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10.2 Großbritannien


10.2.1 Entwicklungen in der Umweltgesetzgebung

In England hat sich die Altlastensanierung im Wesentlichen entlang zweier Hauptachsen entwickelt. Eine Hauptachse ist die Sanierung und Wiedernutzbarmachung stark kontaminierter Standorte wie ehemalige Industriebetriebe, Altablagerungen und Gaswerke. Der Grundgedanke ist, vernünftige Lösungen zu akzeptablen Kosten zu finden. Der Environmental Protection Act von 1990 regelte bis 1995 die Vorgehensweise bei der Altlastensanierung.
Die zweite Hauptachse ist das Brachflächenrecycling von kontaminierten und nicht-kontaminierten Standorten. Brachfläche wurde definiert als: "Land, welches so durch industrielle Tätigkeit oder sonstige Aktivitäten geschädigt ist, dass eine Nutzung ohne Behandlung nicht möglich ist". Das Flächenrecycling ist geregelt durch den Derelict Land Act von 1982.
Beide Ansätze wurden in einer gemeinsamen Politik integriert, deren Hauptzielrichtung die Wiedernutzbarmachung kontaminierter Standorte ist. Sanierung kontaminierter Standorte wird in erster Linie über ihre Wiedernutzbarmachung erreicht. In diesem Prozess versucht man ein Gleichgewicht zwischen den Sanierungskosten und der erforderlichen Schutzwirkung für die menschliche Gesundheit in Abhängigkeit von der geplanten Nutzung herzustellen. Bekannt ist dieses Prinzip unter dem Namen "Suitable for Use"
1995 wurde ein neues Umweltgesetz verabschiedet, der Environment Act 1995. Dieses Gesetz enthält ein eigenes Kapitel zu Altlasten, Teil IIA, womit ein Rahmen für zielgerichtete Altlastensanierung geschaffen wurde. Nach einer Übergangsperiode soll das neue Gesetz im April 2000 in Kraft treten.
Die wesentlichen Neuerungen sind:
- Schaffung der Environment Agency. Die Aufgaben der Agentur sind:
- Zuständigkeit für definierte "Spezial-Standorte"
- standortspezifische Unterstützung bei Sanierungsmaßnahmen
- Erstellung eines nationalen Altlasten-Berichtes
- Förderung technischer Forschungsprojekte
- Erarbeitung neuer Richtlinien zur Abwehr von Gefahren für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt. Die Rolle lokaler Behörden bei der Kontrolle und Beherrschung kontaminierter Standorte im Verlauf des Planungsprozesses wird betont.
- Eine neue Definition für Altlasten, welche einen signifikanten Wandel in der Betrachtung mit sich bringt. Die frühere Definition basierte auf der potentiellen Verunreinigung von Altstandorten während die gegenwärtige Definition auf die tatsächliche Anwesenheit von Kontaminationen bezogen auf die zukünftige Nutzung zielt. Die neue Definition erlaubt es, Altlasten mittels einer Risikobetrachtung zu bewerten.
- Festschreibung von Haftungsprinzipien und rechtlicher Verantwortlichkeiten der Beteiligten.
Auch das neue Gesetz verfolgt den seit langem bestehenden Grundgedanken des "Suitable for Use" weiter: Behördliches Handeln ist nur erforderlich, sofern es um nicht akzeptable Risiken für die menschliche Gesundheit oder die Umwelt geht, während ansonsten ausreichend kosteneffiziente Verfahren zur nutzungsorientierten Sanierung zur Verfügung stehen.
Das neue Gesetz wird zum Vorteil aller Beteiligten mehr Klarheit und Stabilität in die Altlastensanierung bringen. Vor allem soll wieder Vertrauen in den Grundstücksmarkt geschaffen werden: in den frühen Neunzigern hatte ein Vorschlag zur Einführung eines Registers über potentiell kontaminierte Grundstücke für erhebliche Verunsicherung gesorgt.

