BS-R-1 Information zum Verhalten im Katastrophenfall

Jugendliche üben Herzmassage am Torso einer Übungspuppe im Erste Hilfe Kurs .zum Vergrößern anklicken
Die Pflege und Entwicklung von Fähigkeiten wie der Ersten Hilfe ist Teil der persönlichen Vorsorge.
Quelle: Lisa F. Young / fotolia.com

Monitoringbericht 2015 zur Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel

Inhaltsverzeichnis

 

BS-R-1: Information zum Verhalten im Katastrophenfall

Knapp 40 Prozent der Befragten der Umweltbewusstseinsstudie 2012 informieren sich bislang über das richtige Verhalten im Katastrophenfall. Während weitere 10 Prozent sich dies für die Zukunft vorgenommen haben, sieht mehr als die Hälfte der Befragten hierfür keinen Bedarf.

Ein Tortendiagramm zeigt die Auswertung zu der Aussage: "Ich informiere mich darüber, wie ich mich im Katastrophenfall, z.B. bei Extremwetterereignissen oder Hochwasser, verhalten sollte." 38,0% antworteten ja, 56,7% nein und 5,3% weiß nicht.
BS-R-1 Grafik
Quelle: Umweltbundesamt
 

Information und Wissen – Bausteine zur Selbsthilfe

Die Selbstschutzfähigkeit der Bevölkerung ist eine wichtige Komponente des Bevölkerungsschutzes. Als Selbstschutz bezeichnet man die Summe der individuellen Maßnahmen der Bevölkerung, von Behörden und / oder Betrieben zur Vermeidung, zur Vorsorge und zur Selbsthilfe, d. h. zur Bewältigung von Ereignissen. Durch das richtige Verhalten in Notfallsituationen können Bürgerinnen und Bürger dazu beitragen, sich selbst und ihre Mitmenschen zu schützen und die allgemeine Sicherheit zu verbessern.

Kommt es zu einem Unfall oder einer Notsituation, benötigen die Rettungskräfte Zeit, um den Einsatzort zu erreichen und Hilfe leisten zu können. Sind dies bei einem Unfall i. d. R. nur wenige Minuten, kann es bei wetter- und witterungsbedingten Extremereignissen wesentlich länger dauern, bis Rettungskräfte in ausreichender Anzahl eintreffen, um allen Betroffenen helfen zu können. Auch kann das Einsatzgebiet zu groß sein, um alle Hilfsbedürftigen schnell zu erreichen. Um Leib und Leben zu schützen und Sachwerte zu erhalten, ist es daher bei Ereignissen wie schweren Unwettern, außergewöhnlich starken Schneefällen, Sturzfluten oder großflächigen Überschwemmungen besonders wichtig, dass die Bürgerinnen und Bürger sich zunächst selbst helfen können, bis Feuerwehr, Rettungsdienst oder Katastrophenschutz zur organisierten Hilfeleistung eintreffen.

Dabei gilt, dass vor allem derjenige richtig helfen kann, der sich mit den möglichen Folgen eines  Schadensereignisses schon auseinander gesetzt hat, bevor es eintritt. Es ist daher von Bedeutung, dass möglichst viele Menschen die sie betreffenden Gefahren kennen und über die richtigen Verhaltensweisen in Notfallsituationen informiert sind. Der technische Fortschritt in der Verarbeitung und Verbreitung geografischer Informationen hat in den letzten Jahren zahlreiche neue Quellen hervorgebracht, aus denen sich Bürgerinnen und Bürger über lokal oder regional bestehende Gefahren informieren können. So werden im Internet mittlerweile z. T. flurstückgenaue Informationen zu Hochwassergefahren, zu Geogefahren wie Massenbewegungen und Erdfällen oder auch zu Sturmschadensrisiken angeboten. Der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft e. V. bietet mit dem „Kompass Naturgefahren“ im Internet eine adressgenaue Einschätzung der Naturgefahren von Hochwasser, Sturm und Hagel, Blitz und Überspannung an, bislang allerdings nur für die Bundesländer Sachsen, Sachsen-Anhalt, Niedersachsen und Berlin.

Ausgehend vom Wissen um die Gefahren, die möglicherweise für ihren Wohn- und Arbeitsort bestehen, können die Bürgerinnen und Bürger sich Informationen über das richtige Verhalten für Notfallsituationen einholen. Wichtig ist zum einen die Entwicklung und Pflege allgemeiner Fähigkeiten z. B. durch Erste-Hilfe-Kurse. Zum anderen werden von Behördenseite Informationsmaterialien angeboten. Von Bundesseite informiert vor allem das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe über das richtige Verhalten im Katastrophenfall, etwa in Form von Broschüren sowie zentral und Internet-gestützt im deutschen Notfallvorsorge-Informationssystem. Hinzu kommen Informationsangebote der Länder und ggf. der vor Ort zuständigen kommunalen Behörden.

Den Ergebnissen der repräsentativen Umweltbewusstseinsstudie 2012 zufolge sind knapp 40 % der Befragten über das richtige Verhalten im Katastrophenfall informiert, weitere 10 % möchten dies zukünftig nachholen. Zwar geben die Zahlen keine Auskunft darüber, wie intensiv sich die Befragten mit den unterschiedlichen Gefahren und möglichen Verhaltensweisen auseinander gesetzt haben, sie zeigen aber, dass annähernd die Hälfte der Befragten den Bedarf für solche Informationen sieht. Bei der Interpretation der Zahlen ist auch zu berücksichtigen, dass nicht alle Bürgerinnen und Bürger wetter- und witterungsbedingten Naturgefahren in gleichem Umfang ausgesetzt sind. So treten Sturmfluten oder Hochwasser entlang der Küsten bzw. von Flussläufen auf, andere Gebiete sind hiervon nicht oder deutlich seltener und in geringerem Umfang betroffen. Gefahren wie Hitze, Starkregen oder Winterstürme sind räumlich allerdings weniger konzentriert. Auch wenn der Informationsbedarf insgesamt unterschiedlich ist, wäre wegen der teilweise flächenhaften Ausdehnung der Gefahren und angesichts der hohen Mobilität der deutschen Bevölkerung eine weiter verbreitete Kenntnis über die grundlegenden Verhaltensregeln in Notfallsituationen wünschenswert.

 

Schnittstellen

BS-R-2: Vorsorge in der Bevölkerung

FiW-­I-­3: Betroffenheit durch Stürme und Hochwasser

 

Ziele

Weiterentwicklung der Risikokommunikation mit Bürgerinnen und Bürgern; Unterstützung von Vorsorgemaßnahmen; Verbesserungen im Hinblick auf die zeitnahe, eindeutige und effektive Warnung und Information der Bevölkerung und auf den gesundheitlichen Bevölkerungsschutz. (DAS, Kap. 3.2.14)

Weitgehende Reduzierung der Folgen von gravierenden Störungen und Ausfällen Kritischer Infrastrukturen durch (…) eine wirkungsvolle Selbsthilfekapazität der unmittelbar Betroffenen (Nationale Strategie zum Schutz Kritischer Infrastrukturen, Kap. 5)