Biodiversität

Ein grüner Leguan sitzt auf einem grünen Astzum Vergrößern anklicken
Biologische Vielfalt ist eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens.

Biologische Vielfalt ist eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens.

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Leben ist Vielfalt. Eine ausgewogene und funktionierende Umwelt gründet auf der Vielfalt der Ökosysteme, der genetischen Vielfalt und dem Reichtum an Arten bei Tieren, Pflanzen, Pilzen und Mikroorganismen.

Umweltschutz und Biodiversität

Der Begriff biologische Vielfalt bzw. Biodiversität umfasst diese drei Aspekte. Die Biologische Vielfalt, der Schutz und die nachhaltige Nutzung der Natur werden schwerpunktmäßig vom Bundesamt für Naturschutz bearbeitet. Daneben sind aber auch Umweltschutzaspekte von Bedeutung: Stoffkreisläufe, klares Wasser und saubere Luft, die Produktion von Nahrungsmitteln, die Anpassungsfähigkeit an veränderte Umweltbedingungen, die menschliche Erholung in der Natur, all dies beruht auf der biologischen Vielfalt. Für unser Überleben müssen wir also die biologische Vielfalt nutzen und sie gleichzeitig schützen.

Die biologische Vielfalt dauerhaft zu erhalten und nur im Rahmen ihrer Leistungsfähigkeit zu nutzen kann nur gelingen, wenn alle Akteure in Politik, Gesellschaft und Wirtschaft dieses Thema zu ihrer eigenen Sache machen. Die Bundesregierung hat deshalb 2007 eine Strategie zur biologischen Vielfalt verabschiedet, die alle Sektoren in die Pflicht nimmt – so auch den Umweltschutz, denn viele Ursachen für den weltweiten Verlust der biologischen Vielfalt stehen im engen Zusammenhang mit den Arbeitsfeldern des klassischen Umweltschutzes.

Biologische Vielfalt stellt eine der wichtigsten Grundlagen unseres Lebens dar. Andererseits üben wir einen starken – teils fördernden, teils zerstörerischen – Einfluss auf die biologische Vielfalt aus. Im Jahr 2005 legte die UN die bisher umfangreichste Studie zum weltweiten Zustand und Wandel der Ökosysteme vor, deren Aussagen im Bericht Millennium Ecosystem Assessment und seine Relevanz für Deutschland des UFZ Leipzig zusammengefasst sind. Die wichtigsten direkten Triebkräfte für den Verlust an biologischer Vielfalt sind demnach:

  • Landnutzungswandel: Flächenverbrauch für Siedlungen und Verkehr, Bodenversiegelung und Landschaftszerschneidung sowie Veränderungen natürlicher Lebensräume (z.B. Flussbegradigung, Wehre)
  • Klimaänderungen infolge Freisetzung von Treibhausgasen durch Verbrennen fossiler Brennstoffe, industrielle Produktion und intensivierte Landwirtschaft sowie durch den Landnutzungswandel bedingte Ausgasung klimarelevanter Gase (Entwaldung, Umwandlung von Mooren in Wiesen und Äcker)
  • Flächenhafte Nähr- und Schadstoffbelastung terrestrischer und aquatischer Ökosysteme durch Landwirtschaft, Industrie und Verkehr
  • Übernutzung der natürlichen Ressourcen
  • Auftreten invasiver Arten

Mit Ausnahme der invasiven Arten stehen die Hauptursachen für den Verlust an Biodiversität in engem Zusammenhang mit den Arbeitsfeldern des klassischen Umweltschutzes. Viele umweltrechtliche Regelwerke zielen auf den Erhalt der biologischen Vielfalt ab, häufig ohne das Schutzgut Biodiversität explizit zu nennen.

Das UBA engagiert sich deshalb im besonderen Maße für die Umsetzung der in der Nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt enthaltenen Umweltqualitäts- und Umwelthandlungsziele. Ein wichtiges Ziel des UBA ist es, das Schutzgut Biodiversität noch stärker in der Umweltgesetzgebung und im gesellschaftlichen Bewusstsein zu verankern.

Flächensparen

Siedlungsbänder und Verkehrswege sind für viele Arten unüberwindbare Hindernisse. Besonders Tierarten, die große Reviere benötigen, sind unmittelbar von der Zerschneidung und dem Verlust zusammenhängender Lebensräume betroffen. Aber auch Arten mit geringeren Raumansprüchen werden beeinträchtigt. Besonders fatal wirken sich Lebensraumzerschneidungen durch Verkehrswege aus. Bei Tierpopulationen, die in eng begrenzten Landschaftsfragmenten leben und nur wenige Individuen aufweisen, kann schon der Verlust weniger Individuen zum Zusammenbruch der Population in diesem Gebiet führen. Geringe Populationsgrößen zeitigen Inzucht und mittelfristig eine genetische Verarmung der Population. Die fehlende genetische Variabilität  beeinträchtigt – tendenziell auf der Ebene der Population – die Resistenz gegenüber vielfältigen Krankheitserregern und die Anpassungsfähigkeit an wechselnde Umweltbedingungen. Auch dieser Mechanismus kann langfristig zum Aussterben von Teilpopulationen führen.

