Landbedeckung und Landnutzung

Landbedeckung ist die physikalische Bedeckung der Landfläche beispielsweise mit Vegetation, Bauwerken oder Gewässern. Die Landbedeckung kann mittels Luftbildern oder Satellitenaufnahmen ermittelt werden. Diese Daten belegen, dass in allen europäischen Ländern künstliche Oberflächen, also bebaute oder versiegelte Flächen, Deponien oder "Abbauland", wachsen, während Landwirtschaftsflächen abnehmen.

Inhaltsverzeichnis

 

Erfassung der Landbedeckung und Landnutzung in Europa

Im Rahmen des europäischen Projekts Corine Land Cover (CLC) wurde nach einer einheitlichen Methode unter der Leitung der Europäischen Umweltagentur (EUA) die Landnutzung und Landbedeckung auf Basis von Satelliten-Fernerkundungsdaten ermittelt. Der Begriff „Landbedeckung“ meint in diesem Zusammengang unterschiedliche Typen von Vegetation, Landflächen ohne Vegetation (wie zum Beispiel Felsen, Wüsten, gepflügte Äcker oder versiegelte Flächen) oder Wasserflächen (wie zum Beispiel Flüsse oder Seen).

Mithilfe eines teilautomatisierten Auswerteverfahrens wurde die Landfläche in Flächenpolygone mit annähernd gleichförmiger Landnutzung und Landbedeckung aufgelöst. Die so ermittelten Polygone wurden bestimmten CLC-Klassen (wie zum Beispiel hoch verdichtete oder gering verdichtete Siedlungen, Deponien, Häfen, Wälder oder Landwirtschaftsflächen) zugeordnet. Eine detaillierte Beschreibung der Methodik mit Anwendungsbeispielen finden Sie im Abschlussbericht des F&E-Vorhabens „CORINE Land Cover Aktualisierung 2006 für Deutschland“ (siehe Abb. „Landbedeckung und Landnutzung“, vergleiche auch Seite 33 im Abschlussbericht). 

Für Europa liegt ein nahezu flächendeckender Datensatz zur Landnutzung und Landbedeckung für die Referenzjahre 2000 und 2006 vor. Für einige europäische Länder, darunter Deutschland, existiert ein weiterer Datensatz für das Jahr 1990. Derzeit läuft noch die Auswertung der Fernerkundungsdaten zur Landnutzung und Landbedeckung für das Referenzjahr 2012.

Die Abbildung zeigt die Region Hamburg bei der Aktualisierung von Corine Land Cover. Dargestellt sind ein Satellitenbild, das die Landbedeckung von Hamburg zeigt, sowie ein Bild, das die aus der Landbedeckung abgeleitete Landnutzung zeigt.
Landbedeckung und Landnutzung
Quelle: Manfred Keil et al.
 

Häufigste Landnutzung: Landwirtschaftsflächen und Wälder

Insgesamt liegen für die Jahre 2000 und 2006 die Daten aus 36 europäischen Ländern (einschließlich der Türkei und des Kosovo) vor, die zusammen eine Fläche von rund 542 Millionen Hektar (Mio. ha) oder 5,42 Millionen Quadratkilometer (Mio. km²) umfassen. Die Abbildung „Landbedeckung und Landnutzung in Europa“ zeigt die aus der Landbedeckung abgeleitete Landnutzung in Europa in absoluten Zahlen.

Die häufigsten Landnutzungen in Europa sind „Wälder und naturnahe Flächen“ mit etwas mehr als 268 Mio. ha. (2,68 Mio. km²), oder 49,5 Prozent (%) der Gesamtfläche Europas, gefolgt von „Landwirtschaftsflächen“ mit knapp 229 Mio. ha (2,29 Mio. km²) oder 42,3 % der europäischen Gesamtfläche.

Mit großem Abstand folgen künstliche Oberflächen mit rund 19 Mio. ha (0,19 Mio. km²) oder 3,5 % der Gesamtfläche Europas. Dabei handelt es sich um bebaute, versiegelte oder anderweitig denaturierte Bereiche wie Siedlungs- und Verkehrsflächen, Flächen für den Rohstoffabbau („Abbauland“) und andere Infrastrukturen. Allerdings ist hier zu beachten, dass die Mindestkartiereinheit für Corine Land Cover (CLC) 25 ha beträgt, so dass kleinflächige oder schmale Objekte und Strukturen (<25 ha) in der freien Landschaft − wie zum Beispiel Gehöfte, Feldwege, Straßen oder Bahnlinien − in der Regel nicht erfasst werden. Die Ausdehnung der Siedlungs- und Verkehrsflächen wird daher durch CLC tendenziell unterschätzt.