10.2.2 Brachflächenrecycling

Der neue Teil IIA des Umweltschutzgesetzes von 1995 unterstützt das politische Grundprinzip einer nachhaltigen Entwicklung. Die Regierung versucht mit ihrer Politik Nachhaltigkeit durch Förderung des Brachflächenrecycling und Einschränkung des Verbrauchs an "Grüner Wiese" zu erreichen. Dieser Ansatz wurde bekannt als "Urban Regeneration".
Man hat erkannt, dass die Wiedernutzbarmachung brachliegender Flächen in Städten und Gemeinden einen Impuls für die lokale und damit auch für die nationale Wirtschaft geben kann. Wiedernutzbarmachung von Flächen ist Teil einer umfassenden Strategie der Erneuerung, welche die Revitalisierung von Industrie und Handel, soziale Programme, Schul- und Berufsausbildung sowie das Gesundheitswesen betrifft. Erneuerung ist eine der fünf Schlüsselprioritäten der aktuellen Labour-Regierung: Integration, Erneuerung, Dezentralisierung, Partnerschaft und Nachhaltigkeit.
Wohnungsbau ist eines der Schlüsselelemente der Stadtentwicklung. Die Schätzungen belaufen sich auf einen Bedarf von fast 4 Millionen neu zu errichtender Wohnungen bis ins Jahr 2016. Die Regierung hat sich das Ziel gesetzt, 60% dieser Wohnungen auf Brachflächen oder in sanierten Gebäuden zu errichten. 1998 wurde von der Regierung eine Einsatzgruppe geschaffen, deren Aufgabe es ist, Ursachen für den Niedergang der englischen Städte zu ermitteln und Vorschläge zur Erhöhung der Attraktivität zu erarbeiten. Der Begriff der "Urban Renaissance" wurde als Leitgedanke für die Erneuerungsprogramme festgelegt.

10.2.3 Förderprogramme

Um die Entwicklung benachteiligter Gebiete zu befördern wurde 1993 eine nationale Stadtentwicklungsagentur namens "English Partnerships" (EP) gegründet. Aufgabe der Agentur ist es, durch Partnerschaften mit dem privaten Sektor, mit lokalen Behörden und Kommunen, positive Impulse für wirtschaftliches Wachstum, Schaffung von Arbeitsplätzen und Verbesserung des Umweltschutzes zu setzen. English Partnerships Aktivitäten zielen besonders auf die Schaffung von Investitionen mit dem strategischen Ansatz, durch öffentliche Gelder private Investitionen auszulösen. Zum Beispiel wurden in 1997/1998 mit einem Entwicklungsbudget von 290 Mio £ private Investitionen von über 700 Mio £ ausgelöst.
In vielen Erneuerungsprogrammen sind Fördermaßnahmen für die Altlastensanierung nur ein kleiner Teil des Gesamtbudgets. Einige staatliche Förderprogramme sind:

10.2.3.1 Derelict Land Grant (DLG)

Seit den Anfängen in den frühen Siebzigern bis Ende 1991 war das DLG-Programm (BrachflächenZuschuss) das wichtigste Förderprogramm im Brachflächenrecycling. Zwischen 1980 und 1991 betrugen die Ausgaben jährlich zwischen 150 und 200 Mio. £ . Zwischen 1979 und 1989 wurden jährlich im Durchschnitt 1314 Hektar Land wieder nutzbar gemacht.
Um die vorhandenen Ressourcen effektiver zu nutzen, wurde ab 1991 das Brachflächen-recycling in lokale Entwicklungsstrategien integriert,
Seit 1994 wird das DLG-Programm von English Partnerships verwaltet. Das DLG-Förderprogramm wurde mit den Förderprogrammen "English Heritage" und "City Grant Budgets" zum "Partnership Investment Fund" verschmolzen.

10.2.3.2 Investment Fund (English Partnerships)

Der English Partnerships Investment Fund dient in erster Linie zur Förderung der Wiedernutzbarmachung von Land und Eigentum. Dieser Fonds ist für die English Partnerships (EP) das wichtigste Instrument zur Stimulierung von privaten Engagements in Erneuerungsprojekten. Erreicht wird dies durch eine breite Palette von Instrumenten wie Darlehen, Bürgschaften, Zuschüssen und Joint Ventures. Bis 1997 hatte EP erfolgreich Erneuerungsprogramme in Höhe von 225 Mio.£ umgesetzt, in deren Folge über 13.000 Arbeitsplätze geschaffen und 1.700 Hektar Land wieder nutzbar gemacht wurden. Im Jahr 1997 startete EP eine Erneuerungsprogramm in Höhe von 347 Mio. £ für 56 Zechenstandorte mit insgesamt 2.206 Hektar Fläche.
Die Auswertung des 10-Jahres-Planes der EP in 1998 erbrachte folgende Resultate:
- Generierung von 950 Mio. £ privater Investitionen
- Schaffung von 51.500 Arbeitsplätzen
- Schaffung von 2,1 Mio m² Gewerbefläche
- Bau von 6.500 neuen Wohnungen
Seit 1999 werden die Regionalbüros der English Partnerships und der Rural Development Commission von sogenannten Regional Development Agencies (RDA) weitergeführt. EP arbeitet weiterhin im gesamtstaatlichen Rahmen.
Die neun RDA's sind zuständig für die wichtigsten Förderprogramme im Brachflächenrecycling.