Ein Nachhaltigkeitsziel der Bundesregierung, das auch in der „nationalen Strategie zur biologischen Vielfalt - NBS“ aufgegriffen wurde, besteht darin, die Neuinanspruchnahme von Flächen für Siedlung und Verkehr von 130 ha pro Tag im Jahr 2000 auf 30 Hektar pro Tag im Jahr 2020 zu reduzieren. Ein langfristiges Ziel muss allerdings sein, diese Neuinanspruchnahme auf null zu reduzieren.

Dazu sind die umweltpolitischen, planungsrechtlichen und ökonomischen Rahmenbedingungen auf der Ebene des Bundes und der Länder konsequent auf Flächensparen auszurichten. Dies muss auch mit konsequenten Zielvorgaben der Landes- und Regionalplanung vorangetrieben werden. Ein Handlungsziel der NBS fordert, dass bis zum Jahr 2015 raum- und gebietsbezogene Reduktionsziele auf regionaler Ebene, das heißt zum Beispiel für Bundesländer, Landkreise und Kommunen, zu erarbeiten sind.

Das Flächensparziel kann nur durch Maßnahmen zur Innenentwicklung, d.h. zur Lenkung künftiger Nutzungen aus dem Außen- in den Innenbereich von Städten und Gemeinden, erreicht werden, wo die Potentiale innerörtlicher Brachflächen (mindestens 168.000 ha im Jahr 2004 bundesweit) zu nutzen sind. In Schrumpfungsregionen könnte dies mit dem Rückbau von nicht mehr benötigten Siedlungsteilen und Entsiegelung des Bodens verbunden werden. Die Vorteile der Innenentwicklung müssen verstärkt in das gesellschaftliche Bewusstsein gerückt werden.

Zu den Grundsätzen der Raumordnung gemäß Paragraf 2 Raumordnungsgesetz (ROG) gehört u.a. auch, dass die dezentrale Siedlungsstruktur des Gesamtraums mit ihrer Vielzahl leistungsfähiger Zentren und Stadtregionen zu erhalten ist.

Das von den Mitgliedstaaten der EU aufgestellte Europäische Raumentwicklungskonzept (EUREK) sowie die von den Staaten des Europarates verabschiedeten CEMAT-Leitlinien (Leitlinien für eine nachhaltige räumliche Entwicklung auf dem europäischen Kontinent) bieten einen wichtigen Orientierungsrahmen für die nachhaltige Entwicklung des europäischen Territoriums und auch über die Grenzen Europas hinaus.

Luftreinhaltung

Wirkungen von Luftschadstoffen auf die Biodiversität

Über den Luftpfad können Schadstoffe auch in solche Ökosysteme gelangen, die fernab der Schadstoffquellen liegen. Diese Luftschadstoffe bewirken sowohl direkte Schäden an Pflanzen und Tieren als auch Veränderungen der Lebensbedingungen:

  • In natürlichen Ökosystemen führt ein Überangebot an Stickstoff (Eutrophierung) zu einem unausgewogenen Ernährungsstatus; das Überleben der standorttypischen Vegetationsgemeinschaften wird dadurch gefährdet.
  • Auch durch die Versauerung der Böden (ausgelöst durch den Eintrag von Stickstoff- und Schwefelverbindungen) ändern sich die Lebensbedingungen; wichtige Bodenlebewesen (z.B. Regenwürmer) können am Standort nicht mehr überleben. Außerdem werden Schadstoffe (Aluminium, Schwermetalle) durch die Versauerung freigesetzt.
  • Bodennahes Ozon schädigt die Blattorgane, beschleunigt Alterungsprozesse und verringert die Produktivität der Nutzpflanzen.

Veränderungen des Stoffhaushalts in Ökosystemen stören zusammen mit anderen Stressfaktoren (z.B. Witterungsextreme) die Funktionsabläufe in Ökosystemen und können eine nicht standorttypische Verschiebung im Artenspektrum und damit einen Verlust an biologischer Vielfalt bewirken. In vielen Ökosystemen sind die kritischen Belastungswerte zum Schutz vor Eutrophierung und Versauerung seit Jahrzehnten überschritten. Die Begrenzung der Einträge luftgetragener Schad- und Nährstoffe ist somit ein entscheidender Schritt zum Schutz unserer biologischen Vielfalt.

Luftreinhaltung und Schutz der Biodiversität

Die Luftreinhaltepolitik verfolgt das Ziel Mensch und Umwelt vor schädlichen Einwirkungen durch Luftschadstoffe zu schützen. Sie konnte in der Vergangenheit wichtige Erfolge erzielen. So wurden beispielsweise die verkehrs- und industriebedingten Emissionen von Stickstoff- und Schwefelverbindungen in den letzten Jahrzehnten stark reduziert. Ein ähnlicher Erfolg blieb bei den Ammoniakemissionen aus der Landwirtschaft bisher aus, diese stagnieren seit gut zehn Jahren auf hohem Niveau. Auch bei der Belastung mit Ozon gibt es nur bei den Spitzenwerten eine rückläufige Entwicklung. Die Konzentration bodennahen Ozons  in siedlungsfernen Gebieten in Mitteleuropa hat sich hingegen in den vergangenen 100 Jahren etwa verdoppelt. Die bestehende Belastungssituation stellt noch immer eine bedeutende Gefährdung für die Biodiversität dar.

