Strukturdaten: Chemikalien und chemisch-pharmazeutische Industrie

Die chemisch–pharmazeutische Industrie gehört in Deutschland zu den wichtigsten Wirtschaftszweigen und gleichzeitig zu den größten Energieverbrauchern und Erzeugern von Abwasser und gefährlichen Abfällen. Am Gesamtumsatz hatten die Produktionsbereiche „Chemische Grundstoffe“ und pharmazeutische Produkte den größten Anteil.

Inhaltsverzeichnis

 

Die chemisch-pharmazeutische Industrie in Deutschland

Die Unternehmen, die in Deutschland Chemikalien oder aus ihnen chemische Produkte wie Arzneimittel, Biozide, Pflanzenschutzmittel, Chemiefasern, Farben, Kitte, Wasch- und Reinigungsmittel, Körperpflegemittel, Duftstoffe oder Seifen herstellen, setzten im Jahr 2014 mit diesen Produkten mehr als 190 Milliarden Euro (VCI, 2015) um. In der Chemie- und Pharmaindustrie arbeiteten 2014 ca. 445.000 Menschen. Das sind rund ein Prozent aller Erwerbstätigen. Damit gehört der Wirtschafszweig zu den wichtigsten Industriesektoren in Deutschland (siehe Abb. „Beschäftigte im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland 2014“ und Abb. „Umsatz im verarbeitenden Gewerbe in Deutschland 2014“).

Zur chemisch-pharmazeutischen Industrie gehört der Bereich „Chemische Grundstoffe“, der im Jahr 2014 mit einem Umsatz von ca. 95 Milliarden (Mrd.) Euro 50 Prozent (%) des Gesamtumsatzes ausmachte (siehe Abb. „Gesamtumsatz der chemischen Industrie in Deutschland 2014“).

Unter dem Industriezweig „Chemische Grundstoffe“ wird die Herstellung von anorganischen Grundstoffen wie Industriegasen und Düngemitteln, von organischen Grundstoffen und Chemikalien wie Petrochemikalien und Polymeren sowie von Fein- und Spezialchemikalien erfasst. Des Weiteren waren am Gesamtumsatz der chemisch-pharmazeutischen Industrie die pharmazeutische Industrie mit fast 24 %, die Herstellung „Sonstiger chemischer Erzeugnisse“ mit 11 %, die Herstellung von Seifen, Wasch-, Reinigungs- und Körperpflegemitteln und Duftstoffen mit 7 %, von Anstrichmitteln, Druckfarben und Kitten mit 5,8 % und von Chemiefasern mit 1,2 % beteiligt. Die Herstellung von Bioziden und Pflanzenschutzmitteln machte 1,1 % des Gesamtumsatzes aus.

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Chemisch-pharmazeutische Industrie belastet die Umwelt

In der Chemie- und Pharmaindustrie fielen im Jahr 2013 ca. 8 Prozent (%) der gefährlichen Abfälle und nach vorläufigen Zahlen ca. 11 % des gesamten Abwassers der deutschen Wirtschaft an (siehe Abb. „Gefährliche Abfälle nach Erzeugergruppen in Deutschland 2013“ und Abb. „Abwasser nach Emittentengruppen in Deutschland 2013“). Die Branche hatte im Jahr 2013 einen hohen Ressourcenverbrauch und verbrauchte zehn Prozent des gesamten Primärenergiebedarfs Deutschlands. Etwa 3 % der Kohlendioxid-Emissionen in Deutschland im Jahr 2013 stammten aus der Herstellung chemischer und pharmazeutischer Erzeugnisse (siehe Abb. „Primärenergieverbrauch nach Sektoren in Deutschland 2013“ und Abb. „Kohlendioxid-Emissionen nach Sektoren in Deutschland 2013“).

