Waldzustand: Kronenverlichtung

Wälder sind Lebensraum für Pflanzen und Tiere, filtern Schadstoffe aus der Luft, schützen vor Erosion und Lawinen, wirken regulierend im Wasserhaushalt, dienen dem Menschen als Ort für Erholung und liefern den Rohstoff Holz. Diese vielfältigen Funktionen im Naturhaushalt und für den Menschen können nur gesunde Wälder erfüllen. Die Kronenverlichtung zeigt den Gesundheitszustand von Waldbäumen an.

Inhaltsverzeichnis

 

Ergebnisse der Waldzustandserhebung

Die Abbildung „Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung“ zeigt die mittlere Kronenverlichtung für die vier Hauptbaumarten in deutschen Wäldern sowie für die Kategorie „Gesamt/alle Baumarten“, die neben den Hauptbaumarten auch andere Laub- und Nadelbaumarten erfasst. Der Kronenzustand der Buchen und Eichen hat sich in den letzten Jahrzehnten gegenüber dem Beginn der Erhebung deutlich verschlechtert. 2015 lag die mittlere Kronenverlichtung bei diesen Baumarten bei 23,3 beziehungsweise 24,1 Prozent (%). Die Fichte zeigt seit Beginn der 1990er Jahre keinen klaren Trend der Verbesserung oder Verschlechterung des Kronenzustands. Im Jahr 2015 lag die mittlere Kronenverlichtung der Fichte bei 20,6 %. Die Kiefer ist seit Beginn der 1990er Jahre der Baum mit der geringsten Kronenverlichtung. 2015 betrug die mittlere Kronenverlichtung der Kiefer 16,9 %. Weitere Informationen zur Kronenverlichtung und zum Waldzustand finden Sie in den vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) veröffentlichten „Ergebnissen der Waldzustandserhebung 2015“.

Das Diagramm zeigt die mittlere Kronenverlichtung für die vier Hauptbaumarten in den deutschen Wäldern sowie für die Kategorie „Gesamt/alle Baumarten“, die neben diesen auch andere Laub- und Nadelbaumarten erfasst.
Entwicklung der mittleren Kronenverlichtung
Quelle: Umweltbundesamt / Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft Diagramm als PDF
 

Methodik der Waldzustandsbewertung

Die Bundesländer erheben jährlich den Waldzustand auf einem systematischen Stichprobennetz im Raster von 16 km x 16 km (Kilometer). Das Thünen-Institut in Eberswalde berechnet daraus das Ergebnis für Deutschland insgesamt. Um den Gesundheitszustand der einbezogenen Probebäume zu bewerten, schätzen Forstexperten vom Boden aus die Nadel- oder Blattverluste als Abweichungen von voll belaubten Baumkronen ein. Die mittlere Kronenverlichtung ist der Mittelwert der in 5-Prozent (%)-Stufen geschätzten Kronenverlichtung aller Probebäume. Daneben werden weitere Schadsymptome erfasst. Das europaweit abgestimmte Erhebungsverfahren wird in Teil IV des Aufnahmehandbuchs des Internationalen Kooperativprogramms zur Bewertung und Überwachung der Wirkung von Luftschadstoffen auf Wälder (International Cooperative Programme on Assessment and Monitoring of Air Pollution Effects on Forests, ICP Forests) näher beschrieben.

 

Ursachen der Kronenverlichtung als Wirkungskomplex

Die Kronenverlichtung und andere Schadsymptome an Waldbäumen lassen sich nicht eindeutig auf einzelne Einflussfaktoren zurückführen. Es ist davon auszugehen, dass immer verschiedene abiotische und biotische, vom Menschen verursachte und natürliche Faktoren als Schadursachen zusammenwirken. Wichtige Einflussgrößen sind:

  • Die atmosphärische Deposition von Stickstoff- und Schwefelverbindungen und die damit verbundenen Bodenveränderungen – vor allem Versauerung und Eutrophierung (Nährstoffanreicherung);
  • die Witterung (zum Beispiel lange Trockenperioden; vgl. Seidling, 2006 und Seidling, 2007);
  • Insekten- und Krankheitsbefall;
  • andere biologische Ursachen, wie die überdurchschnittliche Ausbildung von Früchten (zum Beispiel sogenannte Mastjahre bei Eiche und Buche), können zur lichteren Ausbildung der Baumkrone führen;
  • das Alter des Baumes: ältere Bäume sind in der Regel stärker verlichtet als jüngere.

Die einzelnen Faktoren wirken nicht unabhängig voneinander: So können zu hohe Stickstoffeinträge das Wachstum von Bäumen fördern, aber auch die Anfälligkeit gegenüber Witterungsextremen sowie Insekten- und Krankheitsbefall erhöhen. Auch der Klimawandel dürfte die Wirkung der einzelnen Faktoren verstärken.

Tipps zum Weiterlesen:
Seidling, W. (2006): Auswirkungen von klimatischem Trockenstress auf den Waldzustand. Arbeitsbericht des Instituts für Waldökologie und Waldinventuren der Bundesforschungsanstalt für Forst- und Holzwirtschaft, Nr. 2006/4, 68 S.

Seidling, W. (2007): Signals of summer drought in crown condition data from the German Level I network. Eur. J. Forest Res. 126: 529-544.