Im Rahmen der Genfer Luftreinhaltekonvention wurde das Konzept der kritischen Belastungsraten (Critical Loads) entwickelt. Dieses Konzept zielt darauf, Luftreinhaltestrategien so zu optimieren, dass die Überschreitungen der kritischen Belastungsraten durch den Eintrag von Luftschadstoffen minimiert werden. Durch diesen Ansatz ist es der Politik möglich, die Wirkungen auf die Biodiversität bei der Entwicklung und Umsetzung von Maßnahmen direkt zu berücksichtigen. Die nationale Strategie zur biologischen Vielfalt (NBS) verlangt die Einhaltung der Critical Loads/ Critical Levels zum Schutz empfindlicher Ökosysteme vor Eutrophierung und Versauerung sowie vor Schwermetallbelastungen und bodennahem Ozon bis 2020.

Bodenschutz

Der Boden unter unseren Füßen enthält eine enorme biologische Vielfalt, deren Ausmaß bisher nur geschätzt werden kann und von der das gesamte oberirdische Leben abhängt.  Ein Gramm Boden enthält Milliarden von Mikroorganismen, also Bakterien, Pilze, Algen und Einzeller. Unter einem Quadratmeter Boden leben Hunderttausende bis Millionen von Bodentieren, wie Fadenwürmer, Regenwürmer, Milben, Asseln, Springschwänze und Insektenlarven. Hochgerechnet auf einen Hektar ergibt das circa 15 Tonnen Lebendgewicht im durchwurzelbaren Bodenraum, was dem Gewicht von etwa 20 Kühen entspricht.

Bodennutzungen und ihre Belastungen

Die biologische Vielfalt in und auf unseren Böden ist durch unterschiedliche Belastungen bedroht:

  • Flächenversiegelung mit der Folge des Totalverlusts an Biodiversität
  • Erhöhte Stoffeinträge (Schad- und Nährstoffe) als Folge des Einsatzes von Dünge- und Pflanzenschutzmittel, Kompost und Klärschlamm auf der Fläche, aber auch diffuse Einträge von Luftschadstoffen führen zum Verlust an Vielfalt der im und auf dem Boden lebenden Arten.
  • Mit Erosion durch Wasser und Wind sowie durch Boden-Verdichtung (Zerstörung der Bodenstruktur) gehen Bodenqualität und Humusgehalt für die Pflanzenproduktion verloren, aber das Rückhaltevermögen für Schadstoffe und die Belüftung im Boden.
  • Auch der Klimawandel beeinträchtigt den Wasserhaushalt und damit auch den Stoffhaushalt von Böden.

Nationaler und europäischer Bodenschutz

Nach Paragraf 2 BBodSchG ist die natürliche Bodenfunktion als „Lebensgrundlage für Menschen, Tiere, Pflanzen und Bodenorganismen“ zu schützen. Das Schutzziel der natürlichen Bodenfunktionen erstreckt sich auch auf die bodentypischen Organismen. Für den Schutz gegen schädliche Bodenveränderungen wurde bei der Ableitung von Vorsorgewerten der Schutz der Bodenorganismen mit berücksichtigt. Zu bodenbiologischen Indikatoren für die Charakterisierung eines guten ökologischen Zustands der Böden besteht jedoch noch Forschungsbedarf.

Die Europäische Bodenschutzstrategie (EU-Kommission, 2006) benennt  den Verlust von Biodiversität in Böden als eine der bedeutendsten Gefahren für den Boden. Obwohl die im Entwurf vorliegende Boden-Rahmenrichtlinie der Europäischen Kommission den Erhalt der Biodiversität in Böden nicht explizit erwähnt, ist davon auszugehen, dass die darin vorgeschlagenen Maßnahmen (Schutz vor Verdichtung, Erosion, Versalzung, Versauerung und Verminderung der Schadstoffeinträge) zugleich positive Effekte auf die Boden-Biodiversität haben werden. Die von der Bundesregierung 2007 verabschiedete „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt“ thematisiert die Bodenbiologie bisher nicht direkt, aber in den Handlungsfeldern werden Ziele gesetzt – zum Beispiel die Verringerung der Stoffeinträge (z.B. Nährstoffe, Schadstoffe und Pflanzenschutzmittel) – durch die auch die Bodenorganismen geschützt werden.

Die Realisierung von Zielen des Natur- und Artenschutzes, die Extensivierung der Land- und Forstwirtschaft, die Minimierung der Stoffeinträge sowie die Verringerung des Flächenverbrauchs können einen Beitrag zum Schutz der Bodenorganismen und Bodenfunktionen leisten.