10.2.3.3 Community Investment Fund

Der Community Investment Fund hilft Kommunen bei der Teilnahme an den von EP initiierten Erneuerungsprogrammen. Neben einer generellen Unterstützung kommunaler Aktivitäten gewährt der Fonds auch Hilfen bei der Berufsausbildung und Schaffung von Arbeitsplätzen.

10.2.3.4 Single Regeneration Budget and New Deal for Communities Initiative

Das Single Regeneration Budget-Programm (SRB) vereinigt eine Reihe von Förderprogrammen verschiedener Ministerien. Das Ziel des seit 1994 existierenden Förderprogramms liegt in der Verbesserung der Lebensumstände von Menschen in notleidenden Gebieten. Ein Schlüsselelement dieses Programms ist die Einbeziehung der Kommunen.
1998 kündigte die Regierung einen neuen Ausgabenplan über 3 Mrd. £ zur Erneuerung und Entwicklung der am stärksten benachteiligten Gebiete einschließlich ehemaliger Kohleregionen an.
Ein wichtiges Element dieses neuen Programms ist ein Fonds über 800 Mio. £ für die New Deal for Communities Initiative, eine konzertierte Aktion zur Förderung der am stärksten benachteiligten Wohngebiete. Das Programm vereint Erneuerung und Wohnungsbau auf lokaler Ebene, gibt wirtschaftliche Impulse und schafft Möglichkeiten zur Entstehung neuer Arbeitsplätze.
Für den Zeitraum von drei Jahren stehen mehr als 2,3 Mrd. £ für das Single Regeneration Budget-Programm (SRB) zur Verfügung. Im SRB-Programm sind 80% der Mittel für Maßnahmen in den am stärksten benachteiligten Gebieten vorgesehen. Das neue und besser ausgestattete Programm soll die kritische Masse liefern, welche aufbauend auf den bisherigen Erfahrungen in den Erneuerungsprogrammen notwendig ist, um in den besonders benachteiligten Gebieten eine nachhaltige Entwicklung zu befördern.
Die verbleibenden 20% werden in kleinere Projekte außerhalb der besonders benachteiligten Gebiete fließen. Dazu gehören auch Projekte in ländlichen Regionen, die in Kombination mit Mitteln der ehemaligen Rural Development Commission durchgeführt werden.

Weitere Informationen


Literatur
/1/ Department of the Environment, 1991. Derelict Land Grant Advice: Derelict Land Grant Policy (DLGA1). HMSO, London.
/2/ Rouse, J. and J. Murphy, 1998. `Where there is muck, there is gold.' Encouraging private investment in derelict and contaminated land. In: Contaminated Soil '98. Proceedings of the sixth International FZK/TNO Conference on Contaminated Soil, May 1998, Edinburgh, UK.Thomas Telford Publishing, London.
/3/ Ferber, U. (1996): Nationale und internationale Fördermodelle zum Brachflächenrecycling, Fachtagung "Risikominimierung für Investoren bei Entwicklungsvorhaben auf Altstandorten", UTECH 1996
Websites
www.lga.gov.uk/lga/planning/urbantaskforce.htm
Towards an Urban Renaissance' The Report of the Urban Task Force Chaired by Lord Rogers of Riverside. LGA Briefing - 29 June 1999. The Report of the...
Last modified on: 29-Jun-1999 - 29K bytes - in English
www.local-regions.detr.gov.uk/rdas/rdasup/suprda01.htm

Department of the Environment,Transport and the Regions. Supplementary Guidance to Regional Development Agencies. CHAPTER 1: REGENERATION. 1.1. Last modified on: 13-Apr-1999 - 45K bytes - in English


www.lawgram.co.uk/regen.html
REGENERATION. Some Legal & Practical Issues by. Carl Hopkins Candace Benjamin Andrew Carter. CONTENTS: 1. Introduction. 2. Economic, Social and...
Last modified on: 31-Jan-1999 - 106K bytes - in English
www.regeneration.detr.gov.uk/rs/02298.htm
Department of the Environment,Transport and the Regions. Regeneration Research Summary Interim Evaluation of English Partnerships:Review of...
Last modified on: 15-Nov-1998 - 19K bytes - in English


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