Binnengewässer nehmen gut 14 Mio. ha Fläche (0,14 Mio. km²) oder 2,6 % der Gesamtfläche Europas ein, gefolgt von Feuchtgebieten mit knapp 12 Mio. ha (0,12 Mio. km²) oder 2,2 % der europäischen Gesamtfläche.

Die Abbildung zeigt die aus der Landbedeckung abgeleitete Flächennutzung in Europa in den Jahren 2000 und 2006, differenziert nach künstlichen Oberflächen, Landwirtschaftsflächen, Wälder und naturnahen Flächen, Feuchtgebieten und Gewässern.
Landbedeckung und Landnutzung in Europa
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Veränderung der Landbedeckung und Landnutzung in Europa

Betrachtet man die Veränderung der Landnutzung und Landbedeckung zwischen den Jahren 2000 und 2006, dann haben in der Gesamtbilanz vor allem die künstlichen Oberflächen zugenommen. Diese Form der Flächenbelegung erfuhr eine Ausdehnung um 0,626 Millionen Hektar (Mio. ha) (6.256 Quadratkilometer (km²)). Das ist eine Zunahme um 3,4 Prozent (%) in sechs Jahren (siehe Abb. „Veränderung der Landbedeckung und Landnutzung in Europa“). Dabei ist zu beachten, dass auch hier die Zunahme der künstlichen Oberflächen tendenziell unterschätzt wird, weil im verwendeten groben Auswerte-Raster neue linienförmige Strukturen wie Straßen sowie kleinflächige Zuwächse von Siedlungen oder Gewerbegebieten nicht erfasst werden. Erst ab einer Größe von 5 ha, wird ein Zuwachs von künstlichen Oberflächen sicher registriert.

Auch bei Gewässern ist in der Gesamtbilanz ein Zuwachs zu verzeichnen. Detaillierte Auswertungen mit direktem Vergleich der Landnutzung im Jahr 2000 und im Jahr 2006 zeigen, dass neue Gewässer bis 2006 vor allem da entstanden sind, wo im Jahr 2000 noch Rohstoffabbau im Tagebau stattgefunden hat.

Landwirtschaftsflächen − das heißt Äcker, Wiesen und Weiden − nahmen hingegen im Zeitraum von 2000 bis 2006 europaweit ab. Hier ist ein Verlust von 0,528 Millionen Hektar (Mio. ha.) (5.278 Quadratkilometer (km²)) zu verzeichnen, was einer Abnahme um 0,2 Prozent (%) in sechs Jahren entspricht (siehe Abb. „Veränderung der Landbedeckung und Landnutzung in Europa“).

Rückläufig sind europaweit auch Wälder und naturnahe Flächen, die um 0,121 Mio. ha (1.212 km²) abgenommen haben sowie die aus Sicht des Naturschutzes besonders wertvollen Feuchtgebiete mit 434 km² (Abnahme um 0,4 % in sechs Jahren).

Die Abbildung zeigt die Veränderung der Landbedeckung und Landnutzung in Europa vom 2000 bis 2006 für verschiedene Flächentypen. Künstliche Oberflächen verzeichneten eine starke Ausweitung, während Landwirtschaftsflächen stark zurückgingen.
Veränderung der Landbedeckung und Landnutzung in Europa
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF
 

Landbedeckung in Deutschland und Europa im Vergleich

Um die Landbedeckung in Deutschland mit dem europäischen Mittelwert oder mit anderen europäischen Ländern vergleichen zu können, muss auf die gleiche Bezugsgröße abgestellt werden. Denn die europäischen Länder sind unterschiedlich groß, bevölkerungsreich, haben unterschiedliche Siedlungsstrukturen und weisen unterschiedliche wirtschaftliche Entwicklungen auf. Im Folgenden wird daher Bezug auf die Anzahl der Einwohner genommen, denn es sind die Menschen, die Siedlungen, Infrastrukturen und Freiräume für unterschiedliche Zwecke nutzen und denen der Ertrag der Flächen zugutekommt. Die Nutzung durch den Menschen prägt letztlich auch die Landbedeckung.

Wie die Abbildung „Landbedeckung und Landnutzung in Europa und Deutschland“ zeigt, stehen in Deutschland pro Kopf der Bevölkerung etwa 4.000 Quadratmeter (m²) zur Verfügung. Im europäischen Durchschnitt sind es etwa 10.000 Quadratmeter pro Einwohner  (m²/E).

Dabei lag Deutschland im Jahr 2000 bei der Belegung von künstlichen Oberflächen mit 360 m²/E nur wenig über dem europäischen Durchschnitt von 356 m²/E.
 