Boden-Dauerbeobachtungsprogramm

Auf vielen der circa 800 Flächen der Boden-Dauerbeobachtung führen die Bundesländer in ihrer Verantwortung auch bodenbiologische Untersuchungen durch. Diese Untersuchungen werden zurzeit in einem Forschungsprojekt zusammengetragen und ausgewertet.

Bodenbiologische Güteklassen

Ein Vorschlag für ein Konzept zur Bewertung der biologischen Qualität von Böden wurde mit den „Bodenbiologischen Güteklassen“ vorgelegt. Allerdings fußte das Projekt in erster Linie auf Waldstandorten, wenigen Grünlandstandorten und nur einem Acker. Damit sind bisher noch keine Bewertungen anthropogen beeinflusster Standorte möglich.

Bodenbiologischer Atlas

Eine interessante europäische Aktivität ist die Veröffentlichung des „Atlas der Boden Biodoversität“ durch das Joint Research Center (JRC) in Ispra (Italien). In Zusammenarbeit mit einer Reihe von Spezialisten aus den europäischen Mitgliedstaaten wurden Informationen zu Bodenorganismen, deren Vorkommen, Lebensweise, Gefährdung und Schutz zusammengestellt. Vervollständigt wird diese Zusammenstellung durch brillante Aufnahmen von Bodenorganismen und ihren Lebensräumen.

Biodiversität im Gewässerschutz

Die biologische Gewässergütekarte zeigte von 1975 bis 2000 eine kontinuierliche Verbesserung der Sauerstoffverhältnisse an – nach 1990 auch in den neuen Bundesländern. Aber reicht das aus, um die Biodiversität der Gewässer zu schützen? Die Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) von 2000 und die Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) von 2008 führten einen an Biodiversität und Natürlichkeit orientierten neuen Bewertungsmaßstab ein: den ökologischen Zustand. Die Nationale Strategie zur Biologischen Vielfalt hat die Ziele der WRRL und MSRL aufgenommen und verdeutlicht damit den Handlungsdruck an Flüssen, Bächen und Seen, im Grundwasser und den Meeren.

Biodiversität in Flüssen, Bächen und Seen

Wenn man den Maßstab „Guter ökologischer Zustand“ anlegt, bleibt noch viel zu tun:

  • Etwa 200.000 Wehre zerschneiden im Durchschnitt alle zwei Kilometer Deutschlands Flüsse und Bäche. Dies hat zur Folge, dass zahlreiche Fische nicht mehr wandern und laichen können.
  • Die Gewässer sind eingeengt, begradigt und vertieft, damit bis an die Ufer gesiedelt und gewirtschaftet werden kann und Schiffe ausreichende Wassertiefe haben. Die Fische finden somit auch nicht mehr die natürliche Vielfalt aus Kies, Sand und Schlamm sowie die für ihren Lebensraum typischen Wasserpflanzen, Insekten und Muscheln vor.
  • Zu hohe Nährstoffgehalte, die vor allem aus der Landwirtschaft stammen, lassen Algen übermäßig wachsen, wodurch Seen rasant veröden und verlanden.

Die EG-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) fordert, alle diese Probleme aufzugreifen und bis 2015 einen guten Zustand für die Gewässer zu erreichen. Die erste Bestandsaufnahme 2004 und die Zustandsbewertung in den Bewirtschaftungsplänen zur WRRL 2009 belegen große Fortschritte bei der chemischen Gewässerreinhaltung, zeigen aber auch Defizite und deren Ursachen beim ökologischen Zustand. Weniger als 9 Prozent der Flüsse in Deutschland befinden sich heute in einem guten Zustand. Für weitere 5 Prozent wird das bis 2015 erreichbar sein. Die Gründe liegen vor allem in den strukturellen Veränderungen von Bächen und Flüssen, zum Beispiel aus Gründen des Hochwasserschutzes, der Schifffahrtsnutzung oder der Gewässerunterhaltung im Zusammenhang mit der landwirtschaftlichen Nutzung. Bei den Seen fällt das Ergebnis besser aus: Etwa 40 Prozent erreichen den guten Zustand schon heute.

Biodiversität im Grundwasserschutz

Erste Untersuchungen zu biologischen Bewertungsmöglichkeiten, bauen auf Erkenntnissen zur mikrobiellen Aktivität und zu Besiedlungsmustern der Grundwasserfauna im Untergrund auf. In Grundwasserökosystemen kommen vergleichsweise wenige Organismen vor. So enthält ein Tropfen sauberes Grundwasser zehn bis 100-mal weniger Bakterien als ein Tropfen Oberflächenwasser. Auch die kleinräumige, lokale Artenvielfalt der höheren Organismen ist oft gering. Dagegen kann die Vielfalt  der vorkommenden Arten in großräumigen Bioregionen die Artenzahlen von Oberflächenwasserorganismen erreichen. Nachgewiesen werden vor allem kleine Krebstiere, Würmer und Milben. Insgesamt ist der Lebensraum durch viele Endemiten, Reliktformen und sehr seltene Arten geprägt. Grundwasser wird nach seiner Chemie und dem Wasserhaushalt bewertet. Ökologie und Biodiversität spielen bisher keine Rolle.

