkerungsdichten

Große Unterschiede in der Bevölkerungsdichte gab es zwischen Stadt und Land. Die höchste Bevölkerungsdichte wiesen 2015 die Stadtstaaten wie Berlin mit 3.891 Einwohner pro Quadratkilometer (EW/km²), Hamburg mit 2.334 EW/km² und Bremen mit 1.578 EW/km² auf. Vergleicht man die Flächenländer miteinander, so lag Nordrhein-Westfalen 2014 mit 517 EW/km² an erster Stelle. Am geringsten war die Bevölkerungsdichte 2015 in Mecklenburg-Vorpommern 69 EW/km² und in Brandenburg mit 83 EW/km².

 

Stadt und Land

Eine weitere Zunahme der Bevölkerung in den Städten und Abnahme in den stadtentfernten ländlichen Regionen wird sich auf die jeweilige Nutzung und den Zustand der Umwelt auswirken. Zunahme der Bevölkerung in den Großstädten wie Berlin, München, Hamburg, Köln, Frankfurt und Stuttgart, Leipzig und Dresden bedeutet immer mehr Flächenbelegung, Bodenversiegelung durch den Wohnungsbau, Infrastruktur, Verkehr und Lärm durch zunehmende Pendlerströme und Luftverschmutzung.

 

Demografie und effiziente Flächennutzung

Eine stagnierende oder sinkende Bevölkerung hat nicht in jedem Fall eine Umweltentlastung zur Folge. Leere Wohnungen und Bürogebäuden sowie Gewerbebrachen bleiben bestehen. Viele Gebäude, Verkehrs- und Versorgungsstrukturen müssen weiter betrieben, gewartet und instand gehalten werden. In Schrumpfungsregionen verschlechtert sich insgesamt die Effizienz der Auslastung von Gebäuden und Infrastrukturen. Dadurch steigt die ökologische und ökonomische Belastung pro Kopf der Bevölkerung. Denn die Gebäude und Infrastrukturen dienen immer weniger Nutzern und müssen von immer weniger Nutzern bezahlt werden.

In stagnierenden Regionen kann Zersiedelung die Effizienz der Gebäude- und Infrastrukturnutzung weiter verschlechtern und die pro-Kopf-Umweltbelastung erhöhen. Das kann vor allem dann geschehen, wenn einige Siedlungen erweitert werden und sich die Auslastung anderer verschlechtert.

Die Anforderungen an eine Siedlungsplanung und Wohnungspolitik sind daher künftig, in Wachstumsregionen die Siedlungen möglichst flächensparend, umwelt- und sozialverträglich zu entwickeln und in stagnierenden oder schrumpfenden Regionen die Gebäude und Infrastrukturen kostengünstig und dabei umwelt- und sozialverträglich an den künftigen Bedarf anzupassen.

 

Hilfe bei der Anpassung

Statt Siedlungen und Infrastrukturen auszubauen, sollte der Bestand – wenn möglich – effizienter genutzt werden. Das Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung (BBSR) sowie das Umweltbundesamt untersuchen im Rahmen von Forschungsvorhaben regelmäßig umwelt- und sozialverträgliche Anpassungsstrategien für schrumpfende Regionen. Diese werden auch in wirtschaftlich starken Regionen und Universitätsstädten erforderlich sein, falls die Geburtenraten niedrig bleiben. Denn Kinder, die in den letzten Jahrzehnten nicht geboren wurden, fehlen heute als Eltern künftigen Nachwuchses.

 

Die Bevölkerungspyramide

Die aktuellsten Schätzungen zur Altersstruktur zeigen: 2014 betrug der Anteil der Heranwachsenden (unter 20-Jährige) rund 18 Prozent (%). Auf die Bevölkerung im Alter von 20 bis 65 Jahren entfielen 61 % und der Anteil der über 65-jährigen lag bei 21 %. Die abnehmende Zahl der Geburten und das Altern der gegenwärtigen stark besetzten mittleren Jahrgänge führen zu Veränderungen in der Altersstruktur der Bevölkerung. Eine klassische Bevölkerungsstruktur, bei der die Kinder die stärksten Jahrgänge stellen und die Besetzungszahlen der älteren Jahrgänge allmählich als Folge der Sterblichkeit abnehmen, zeigt die aktuelle Bevölkerungspyramide in Deutschland nicht mehr auf. (siehe Abb. „Altersstruktur nach Altersklassen 2014“). Laut Statistischem Bundesamt hat die aktuelle hohe Zuwanderung nur sehr eingeschränkte Auswirkungen auf die langfristige Bevölkerungsentwicklung. Sie schlägt sich vor allem im kurzfristigen Anstieg der Bevölkerungszahl nieder. Der Trend einer zunehmenden Alterung der Gesellschaft in Deutschland kann dadurch nicht umgekehrt werden.

Ende 2014 setzte sich die Bevölkerung in Deutschland wie folgt zusammen: 18 Prozent jünger als 20 Jahre, 21 Prozent 65+ Jahre und 61 Prozent der Einwohner zwischen 20 und 65 Jahre alt.
Altersstruktur nach Altersklassen 2014
Quelle: Statistisches Bundesamt Diagramm als PDF