Arzneimittel in der Umwelt

Arzneimittel sind für die menschliche und tierische Gesundheit unverzichtbar. Der Preis für unsere gute Versorgung und den teilweise unkritischen Umgang mit Arzneimitteln ist eine zunehmende Belastung der Umwelt mit ihren oft langlebigen und schädlichen Rückständen. Um Gewässer und Böden als Lebensraum und Trinkwasserressource zu schützen, muss der Eintrag von Arzneimitteln begrenzt werden.

Rückstände von Arzneimittelwirkstoffen und ihre Abbauprodukte gelangen, nachdem sie Mensch oder Tier verabreicht wurden, über deren Ausscheidungen in Gewässer und Böden:

  • Kläranlagen können nicht alle diese Rückstände zurückhalten. Deshalb werden sie nahezu flächendeckend und ganzjährig im Bereich von Kläranlagenabläufen sowie in Bächen, Flüssen und Seen, aber auch im Grund- und vereinzelt im Trinkwasser nachgewiesen (siehe Abb. „Anzahl der gemessenen Arzneimittelwirkstoffe in Kläranlagenabflüssen, Oberflächen-, Grund- und Trinkwasser“).
  • Über Klärschlämme aus der Abwasserreinigung sowie über Gülle und Mist von behandelten Nutztieren gelangen die Rückstände von Arzneimittelwirkstoffen auch auf landwirtschaftliche Böden (siehe Abb. „Anzahl der gemessenen Arzneimittelwirkstoffe in Böden, Sedimenten, Gülle/Dung und Klärschlamm“).

Bisherige Ergebnisse aus Forschungsprojekten und speziellen Messprogrammen der Länderbehörden haben ergeben, dass in Deutschland mehr als 150 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe in der Umwelt nachgewiesen wurden. Sie wurden meist in Flüssen, Bächen oder Seen gemessen. In den meisten Fällen liegen die Konzentrationen im Bereich von 0,1 bis 1 Mikrogramm pro Liter (µg/l). Das Spektrum der gefundenen Wirkstoffe ist groß. Am häufigsten werden Schmerzmittel und Antibiotika gefunden. Die höchsten Konzentrationen ließen sich für Röntgenkontrastmittel nachweisen (siehe Tab. „Arzneimittelwirkstoffe in Oberflächengewässern“). Da mit der zunehmenden Alterung der Bevölkerung der Arzneimittelverbrauch in Deutschland wahrscheinlich zunehmen wird, ist in Zukunft auch mit einem Anstieg der Umweltbelastung durch Arzneimittelwirkstoffe und deren Abbauprodukten zu rechnen. Dies bedeutet somit verstärkten Handlungsbedarf in Hinblick auf Maßnahmen und Aktivitäten zur Reduzierung des Eintrags von Arzneimitteln und ihren Rückständen in die Umwelt.

Es gibt in Deutschland kein systematisches Monitoring von Arzneimittelwirkstoffen in der Umwelt. Arzneimittelwirkstoffe sind noch nicht in regulären Überwachungsprogrammen nach der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) oder der nationalen Oberflächengewässerverordnung (OGewV) enthalten. Der Schmerzmittel-Wirkstoff Diclofenac, die Hormone 17alpha-Ethinylestradiol und 17beta-Estradiol sowie drei Macrolid-Antibiotika wurden von der Europäischen Kommission auf eine „watch-list of emerging aquatic pollutions“ gesetzt. Das bedeutet, dass sie systematisch an vielen Messstellen in ganz Europa erfasst werden, um ein repräsentatives Bild der Umweltbelastung mit diesen Wirkstoffen zu bekommen. Dieses Projekt soll dazu beitragen, den Handlungsbedarf für die Aufnahme der Wirkstoffe in die Liste der prioritären Substanzen nach WRRL zu ermitteln (siehe auch „Rechtliche Regelungen“).

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