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Zahl der Wirkstoffe in Arzneimitteln

Auf dem deutschen Markt stehen derzeit rund 2.300 verschiedene Wirkstoffe zur Verfügung. Etwa die Hälfte von ihnen gilt nach Angaben des Umweltbundesamtes als potentiell umweltrelevant. Von diesen rund 1.200 Arzneimittelwirkstoffen mit Umweltrelevanz wurden im Jahr 2012 in Deutschland rund 8.120 Tonnen (t) verbraucht (IMS Health, 2012). Mehr als zwei Drittel dieser Menge entfallen auf 16 Wirkstoffe. Dazu zählen der Wirkstoff Metformin, der gegen die Zuckerkrankheit hilft sowie bekannte Entzündungshemmer und Schmerzmittel wie Ibuprofen, Metamizol, Acetylsalicylsäure und Paracetamol aber auch das Röntgenkontrastmittel Iomeprol sowie Metoprolol als Wirkstoff gegen Bluthochdruck (siehe Abb. „Übersicht über die im Jahr 2012 in Deutschland meistverbrauchten Humanarzneimittelwirkstoffe mit Umweltrelevanz“).

Tierärzte können auf mehrere Hundert Wirkstoffe zurückgreifen. Veterinärmedizinisch wichtige Arzneimittelgruppen sind vor allem Antiparasitika und Antibiotika. Im Jahr 2014 wurden in der Tierhaltung mehr als 1.200 Tonnen allein an antibakteriellen Wirkstoffen verbraucht. Es handelt sich dabei zumeist um Antibiotika aus der Gruppe der Penicilline, Tetracycline und Sulfonamide. Die Abgabemengen für Veterinärantibiotika sind in den letzten Jahren allerdings stetig gesunken, seit 2011 um 27 Prozent (%) (siehe Tab. „Vergleich der Abgabemengen der Wirkstoffklassen in der Tiermedizin 2011 bis 2014“).

Seit dem Jahr 2011 muss die pharmazeutische Industrie erfassen, welche Mengen an Antibiotika jährlich an Tierärzte abgeben werden und diese Daten an ein zentrales Register melden, welches beim Deutschen Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) in Köln geführt wird . Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) in Berlin wertet diese Daten aus und veröffentlicht sie jährlich.

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Zahl der Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln

Die Zahl der Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln hat sich von 249 im Jahr 2010 auf 269 im Jahr 2013 erhöht. Seit 2005 werden Synergisten und Safener nicht mehr den Wirkstoffen zu gerechnet. Synergisten sind Wirkstoffe, die die Wirkung eines oder mehrere anderer Stoffe verstärken. Safener sind Verbindungen, die die Herbizidtoleranz von bestimmen Kulturpflanzen erhöhen.

Der Absatz von Wirkstoffen für Pflanzenschutzmittel stieg in Deutschland im Zeitraum von 2005 bis 2014 um knapp 30 Prozent (%). Für das Jahr 2014 ist ein leichter Anstieg von ca. 5,3 % im Vergleich zum Vorjahr zu verzeichnen (siehe Abb. „Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln“).

Das Balkendiagramm zeigt den Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln. Insgesamt nahm der Absatz der Wirkstoffe im Zeitraum 1994 bis 2015 von etwa 30.000 Tonnen auf 48.611 Tonnen zu.
Inlandsabsatz einzelner Wirkstoffgruppen in Pflanzenschutzmitteln
Quelle: Industrieverbrand Agrar u.a. Diagramm als PDF
 

Zahl der Wirkstoffe für Biozidprodukte

Die Europäische Union (EU) hat für die Verwendung in Biozidprodukten rund 70 Wirkstoffe genehmigt (Stand: 07/2014). Es gibt zahlreiche weitere Wirkstoffe, die als Altstoffe derzeit noch auf dem Markt sind. Neustoffe befinden sich noch im Prüfverfahren.