Biodiversität im Meeresschutz

Die Meeresumwelt nimmt eine zentrale Stellung in den unterschiedlichsten Kreisläufen der Biosphäre ein. Gleichzeitig unterliegt sie einem hohen Nutzungsdruck durch den Menschen, der eineVielzahl von Umweltproblemen, wie Überdüngung, Überfischung etc. nach sich zieht. Im Zuge der Umsetzung der Meeresstrategierahmenrichtlinie (MSRL) erfolgt eine Beschreibung des guten Meereszustands, die Festlegung von Umweltzielen und entsprechenden Indikatoren für jede Meeresregion auf der Grundlage einer Anfangsbewertung und schließlich die Aufstellung der Überwachungsprogramme für die Zustandsbewertung und zur Kontrolle der Wirksamkeit der ergriffenen Maßnahmen. Dabei nimmt der Erhalt der Biodiversität eine bedeutende Rolle ein.

Die Ästuare und Küstengewässer sind bereits nach der Wasserrahmenrichtlinie bewertet worden: Nur ein Prozent zeigen schon heute einen guten Zustand. Dafür sind maßgeblich die zu hohen Nährstoffbelastungen verantwortlich.

Klimaschutz und Anpassung an den Klimawandel

Der Klimawandel ist eine entscheidende Triebkraft für den weltweiten Verlust an Biodiversität. Als besonders gefährdet gelten beispielsweise Ökosysteme wie Feuchtgebiete, Korallenriffe, Mangroven- und Tropenwälder. Der Zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (Intergovernmental Panel on Climate Change – IPCC) rechnet damit, dass sich bei einem Anstieg der globalen Mitteltemperatur um 1°C das Aussterberisiko für zehn Prozent der weltweiten Arten erhöht (mehr Informationen).

Durch Klimaänderungen könnten in den nächsten Jahrzehnten Schätzungen zufolge bis zu 30 Prozent der derzeitigen Tier- und Pflanzenarten deutschlandweit aussterben, da ihre Anpassungsfähigkeit begrenzt ist (siehe Deutsche Anpassungsstrategie). Dies geht aus den Roten Listen (IUCN) der gefährdeten Arten in Deutschland hervor (Binot et al. 1998, Ludwig & Schnittler 1996).

Erhaltung der Biodiversität durch Klimaschutz

Mit der Klimarahmenkonvention (UNFCCC, 1994) und dem zugehörigen Kyoto-Protokoll (1997) hat sich die Staatengemeinschaft weitreichende Ziele gesetzt, um die Folgen der Klimaänderung zu begrenzen und die Anpassung an den Klimawandel voranzubringen.

Auch im Zusammenhang mit dem Schutz der Biodiversität setzt sich Deutschland weiterhin für ein ambitioniertes Klima-Abkommen ein, mit dem die globale Erwärmung auf maximal 2°C begrenzt werden kann. Allerdings führt bereits eine Temperaturerhöhung um weniger als 2°C zu unumkehrbaren Auswirkungen auf die Biodiversität, mit weitreichenden Folgen für das Klima und die sozio-ökonomischen Systeme. Das UBA setzt sich daher in der Beratungstätigkeit für BMU für Klimaschutzziele ein, die auch die Wirkung auf die Biodiversität angemessen berücksichtigen (EU-Veröffentlichung „Scientific Perspectives After Copenhagen“).

Die Interessen aller Staaten müssen in den internationalen Klimaverhandlungen angemessen berücksichtigt werden. Für die nationale und internationale Politikberatung analysiert UBA fortlaufend die ökologische Wirksamkeit umweltpolitischer Klimaschutzmaßnahmen, so zum Beispiel auch des Mechanismus zur Verminderung der Entwaldung (REDD+).

Ein prioritäres Ziel der Nationalen Biodiversitätsstrategie ist die Minderung der Treibhausgasemissionen in Deutschland. Mit dem Integrierten Energie- und Klimaschutzprogramm von 2007 und dem Energiekonzept aus dem Herbst 2010 hat sich Deutschland verpflichtet, die THG-Emissionen bis 2020 um 40% gegenüber 1990 und bis 2050 weiter um 80 bis 95% zu reduzieren. Die Umsetzung dieser Ziele soll regelmäßig überprüft werden.

Erhaltung der Biodiversität durch Anpassung an den Klimawandel

In Deutschland wurde 2008 die Deutsche Anpassungsstrategie an den Klimawandel verabschiedet. Die DAS berücksichtigt die Biodiversität als ein wichtiges Schutzgut und behandelt es sektorübergreifend innerhalb des Anpassungsprozesses mit integrierenden Maßnahmen. Dies soll die Risiken des Klimawandels für Ökosysteme und damit für Bevölkerung und Wirtschaft mindern.

