Letzte Änderung: 17.12.2010

Eine Vega in der Elbaue bei Dessau-
Wörlitz im Biosphärenreservat Mittelelbe.
Foto: UBA/Marahrens.

Ackernutzung des Auenbodens in der
Muldeaue bei Dessau.
Foto: UBA/Marahrens

Eine Vega in der Elbaue bei Steckby-
Aken im Biosphärenreservat Mittelelbe.
Foto: UBA/Marahrens

Ein Vega-Gley in der Elbaue bei Steckby-
Aken im Biosphärenreservat Mittelelbe.
Foto: UBA/Marahrens
International wird die Vega (Plural: Vegen) als Fluvic Cambisol oder als Fluvisol bezeichnet (WRB)
Vegen sind braune, fruchtbare Böden im Überflutungsbereich von Flüssen und werden auch als Braune Auenböden bezeichnet.
Der Name Vega stammt aus dem iberischen Sprachraum und bedeutet so viel wie „Aue“ oder „fruchtbare Ebene“.
Typische Merkmale: dunkler, humusreicher Oberboden mit graubraunem, feinkörnigem Unterboden, der deutlich geschichtet und oft ebenfalls humushaltig ist. Darunter können sich Kiesschichten älterer Flussablagerungen oder Oberböden früherer Auenböden befinden. Vegen werden nur sporadisch überflutet und sind im oberen Bereich kaum von Grundwasser geprägt. Sie zeigen daher weder Rostflecken noch grau-blaue Verfärbungen.
Braune Auenböden (Vegen) gibt es weltweit entlang großer Flusssysteme. Auch an kleinen und mittleren Flüssen kommen sie vor, besonders in hügeligen Regionen mit Bodenverlagerung durch Erosion. Erosionsanfällige Böden in Lösslandschaften sind die Hauptlieferanten des Bodenmaterials heutiger Vegen. Durch die Rodung des Waldes und nachfolgende ackerbauliche Nutzung - örtlich bereits seit der Jungsteinzeit - wurden große Bodenmengen abgetragen.
Wechselnde Ablagerungsbedingungen und unterschiedliche Grundwasserstände ließen in den Auen ein kleinräumiges Muster verschiedener Böden entstehen. Mit zunehmendem Grundwassereinfluss kommen neben Vegen auch Grundwasserböden (Gleye) und Niedermoore vor. Nimmt der Einfluss des Grundwassers dagegen ab und bleiben episodische Überflutungen aus, entwickeln sich Braunerden und Parabraunerden.
Je nach Entstehungsart werden zwei Typen von Vegen unterschieden.
Bei der „allochthonen Vega“ geht die charakteristische Braunfärbung auf bereits vorverwittertes braunes Bodenmaterial im Auensediment zurück.
Erhalten die Auensedimente dagegen erst am Ort der Ablagerung ihre typische braune Farbe, spricht man von einer „autochthonen Vega“.
Je nach Herkunftsgebiet des Bodenmaterials der Vegen variieren auch ihre Eigenschaften. Über einem lockeren, krümeligen Oberboden mit reichhaltigem, aktivem Bodenleben folgt meist ein gut durchwurzelbarer Unterboden. In der Regel verfügen Vegen über hohes chemisches Bindungsvermögen, was dafür sorgt, dass zum einen Nährstoffe für die Pflanzenwurzeln gut nutzbar sind, zum anderen aber auch Schadstoffe an der Auswaschung ins Grundwasser gehindert werden. Neben dieser Reinigungswirkung bei der Grundwasserneubildung leisten Vegen durch ihr hohes Wasserrückhaltevermögen auch einen erheblichen Beitrag zum Hochwasserschutz.
Wegen der hohen natürlichen Bodenfruchtbarkeit und einem meist ausreichenden Wasserangebot sind Vegen bevorzugt landwirtschaftlich genutzte Standorte.
Die Ablagerungsschichten von Auenböden berichten ähnlich wie historische Archive über die Landschaft und ihre Nutzung. Der Einfluss des Industriezeitalters und des historischen Bergbaus lassen sich in Auenböden örtlich an erhöhten Werten von z.B. Schwermetallen oder organischen Schadstoffen ablesen.
Unter natürlichen Bedingungen entwickelt sich auf Vegen ein artenreicher Hartholzauenwald mit Esche, Ulme, Linde, Stieleiche, Hainbuche und einer vielfältigen Krautvegetation. Auenböden sind einzigartige Lebensräume für Tiere. So ist z.B. die Regenwurmdichte meist sehr hoch und die Uferabbrüche bieten dem Eisvogel ideale Brutstätten.
Vegen sind durch ihre Lage in meist dicht besiedelten Flusstälern sehr stark vom Flächenverbrauch betroffen. Auch Eindeichung und Grundwasserabsenkung im Zuge von Flussregulierung, Kiesabbau, Wassergewinnung und Intensivierung der Landwirtschaft unterbinden die natürliche Auendynamik und gefährden damit den natürlichen Bodenbestand im Ökosystem Auenlandschaft. Projekte an allen großen Flüssen, wie das Integrierte Rheinprogramm (IRP), versuchen, die unterschiedlichen Nutzer, den Hochwasserschutz sowie die Auenrenaturierung zu verbinden.