Wie groß die auf dem Markt befindlichen Biozidmengen sind, war lange unbekannt. Im Auftrag der Europäischen Kommission erfasste die Europäische Chemikalienagentur (ECHA) im Jahr 2009 die Herstellungs- und Einfuhrmengen für alle gemeldeten Biozidprodukte. Danach wurden insgesamt knapp 400.000 Tonnen (t) an Biozidprodukten in der Europäischen Union (EU) hergestellt oder in diese eingeführt (siehe Abb. „Produktion/Import von Bioziden nach Produktarten in der Europäischen Union“). In der rein mengenmäßig wichtigsten Produktart sind die Desinfektionsmittel und Algenbekämpfungsmittel zusammengefasst, die nicht für die direkte Anwendung bei Menschen und Tieren bestimmt sind. In dieser Produktart wird rund die Hälfte aller Biozidwirkstoffe eingesetzt.

Im Jahr 2009 wurden 399.000 Tonnen Biozide in die Europäische Union eingeführt oder hier hergestellt. Gut 40 Prozent davon entfiel auf die Produktsparte der Desinfektions- und Algenbekämpfungsmittel.
Produktion/Import von Bioziden nach Produktarten in der Europäischen Union
Quelle: CDWI Diagramm als PDF
 

Meldepflicht von Biozidprodukten

Für Hersteller gibt es keine Meldepflicht über die Menge der jeweiligen Biozidprodukte, die sie in Deutschland verkaufen oder ins Ausland ausführen. Daher ist nicht bekannt, welche Mengen an Bioziden in Deutschland hergestellt oder verbraucht werden.

Einen Anhaltspunkt gibt allerdings die Anzahl der gemeldeten Biozidprodukte auf dem deutschen Markt. Die Hersteller müssen der Bundesstelle für Chemikalien (BfC), die bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin (BAuA) angesiedelt ist, melden, welche Biozidprodukte sie in Deutschland verkaufen. Die Bundesstelle, gibt jährlich bekannt, wie viele Biozidprodukte aus welcher der 22 Produktarten auf dem deutschen Markt erhältlich sind. So waren im Juni 2013 insgesamt 35.294 Biozidprodukte erhältlich (siehe Abb. „Gemeldete Biozid-Produkte nach Biozid-Meldeverordnung“).

Im Juni 2013 waren in Deutschland 35.294 Biozidprodukte gemeldet. 9.446 waren Desinfektions- und Algenbekämpfungsmitteln, 4.291 waren Mittel gegen Insekten, Spinnen oder Schalentiere, 4.232 Desinfektionsmittel für den Lebens- und Futtermittelbereich.
Gemeldete Biozid-Produkte nach Biozid-Meldeverordnung
Quelle: Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin Diagramm als PDF
 

Chemikalien in der Europäischen Union und eine Übersicht weltweit

Wie viele verschiedene Chemikalien in der Industrie genutzt werden, ist nicht bekannt. Im Jahr 1981 veröffentlichten europäischen Altstoffverzeichnis EINECS (European Inventory for Existing Chemical Substances) sind rund 100.000 verschiedene, von den Unternehmen zu diesem Zeitpunkt eingesetzte Chemikalien verzeichnet.

Bis zum Jahr 2018 müssen Chemikalienhersteller und -importeure schrittweise all jene Chemikalien registrieren, von denen sie innerhalb der Europäischen Union (EU) mehr als eine Tonne jährlich herstellen oder in die EU einführen. Bis zum 31.12.2015 sind bereits mehr als 12.800 verschiedene Stoffe bei der Europäischen Chemikalienagentur (ECHA) in Helsinki registriert worden. Deutsche Unternehmen haben davon mit ca. 6.400 dieser Stoffe den größten Teil (mit-)registriert (ECHA Registrierungsstatistik 2015)

Es gibt unzählige, sowohl natürliche als auch synthetische, chemische Verbindungen. Mehr als 105 Millionen davon sind in der weltweit bedeutendsten Datenbank für chemische Verbindungen, dem Chemical Abstracts Service (CAS), registriert: Jede bekannte Chemikalie hat eine sogenannte CAS-Nummer. Das ist ein internationaler Bezeichnungsstandard für chemische Stoffe.

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