Letzte Änderung: 20.10.2011
Ergebnisse des UBA-Workshops: Monitoring von Arzneimitteln in der Umwelt – Notwendigkeit, Erfahrungen, und Perspektiven für die Arzneimittelzulassung am 14./15.09.2011
Arzneimittelrückstände in Gewässern sind ein wachsendes Problem. Um mögliche Umweltrisiken zu erkennen und effektvolle Minderungsmaßnahmen ableiten und ergreifen zu können, müssen Arzneimittel und ihre Abbauprodukte zielgerichtet gemessen und erfasst werden.
Rückstände von Human- und Tierarzneimitteln sind mittlerweile in fast allen Oberflächengewässern zu finden – Wirkstoffe wie Diclofenac, Carbamazepin und Sulfamethoxazol werden häufig als Problemstoffe identifiziert. Vereinzelt treten auch Funde in Grund- und Trinkwasser auf. Eine aktuelle Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes hat ergeben, dass allein in Deutschland bisher mehr als 150 verschiedene Arzneimittelwirkstoffe in verschiedenen Umweltkompartimenten gefunden wurden. Eine Vielzahl dieser Wirkstoffe wie z. B. Hormone, Schmerzmittel und Antibiotika besitzt ein hohes Potential, Umweltorganismen wie Fische und Kleinstlebewesen zu schädigen. Selbst in kleinen Fließgewässern in Gebieten mit geringer Bevölkerungsdichte können in Abhängigkeit vom Abwassereintrag hohe Belastungen mit Arzneimitteln auftreten.
Das Umweltbundesamt hatte am 14. und 15.09.2011 Experten von Länderbehörden, Wissenschaft und Industrie zu einem Workshop eingeladen, um aktuelle Arzneimittel-Messungen aus der Gewässerüberwachung der Bundesländer vorzustellen und Möglichkeiten zu diskutieren, diese Ergebnisse für ein Monitoring in Rahmen der Arzneimittelzulassung zu nutzen. Weiterhin wurde erläutert, welche Stoffe prioritär zu untersuchen wären und ob das chemisch-analytische Monitoring mit Methoden des Biomonitoring, also der Beobachtung von Effekten an Umweltorganismen, gekoppelt werden könnte.
Die Teilnehmer des Workshops waren sich einig, dass ein gezieltes Monitoring für Wirkstoffe mit hoher Umweltrelevanz die Bewertung von Arzneimitten verbessern und deren Umweltsicherheit erhöhen könnte. Problemstoffe können so besser erkannt werden. Die erhobenen Daten sollten auch im Zulassungsprozess von Human- und Tierarzneimitteln Berücksichtigung finden. Darüber hinaus wurde auch auf die stärkere Berücksichtigung des Auftretens und der Wirkung von Metaboliten und Transformationsprodukten betont.
Besonders wichtig ist ein Umweltmonitoring von Altarzneimitteln, die bereits vor der Einführung der Umweltbewertung bei der Zulassung auf dem Markt waren. Daher fordert das Umweltbundesamt seit langem ein systematisches Programm zur Bewertung kritischer Altarzneimittel.
| Vortragender und Institution | Titel des Vortrages |
| Ina Ebert, Umweltbundesamt | Monitoring von Arzneimitteln in der Umwelt – ein Werkzeug zur Verbesserung der Umweltrisikobewertung? |
| Dr. Heinz Rüdel, Fraunhofer-Institut für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie | Stoffbezogenes Umweltmonitoring - von der Probennahme zur Datennutzung Abstract PDF / 19 KB Präsentation PDF / 562 KB |
| Dr. Friederike Vietoris, Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz Nordrhein-Westfalen | Arzneimittelmonitoring nach WRRL und Umweltqualitätsziele Abstract PDF / 29 KB Präsentation PDF / 1,12 MB |
| Dr. Uwe Dünnbier, Berliner Wasserbetriebe | Arzneimittel als Targets im Wasserkreislauf Abstract PDF / 27 KB Präsentation PDF / 2,80 MB |
| Konstanze Bruns, Stefan Wilhayn, Landesbetrieb für Hochwasserschutz und Wasserwirtschaft Sachsen-Anhalt | Arzneimittel-Monitoring in Gewässern Sachsen-Anhalts – Ergebnisse Gewässer-überwachungsprogramm / Analytik Abstract PDF / 22 KB |
| Dr. Alexander Bachor, Landesamt für Umwelt, Naturschutz und Geologie Mecklenburg-Vorpommern | Arzneimittelbefunde in Gewässern des dünnbesiedelten Bundeslandes Mecklenburg-Vorpommern Abstract PDF / 137 KB Präsentation PDF / 5,57 MB |
| Christian Skark, Institut für Wasserforschung GmbH Dortmund | Monitoring von Arzneimitteln und organischen Spurenstoffen in der Ruhr Abstract PDF / 20 KB Präsentation PDF / 1,45 MB |
| Markus Lehmann, Landesanstalt für Umwelt, Messungen und Naturschutz Baden-Württemberg | Messprogramme zu Arzneimitteln in Fließgewässern Baden-Württembergs Abstract PDF / 20 KB Präsentation PDF / 675 KB |
| Dr. Marion Letzel, Bayerisches Landesamt für Umwelt | Auftreten und Verhalten von humanen Arzneimittelmetaboliten im Wasserkreislauf Abstract PDF / 29 KB Präsentation PDF / 4,84 MB |
| Dr. Arne Wick, Bundesanstalt für Gewässerkunde | Transformation von Arzneimitteln in der Umwelt und Konsequenzen für die Zulassung Abstract PDF / 22 KB Präsentation PDF / 2,41 MB |
| Dr. Axel Bergmann,Dr. Frank-Andreas Weber, IWW Rheinisch Westfälisches Institut für Wasser Beratungs- und Entwicklungsgesellschaft mbH | Aktueller Überblick über die Messdaten aus der Literatur und Priorisierung Abstract PDF / 20 KB Präsentation PDF / 980 KB |
| Dr. Dirk Jungmann, Technische Universität Dresden | Möglichkeiten und Grenzen des Biomonitoring von Arzneimitteln Abstract PDF / 19 KB Präsentation PDF / 715 KB |
| Prof. Dr. Rita Triebskorn, Universität Tübingen und Steinbeis-Transferzentrum für Ökotoxikologie und Ökophysiologie Rottenburg | Komplexes Biomonitoring von Schadstoffwirkungen inclusive Arzneimittelwirkungen am Beispiel des Projektes „Schussenaktiv“ Abstract PDF / 21 KB Präsentation PDF / 1,26 MB |
| Dr. Stefan Effkemann, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit | Arzneimittelrückstände in Fischen – Ergebnisse aus der Lebensmittelüberwachung Abstract PDF / 21 KB |
| Dr. Ines Rönnefahrt, Umweltbundesamt | Regulatorische Anforderungen, Erfahrungen und offene Fragen Abstract PDF / 21 KB Präsentation PDF / 519 KB |
| Dr. Thomas Knacker ECT Oekotoxikologie GmbH, Flörsheim am Main |
Notwendigkeit eines Arzneimittel-Monitorings aus wissenschaftlicher Sicht am Beispiel von PBT-Stoffen Abstract PDF / 69 KB |
| Dr. Sabine Gärtner, BMU; Dr. Klaus Günter Steinhäuser, Umweltbundesamt | Grußwort PDF / 47 KB |