Mit einer Landwirtschaftsfläche von 2.589 m²/E im Jahr 2000 lag Deutschland nur bei 59 Prozent (%) des europäischen Durchschnitts von 4.378 m²/E.

Bei Wäldern und anderen naturnahen Flächen lag Deutschland mit einer Ausstattung von 1.328 m²/E sogar nur bei 26 % des europäischen Durchschnitts von 5.123 m²/E im Jahr 2000.

Auch bei Feuchtgebieten und Binnengewässern lag Deutschland mit 53,6 bzw. 63,2 m²/E im Jahr 2000 nur bei jeweils 23 % des europäischen Durchschnitts von 229,1 beziehungsweise 273,1 m²/E.

Betrachtet man weiterhin die Veränderung der Flächenbelegung pro Kopf der Bevölkerung in Deutschland und Europa zwischen 2000 und 2006, so fällt auf, dass im Vergleichszeitraum in beiden Gebieten insbesondere die künstlichen Oberflächen pro Einwohner zunahmen,  während gleichzeitig eine starke Abnahme der Landwirtschaftsfläche pro Einwohner zu verzeichnen war. Andere Landnutzungen zeigten demgegenüber deutlich geringere Veränderungen (siehe Abb. „Veränderung der Landbedeckung und Landnutzung in Europa und Deutschland“).

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Nutzung künstlicher Oberflächen in Deutschland und Europa

Die Abbildung „Land- und Flächennutzung für Siedlungen, Verkehr und Infrastrukturen“ zeigt, dass es zwischen den europäischen Ländern große Unterschiede gibt, sowohl was die Belegung von Landflächen mit künstlicher Oberfläche pro Kopf der Bevölkerung im Jahr 2000 als auch deren Zuwachs in den Jahren von 2000 bis 2006 betrifft.

Dabei liegt Deutschland in beiden Jahren nahe beim Europäischen Durchschnitt. Der europäische Durchschnitt betrug 356 Quadratmeter pro Einwohner (m²/E) im Jahr 2000 und 368 m²/E im Jahr 2006.

Ein Vergleich von ausgewählten europäischen Ländern zeigt, dass Frankreich pro Kopf der Bevölkerung etwas mehr Fläche belegt als der europäische Durchschnitt, wohingegen Polen etwas weniger und die Türkei und Spanien sogar deutlich weniger Fläche belegen.

Der weitaus größte Teil der künstlichen Oberflächen wird in allen Ländern von Siedlungsflächen mitsamt deren Erschließungsstraßen (englisch: „urban fabric“) belegt. Im Jahr 2000 waren dies 271,0 m²/E im europäischen Durchschnitt und 277,5 m²/E in Deutschland. Die Bandbreite in den dargestellten Ländern reichte dabei von 123,6 m²/E in der Türkei bis hin zu 345,7 m²/E in Frankreich.

Auf Rang 2 folgen im europäischen Durchschnitt mit 39,1 m²/E die Industrie- und Gewerbeflächen, wobei Deutschland den gleichen Wert aufweist. Auch in fast allen der hier dargestellten europäischen Länder liegen die Gewerbeflächen auf dem zweiten Platz. Nur in Irland liegen Sport- und Freizeitflächen mit 40,7 m²/E auf dem zweiten Platz und Gewerbeflächen mit 19,1 m²/E auf dem dritten Platz.

Auf dem dritten Platz liegen EU-weit Sport- und Freizeitflächen mit 13,7 m²/E, gefolgt von „Abbauland“ mit 11,8 m²/E. Auch hier liegt Deutschland mit 12,5 bzw. 12,3 m²/E nahe am europäischen Durchschnitt. In der Türkei und in Spanien stehen pro Einwohner hingegen nur 5,0 bzw. 4,6 m² Sport- und Freizeitfläche zur Verfügung, weshalb hier diese Nutzung nach dem Abbauland auf dem vierten Platz liegt.

Für die übrigen Nutzungen wie Flughäfen (5,3 m²), Grünflächen (4,6 m²), Straßen, Wege, Eisenbahnen (3,7 m²), Baustellen (3,2 m²), Deponien (2,0 m²) und Häfen (1,7 m²) weist Corine Land Cover (CLC) im europäischen Durchschnitt pro Kopf der Bevölkerung nur vergleichsweise geringe Flächen für das Jahr 2006 aus. 

Die Abbildung zeigt die Anteile verschiedener Landnutzungen für Siedlung, Verkehr und Infrastrukturen für einzelne europäische Länder. Der größte Teil der künstlichen Oberflächen wird in allen Ländern von Siedlungsflächen und Erschließungsstraßen belegt.
Land- und Flächennutzung für Siedlung, Verkehr und Infrastrukturen
Quelle: Umweltbundesamt Diagramm als PDF