Biozide in der Umwelt

Biozide sind Substanzen und Produkte, die tierische Schädlinge und Lästlinge, aber auch Algen, Pilze oder Bakterien bekämpfen. Sie werden in vielen Bereichen eingesetzt, etwa als Putz- und Desinfektionsmittel, Holzschutzmittel bis hin zum Mückenspray und Ameisengift. Aufgrund ihrer Zweckbestimmung sind Biozide auch potenziell gefährlich für die Umwelt und die Gesundheit von Mensch und Tier.

Biozidwirkstoffe in der Umwelt

Biozidwirkstoffe sind dazu bestimmt, sogenannte Schadorganismen zu töten oder zu vertreiben, und können deshalb mit hoher Wahrscheinlichkeit auch ungewollte Wirkungen in der Umwelt entfalten. Die Anwendungsbereiche für Biozidprodukte sind zahlreich: Die Palette der Anwendungen reicht von Desinfektions- und Materialschutzmitteln über Mittel zur Bekämpfung von Nagetieren und Insekten bis hin zu Schiffsanstrichen (Antifouling). Insgesamt werden 22 Produktarten (PT) unterschieden. Aufgrund der unterschiedlichen Anwendungsbereiche kommt es zu vielfältigen Einträgen von Biozidwirkstoffen oder ihren Abbauprodukten in die Umwelt. Sowohl direkte als auch indirekte Einträge, wie zum Beispiel über Kläranlagen, sind möglich und können alle Umweltkompartimente wie Oberflächengewässer, Sedimente, Meeresgewässer, Böden, die Atmosphäre oder das Grundwasser betreffen (siehe Abb. „Eintragspfade von Bioziden in die Umwelt“).

Biozide Wirkstoffe sind erst seit kurzer Zeit im Fokus der Öffentlichkeit und werden daher deutlich seltener als zum Beispiel Pflanzenschutzmittel von den Überwachungsprogrammen der Bundesländer erfasst. Einzelne Untersuchungen belegen aber, dass auch diese Wirkstoffe in der Umwelt vorkommen. So wurde beispielsweise der Antifouling-Wirkstoff Cybutryn (Irgarol) im Sommer 2013 in 50 deutschen Sportboothäfen untersucht. In 35 der 50 Sportboothäfen lagen die gemessenen Konzentrationen über der Umweltqualitätsnorm von 0,0025 Mikrogramm pro Liter (μg/l), die die EU-Richtlinie 2013/39/EU vorschreibt. Dieser Wert darf als Jahresdurchschnittskonzentration eigentlich nicht überschritten werden. An fünf Standorten übertrafen die Konzentrationen sogar die zulässige Höchstkonzentration von 0,016 μg/L, eine Konzentration, die auch einmalig nicht überschritten werden darf (siehe Abb. „Cybutryn-Konzentrationen in Sportboothäfen“).

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Besseres Monitoring von Bioziden erforderlich

Die Bundesländer erfassen mit ihren Überwachungsprogrammen in Oberflächengewässern derzeit vor allem jene Biozidwirkstoffe, die auch als Wirkstoffe in Pflanzenschutzmitteln zugelassen sind oder bis vor kurzem zugelassen waren. Die Länder erfüllen damit die Vorgaben der europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) und der deutschen Oberflächengewässerverordnung (OGewV). Demnach müssen die Länder derzeit den Gehalt von 22 Biozidwirkstoffen in Oberflächengewässern messen, die zum Teil auch als Pflanzenschutzmittel eingesetzt werden (zum Beispiel Propiconazol) bzw. wurden (zum Beispiel Dichlorvos).

Darüber hinaus prognostiziert ein von der EU-Kommission gefördertes Projekt „SOLUTIONS“ stark zunehmende Biozideinträge in die Umwelt aus dem urbanen Raum. Vor diesem Hintergrund sind die derzeit laufenden Maßnahmen zur Überwachung von Oberflächengewässern nicht ausreichend. Es sollte daher ein systematisches Umweltmonitoring von Bioziden etabliert werden, um diese Entwicklungen belegen und die Kenntnisse über die Quellen von Umweltbelastungen mit Bioziden verbessern zu können. Im Rahmen des Umweltforschungsplans (UFOPLAN) 2012 hat das Umweltbundesamt deshalb ein Forschungsvorhaben initiiert, das die Grundlagen für ein systematisches Messprogramm geschaffen hat. Zusätzlich dazu gibt es Empfehlungen für die konkrete Planung von Erhebungen der Umweltbelastung von Bioziden.