In einer Vulnerabilitätsstudie hat das UBA 2005 die Auswirkungen des Klimawandels in Deutschland auf betroffene Regionen und Sektoren, welche die Biodiversität beinhalten, umfassend dargestellt. Weitere Informationen zum Thema Anpassung in Deutschland und Europa sind beim Kompetenzzentrum Klimafolgen und Anpassung des UBA (KomPass) erhältlich. Hier finden sich neben Hintergrund- und Fachinformationen auch Klimaprojektionen, ein Projektkatalog sowie mehrere interaktive „Tools“ zum Thema Anpassung, ein Terminkalender und vieles mehr.

Auf europäischer Ebene ist das UBA Mitglied der Arbeitsgruppe „Ad Hoc AG Adaptation and Biodiversity“ bei der Europäischen Kommission.

Innerhalb des Europäischen Themenzentrums Luft und Klima der Europäischen Umweltagentur (ETC/ACM) hat das UBA maßgeblich zu einem Überblick über die Klimafolgen in Europa beigetragen und einen Katalog von Leitprinzipien zur guten und erfolgreichen Anpassung an den Klimawandel erstellt (EIONET; Guiding Principles for adaptation to climate change in Europe).

Auf internationaler Ebene finanziert die Bundesregierung seit 2008 im Rahmen der Internationalen Klimaschutzinitiative (IKI) Projekte zu Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern, die auch den Schutz der Biodiversität unterstützen und bringt die Ergebnisse in die Verhandlungen ein. UBA ist als Mitglied des Steuerungskreises der IKI in die Begleitung des Programms eingebunden.

Chemikalien in der Umwelt

Weltweit werden circa 100 000 Chemikalien in verschiedenen Anwendungsbereichen, zum Beispiel als Industriechemikalien, Arzneimittel, Biozide oder Pflanzenschutzmittel, eingesetzt. Ein geringer Anteil der Stoffe, wie die in der Landwirtschaft großflächig ausgebrachten Pflanzenschutz- oder Düngemittel, wird dabei zielgerichtet und offen in die Umwelt ausgebracht. Für den größten Anteil der Stoffe stellt der Eintrag in die Umwelt jedoch einen unerwünschten Nebeneffekt bei der Herstellung, Verarbeitung, Anwendung oder Entsorgung dar. Der Eintrag umweltkritischer Chemikalien kann mit erheblichen Schäden für die betroffenen Ökosysteme und den in ihnen lebenden Arten verbunden sein:

  • So verursachte die Belastung mit dem Insektizid DDT in den 70ger Jahren Populationeinbrüche bei verschiedenen Greifvögeln,
  • bioakkumulierende Schadstoffe wie PCB und DDT beeinträchtigen das Immunsystems und die Fortpflanzungsfähigkeit bei Seehunden,
  • die Ausbringung von mit Tierarzneimitteln und/oder Bioziden belasteter Gülle auf landwirtschaftlichen Flächen führt zur Schädigung von Bodenlebewesen.

Jeder Chemikalienbereich verfügt über gesetzliche Regelungen. Bereits vor dem Einsatz der Chemikalie soll so sichergestellt werden, dass die Belastungen der Umwelt auf ein vertretbares Maß eingeschränkt und das Auftreten von Biodiversitätsschäden durch Chemikalieneinträge vermieden werden. Der Vollzug der Chemikaliengesetzgebung im Umweltbereich sowie auch die Fortentwicklung der zugrundeliegenden Konzepte der erforderlichen Risikoprüfung ist im Umweltbundesamt im Fachbereich IV gebündelt und umfasst die folgenden Bereiche:

Pflanzenschutzmittel

Keine Stoffgruppe wird so gezielt und in ähnlich großem Umfang offen in die Umwelt ausgebracht, wie die Pflanzenschutzmittel (PSM). PSM werden eingesetzt um bestimmte Zielarten (Schädlinge) zu bekämpfen. Da ihre Wirkung aber nicht auf die Zielarten beschränkt ist und sie zudem in der Landwirtschaft sehr großflächig und intensiv eingesetzt werden, ist eine umfassende Bewertung ihres Umweltrisikos erforderlich. Die unerwünschten Nebenwirkungen des Pflanzenschutzmitteleinsatzes können nicht nur für die benachbarten natürlichen Lebensräume, sondern auch für die landwirtschaftlichen Flächen selbst ein Problem darstellen. Beispiele hierfür sind potentielle Beeinträchtigungen der Bodenfruchtbarkeit durch Schädigung wichtiger Bodenorganismen oder von Tieren, die sich nur temporär auf den Flächen aufhalten, wie z. B. Wirbeltiere oder Blütenbestäuber bei der Nahrungssuche. Indirekte Wirkungen ergeben sich auch durch die übermäßige Beseitigung der Ackerbegleitflora mit so genannten Breitband-Herbiziden, denn für eine Vielzahl von Tieren entlang der Nahrungskette (zum Beispiel Goldammer oder Rebhuhn) bedeutet dies einen weitgehenden Entzug der Nahrung und somit auch der Lebensgrundlage. Der Pflanzenschutzmittelabsatz nimmt in Deutschland mit ca. 35.000 t Wirkstoffen im Jahr 2008 eine Spitzenposition ein und hat in den Jahren 1999 bis 2008 deutlich zugenommen.

Ein neues PSM kann nur zugelassen werden, wenn das UBA die Umweltrisiken des PSM bewertet hat und diese vertretbar sind. Mit dem Inkrafttreten der neuen Pflanzenschutzmittelverordnung VO (EC) 1107/2009 Ende 2009 wurde erstmals der Schutz der Biodiversität auch als eigenständige Zielvorgabe für die Risikoregulierung von Pflanzenschutzmitteln eingeführt. Das UBA hat die Biodiversität auch bisher schon als integralen Bestandteil der bestehenden Schutzgüter betrachtet und bei der Risikobeurteilung entsprechend berücksichtigt. Es existieren jedoch Defizite sowohl hinsichtlich der Konkretisierung des Schutzziels für die Risikobewertung als auch bei der Umsetzung effizienter Maßnahmen des Risikomanagements in die Praxis.  Basierend auf den Forschungsaktivitäten auf nationaler und internationaler Ebene ist das Umweltbundesamt bemüht die Umweltregulierung von Pflanzenschutzmitteln stetig an den neuesten Stand von Wissenschaft und Technik anzupassen.

Biozide, Arzneimittel

Auch für andere Bereiche der Chemikaliengesetzgebung wie den Bioziden oder den Arzneimitteln trägt das UBA als zuständige nationale Bewertungsbehörde die Verantwortung für den Schutz der Leistungs- und Funktionsfähigkeit der Ökosysteme und der biologischen Vielfalt vor unvertretbaren Einträgen von Chemikalien mit.

Chemikalien (REACH)

Mit der Umsetzung der neuen Verordnung zur Registrierung, Bewertung, Zulassung und Beschränkung chemischer Stoffe („REACH“) ist eine standardmäßige Prüfung der Umwelteigenschaften für die auf dem europäischen Markt befindlichen Chemikalien verknüpft. REACH verpflichtet Hersteller und Importeure von Chemikalien diese Daten zu erheben und zusammen mit Informationen zum sicheren Umgang mit diesen Chemikalien in der Lieferkette weiterzugeben. In einem Dossier, welches Hersteller und Importeure zur registrierung ihrer Chemikalien einreichen müssen, müssen sie nachweisen, dass die Verwendung dieser Stoffe nicht zu negativen Auswirkungen auf die Umwelt und die menschliche Gesundheit führen kann.

Die Behebung des eklatanten Informationsmangels zu den Eigenschaften der Chemikalien verbessert die Möglichkeit der Identifizierung und Regulierung von besonders besorgniserregenden Stoffen. Unter REACH gelten Stoffe als besonders besorgniserregend, wenn sie z. B. eine hormonelle Wirkung zeigen, negativ auf die Fortpflanzungsfähigkeit wirken oder besonders langlebig und giftig sind und sich in Organismen anreichern. Für besonders besorgniserregende Stoffe wurde unter REACH ein Zulassungsverfahren eingeführt. Es gibt aber auch die Möglichkeit unter REACH Stoff-Beschränkungen zu verabschieden.

Agrarpolitik

Galt die Landwirtschaft lange Zeit als Garant für die Arten- und Biotopvielfalt in der offenen Kulturlandschaft, zählt sie seit der Industrialisierung im Pflanzenbau und in der Tierhaltung zu den treibenden Kräften für den Verlust an biologischer Vielfalt.

Ursachen hierfür sind vor allem die stofflichen Belastungen durch Pestizideinsatz und Überdüngung aber auch die maschinengerechten (ausgeräumten) Landschaften ohne Gehölze, Feldraine und andere naturbetonte Biotope, die bei der Flurbereinigung auf der Strecke blieben, Entwässerung der Landschaft sowie der Intensivanbau von Hochertragssorten.

Emissionen aus der Nahrungsmittelproduktion (Landwirtschaft und Verbrennungsprozesse wie zum Beispiel Herstellung, Transport und Verteilung von Vorleistungen und verarbeiteten Produkten) haben die Flussraten insbesondere von reaktiven Stickstoffverbindungen erheblich erhöht. Daraus resultierende Umweltbelastungen sind vor allem Versauerung, Eutrophierung sowie Beiträge zur Klimaänderung. Durch erfolgreichere Minderungsmaßnahmen in anderen Sektoren wächst der Anteil der Landwirtschaft an der verbleibenden Umweltbelastung.

Wie sich die intensive Landwirtschaft auf Boden, Wasser, Luft, das Klima und die biologische Vielfalt auswirkt ist in der Broschüre „Umwelt und Landwirtschaft“ aus der Reihe „Daten zur Umwelt“ dargestellt.

Nachwachsende Rohstoffe, bislang hauptsächlich Raps und Mais, werden in Deutschland bereits auf ca. 2 Mio. Hektar angebaut und genutzt. Der Anbau von Biomasse muss nach guter fachlicher Praxis erfolgen, das bedeutet, dass der Anbau schutzgutorientiert erfolgen muss. Dabei sind die vorsorgenden Anforderungen des Umweltschutzes zu beachten.

Maßnahmen zur Reduzierung von Umweltschäden beinhalten eine deutliche Ausweitung des ökologischen Landbaus, die Honorierung ökologischer Leistungen, den Abbau umweltschädlicher Subventionen, die Besserstellung nachhaltig wirtschaftender Betriebe, „gerechte” Preise für ihre Produkte sowie entsprechende Schwerpunkte in Ausbildung und Beratung. Entscheidend ist auch das nachhaltige Ernährungsverhalten der Verbraucher.

Zur aktuell anstehenden Reformrunde der Gemeinsamen Agrarpolitik der EU (GAP) für die Zeit von 2014 – 2020 hat das UBA die Umweltschutzanforderungen in einem Hintergrundpapier zusammengefasst.

Bioenergie

„Der (CO2-)Emissionsfaktor für Biomasse ist Null“. So pauschal steht es noch im Treibhausgas-Emissionshandelsgesetz (TEHG) von 2004 (Bundesgesetzblatt, 2004 Teil I Nr. 35, 14. Juli 2004). Jedoch werden mit zunehmender energetischer und stofflicher Verwertung von Biomasse auch deren ökologische und soziale Folgen diskutiert. Dabei wird nicht nur der Emissionsfaktor in Frage gestellt, sondern auch kritisiert, dass die weltweite Ausweitung der Biomasseproduktion mit der Ernährungssicherung und dem Schutz der Biodiversität konkurriert.

Neben der direkten Flächenkonkurrenz zur Nahrungs- und Futtermittelerzeugung stehen auch bestimmte Anbaumethoden sowie Ernte- und Verarbeitungsverfahren in der Kritik. Die Biomasse verursacht die gleichen Probleme, wie die gesamte industrielle Landwirtschaft. Zur Ausweitung der Anbaufläche der pflanzenschutzmittelintensiven (Mono-) Kulturen Mais, Raps, Zuckerrüben und Kartoffeln wurde in den letzten Jahren Grünland in Acker umgewandelt sowie die Verwendung von Düngemitteln und Pestiziden erhöht. Viel Wasser verbrauchende Kurzumtriebsplantagen können den Wasserhaushalt schädigen, insbesondere bei gleichzeitig durch den Klimawandel zunehmendem Trockenstress. Eine übermäßige Entnahme organischen Materials (Stroh, Laub, Totholz) führt zur Humusverarmung der Böden.

Auch die Forstwirtschaft als wichtigster Lieferant von Biomasse für Energie ist aufgefordert, trotz Nutzungsdruck schon lange bekannte Nachhaltigkeitskriterien einzuhalten. National und international wird vor allem die Umwidmung von natürlichen oder naturnahen Mischwaldbeständen in Plantagen schnell wachsender Monokulturen kritisiert. Vollbaumnutzung braucht den Humus und die Nährstoffe der Waldstandorte auf. Landnutzungsänderungen auf kohlenstoffreichen Böden (wie Moore und Grünland) für Biomasseanbau führen zu massiven Treibhausgasemissionen.

Rechtliche Regelungen fordern Nachhaltigkeit. Die bereits 2007 zu beobachtende doppelte Nachfragesteigerung sowohl nach Lebensmitteln als auch nach Bioenergieträgern und die Perspektive gesteigerter Importe waren für die Bundesregierung Anlass, u.a. zum Schutz der Biodiversität den ersten Entwurf einer Biokraftstoffverordnung vorzulegen, die Nachhaltigkeit fordert und auch im internationalen Kontext relevant war. In Folge verständigte sich auch die Europäische Union in der Richtlinie 2009/28/EG zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen (EE-RL) auf Nachhaltigkeitsanforderungen für flüssige Biobrennstoffe und Biokraftstoffe.

Die Bundesregierung setzte diese Anforderungen in der Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV) und der Biokraftstoff-Nachhaltigkeitsverordnung (Biokraft-NachV) entsprechend der europäischen Vorgaben um. Beide Nachhaltigkeitsverordnungen verpflichten seit 1.1.2011 zum Nachweis der Einhaltung bestimmter Anforderungen, wenn eine Anrechnung auf die Biokraftstoffquote bzw. eine steuerliche Ermäßigung oder Vergütung nach dem EEG in Deutschland erfolgen soll. Den Nachweis führen von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) akkreditierte Zertifizierungsstellen.

Die beiden Verordnungen enthalten im Hinblick auf den Schutz der Biodiversität folgende Anforderungen als Zertifizierungsvoraussetzung: Biokraftstoffe und flüssige Biobrennstoffe dürfen nicht aus Rohstoffen hergestellt werden, die auf Flächen mit hohem Wert hinsichtlich der biologischen Vielfalt gewonnen werden. Ausnahmen gelten, wenn nachgewiesen wird, dass die Nutzung dem Naturschutzzweck nicht zuwiderläuft.

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